Teil eines Werkes 
Band 2
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6000 Einwohner beiderlei Geſchlechts. Faſt die Hälfte der Einwohner beſteht aus Verwieſenen(nicht immer Verbrechern), die entweder in den benachbarten Bergwerken arbeiten oder zur Jagd der Pelzthiere verwendet werden, und denen das Gouvernement jedem ein Pud Mehl und 8 Franken monat⸗ lich zu ihrem Unterhalt verwilligt. Die Hauptbeſchäftigung der Bewohner der Stadt beſteht im Anbau von Tabak, wo⸗ von jährlich in der Stadt und im Nertſchinskiſchen Kreiſe gegen 4000 Pud verkauft werden, in Viehzucht und in Handel. Das Vieh, ſoweit es nicht zum eigenen Bedarf geſchlachtet wird, wird größtentheils fremden Kaufleuten und Händlern überlaſſen, die es nach Kiachta zum Tauſch⸗

Feierſtunden. 1865.

handel mit den Chineſen bringen. Die Kaufmannſchaft von Nertſchinsk, die den Bazar unterhält, iſt vorzugsweiſe im Pelzhandel thätig und kauft alles Rauchwerk auf, das durch Unterhändler im Lande geſammelt, durch Jäger und Verwieſene ſelbſt hereingebracht, oder gelegentlich durch die den Bazar beſuchenden Tunguſen, Jakuten, Burjäten und herumziehenden Mongolenſtämme angeboten wird. Das Rauchwerk wird von der hieſigen Kaufmannſchaft, deren Geſammtumſatz im innern Handel auf nahe an eine Mil⸗ lion Rubel geſchätzt wird, gleichfalls nach Kiachte und nach dem Niſchnegorodſchen und Irbitſchen Jahrmarkt gebracht. An Rauchwerk wird im Durchſchnitt jährlich geſammelt

Der Bazar in Nertſchinsk.

und bis zur Verſendung im Bazar gelagert: 300,000 bis 350,000 Eichhörnchen, 45 50 Zimmer Zobel, 80 100 Stück Fiſchottern, 100 150 Luchſe, 500 600 Füchſe, 40 50 Vielfraße, 140 150 Bärenfelle, 700 800 Wolfs⸗ häute, 3000 4000 Iltisfelle, und von Hausthieren: 45

bis 50,000 ſchwarze und 30 35,000 weiße Lämmerfelle. Der Bazar von Nertſchinsk wird von allen Theilen des öſtlichen Sibirien aus beſucht, und faſt wöchentlich im Sommer kommen größere oder kleinere Karawanen hier an, um ihre Erzeugniſſe umzuſetzen. 2.

Die Pilgrime.

Ein ſchöner Brauch war's in vergangenen Tagen, nach der Stätte zu wallfahrten, wo einſtens der Erlöſer der Menſchheit gewandelt, um allda niederzuknieen, ſeine Sünden zu bekennen und Gott um die Ertheilung ſeines Geiſtes, des Geiſtes der Liebe und der Demuth anzuflehen. Man wallfahrtete alſo nach Jeruſalem, ſowie an alle die heiligen Orte des gelobten Landes, und ſpäter auch nach Rom, weil allda die heiligen Apoſtel Peter und Paul den Märtyrertod erlitten haben ſollten; allein man wall⸗ fahrtete nicht dahin in der Ueberzeugung, durch die Wall⸗ fahrt ſelbſt Vergebung der Sünden zu erlangen, ſondern vielmehr in dem feſten Glauben, daß ſolches nur möglich

ſei, wenn man ein gebeſſerter Menſch geworden. Dagegen hoffte und wußte man, daß Einer, der jedwedes weltliche Dichten und Trachten auf die Seite geworfen hat, um ſeine Gedanken einzig und allein der Ewigkeit zuzuwenden, um

ſo fähiger ſei, ſein bisheriges ſündhaftes Leben zu erkennen, und deßwegen unternahm man jene großen und ſchwierigen Reiſen nach Rom und Jeruſalem.

Schon an ihrer Kleidung erkannte man die Pilgrime oder die»Peregrini«, d. h. die Fremden, denn aus dieſem lateiniſchen Worte iſt der Name Pilgrim entſtanden. Sie trugen nämlich beinahe durchgängig ein langes braunes oder graues Gewand, das ihnen bis über die Knöchel hinab⸗ reichte, und hielten einen noch längeren Pilgerſtab in der Hand, den ſie mit allerlei Zierrathen aus dem Pflanzen⸗ und Mineralreich, wie ſie ſie in den fernen Landen vor⸗ fanden, ſchmückten. Die Füße waren bloß oder ſteckten höchſtens in leichten Sandalen, und den Kopf beſchattete (falls nämlich die Pilgrime Männer waren) ein mit Mee⸗ resmuſcheln gezierter, überaus breitrandiger Hut, während die Wallfahrerinnen ihre Haare haubenartig mit einem über

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