Teil eines Werkes 
Band 2
Seite
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vom Winde herangetriebenen Sande allmählig bis zur Hälfte begraben worden. Das ganze Gebäude, obgleich noch in ziemlich erhaltenem Zuſtande, ſchien vernachläſſigt zu ſein, und hatte ein finſteres, unfreundliches Aeußere. Auch das Innere gewährte keinen gefälligeren Anblick. Die hölzernen Wände waren von Würmern zerfreſſen, und die niedrigen Decken der Zimmer mit Namen und Zahlen, un⸗ richtig geſchriebenen Verſen und ſchrecklichen Carricaturen bedeckt, während mehrere verkohlte Stellen verriethen, daß meine Vorgänger mit dem Lichte und dem Feuer nicht ſehr vorſichtig zu Werke gegangen waren. Das Mobiliar be⸗ ſtand nur aus einigen zerbrochenen Tiſchen und Stühlen, einem eichenen Schranke und einer eiſernen Feldbettſtelle. Aber große Vorräthe an Holz und Oel waren vorhanden, drei Teleſcope, mit dem Zeichen der Regierung verſehen, ſtanden in dem größeren Zimmer, und an der Wand hing eine lange Flinte, nebſt zwei Hirſchfängern, deren Metall⸗ griffe von der feuchten Seeluft ganz mit Grünſpan über⸗ zogen waren. Man hatte mir vorher geſagt, daß ich alle zu meiner Bequemlichkeit erforderlichen Dinge mitbringen müſſe, und das Boot war deßhalb mit Lebensmitteln, Küchengeräthen, Matratzen und Betten ſtark beladen. Bei der Ausladung und Hinaufſchaffung dieſer Gegenſtände lei⸗ ſteten die Leute des Bootes mir und meinen ſchwarzen Dienſtboten weſentliche Hülfe. Sie beſtanden aus einem ſchönen, alten Manne, welcher Hemd, Beinkleider und Jacke von geſtreifter Hausleinwand trug, deſſen Sohne und einem jungen Mulatten, und verweilten nach beendigter Arbeit noch einige Zeit bei mir, um ein Glas Whisky auf meine Geſundheit zu trinken.

Jetzt ſieht Eure Kajüte ſchon etwas ſchiffsmäßiger aus, ſagte der alte Mann, die auf der eiſernen Bettſtelle liegenden Matratzen und wollenen Decken betrachtend;aber einſam und langweilig wird es hier für einen Mann, wie Ihr, ſein, der an das Stadtleben gewöhnt iſt. Es gibt zwar Nachbarn hier, aber fügte er mit leiſerer Stimme hinzu,ich warne Euch, Fremder, ſeid vorſichtig, bis Ihr wiſſet, mit wem Ihr zu thun habt.

Was meint Ihr? fragte ich erſtaunt. Allein der alte Mann war nicht geneigt, ſich deutlicher auszuſprechen, und äußerte nur murmelnd, daß für ein blindes Pferd ein Nicken eben ſo gut ſei wie ein Wink, und entfernte ſich gleich darauf.

Die alte Negerin, welche in der That eine in der Klaſſe ihrer Farbe ſeltene Neigung zur Arbeit beſaß, be⸗ gann ſingend die Einrichtungen der Küche zu treffen, wäh⸗ rend Juba langſam und ſchwer keuchend Brennholz herbei⸗ ſchleppte. Nachdem ich die Laterne in Augenſchein genom⸗ men und die Lampen mit Oel gefüllt hatte, trat ich in das Freie und ſchlenderte an das Ufer. Die Ausſicht war weit, aber einförmig. Waſſer und Sand ſo weit das Auge reichte, von Norden nach Süden und von Oſten nach Weſten, nichts als Waſſer und Sand. Am Ufer lagen zahlreiche bunte Muſcheln und viele Häufchen röthlichen Seegraſes. Auch Krebſe krochen in großer Anzahl umher, und eine Schildkröte ließ ſich platſchend in die Tiefe einer kleinen Bucht hinab, als ich mich nahte. Mein Auge ſchweifte die weite, ſcharf abgegrenzte Küſte entlang, an der die Sandhügel in unregelmäßig gewundener Linie lagen, ſo wie der Wind ſie während der ſtürmiſchen Monate auf⸗ gehäuft hatte. Die Vegetation war dürftig, denn nur wenige Graspflanzen gemeiner Art und von dunkelgrüner Farbe klammerten ſich verzweifelnd an den ſandigen Boden, und hier und da ſchoß eine wilde Baumwollenſtaude auf, deren Samen ein Sturmwind von dem Feſtlande über das

Feierſtunden. 1864.

Meer dahingetragen hatte. Die hier heimiſchen Waſſer⸗ vögel waren außerordentlich zahm, umflogen mich ſchreiend und erinnerten mich an Robinſon Cruſoe's Herrſchaft über die Thiere und das Geflügel der wüſten Inſel. Lange ſtrengte ich meine Augen an, aber konnte nirgends eine Spur von menſchlichen Wohnungen entdecken. Nur einige weiße Segel waren am fernen Rande des Horizontes ſicht⸗ bar, und ſelbſt ihr Anblick gewährte mir einen gewiſſen Troſt, da ſie ein Band zwiſchen meiner Einöde und der geſchäftigen Welt bildeten. Schwere Zweifel begannen ſich in meiner Bruſt darüber zu regen, ob ich wohl gethan hatte, dieſe Stelle anzunehmen.

Holla, Freund, ſeid Ihr der neue Leuchtthurms⸗ wächter? rief plötzlich eine tiefe Stimme hinter mir.

Ich wandte mich um und ſah auf der Spitze eines Sandhügels einen großen, ſonnverbrannten jungen Mann, in Jägertracht und hohen Waſſerſtiefeln und mit einem zerdrückten Strohhut auf dem Kopfe, ſtehen. Er hatte ein Gewehr in der Hand und eine Jagdtaſche an der Seite, die mit geſchoſſenen Vögeln angefüllt war. Ein rothes Tuch war loſe um ſeinen Hals geſchlungen, und ſein gan⸗ zes Koſtüm hatte etwas Nachläſſiges und zugleich Maleri⸗ ſches, was ihm faſt das Anſehen eines Räubers gab.

Holla, könnet Ihr nicht antworten? donnerte die tiefe Stimme von Neuem.

Ich erwiederte, daß ich der neue Leuchtthurmswächter, ſoeben vom Feſtlande angekommen und ganz zu ſeinen Dien⸗ ſten ſei.

Alſo ſind wir Nachbarn? verſetzte der Jäger, in⸗ dem er ſich näherte und mir die Hand reichte.

Es war eine große, braune, knochige Hand, deren Druck mir faſt Thränen auspreßte. Nach dieſer Begrüßung lehnte ſich der Inſelbewohner auf ſein Gewehr und be⸗ trachtete mich lange von Kopf bis zu den Füßen.(Siehe Bild auf Seite 553.)

Ich hörte, daß ein neuer Wächter komme, fuhr der Rieſe fort,und mein Vater, der alte Daddy Brown, in Fruit Creek, mein Name iſt Japhet Brown, ſagte, wenn ich Euch begegnete und wenn Ihr mir gefielet, ſo ſollte ich Euch zu wiſſen thun, daß Ihr zu jeder Zeit ein gutes Eſſen und ein Glas Branntwein in Fruit Creek be⸗ reit finden würdet...

Nachdem er ſich mit ſeiner brummenden Stimme die⸗ ſer gaſtfreundlichen Einladung entledigt hatte, begann er mich von Neuem anzuſtarren, wie um völlige Gewißheit darüber zu erlangen, daß ihm mein Aeußeres gefalle. Was mich betraf, ſo war ich mit mir einig, daß die Erſcheinung meines neuen Bekannten keine ſonderliche Bewunderung ver⸗ diene. Der Menſch war mir zuwider, allein ich wußte nicht, weshalb. Es war nicht das Rauhe und Ungeſchlachte in ſeinem Weſen, nicht das verworrene, ſchwarze Haar, das unter dem zerriſſenen Rande des Hutes herabfiel, nicht der Schmutz auf ſeinen Kleidern, was mich abſtieß, nein, ich hatte brave Leute von noch rauherer Außenſeite kennen gelernt und zu lange die Welt geſehen, um den Druck der von Arbeit gehärteten Hand eines redlichen Man⸗ nes zu verſchmähen; allein in Japhets Geſicht drückte ſich nichts als eine rohe, wilde Freundlichkeit aus, während die Züge ſchwer und lauernd waren, der Blick der ſchwarzen Augen unruhig und verſchlagen ſtarrte, und in dem Lächeln ſeiner Lippen etwas Finſteres und Freches lag. Der Mann war mir zuwider, aber ich hütete mich wohl, Kälte oder Abſcheu zu verrathen. Der Wächter des Leuchtthurmes auf Cap Hatteras durfte nicht ſehr anſpruchsvoll in der Wahl

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