Teil eines Werkes 
Band 2
Seite
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und pathetiſch. Zuweilen ſingen zwei Parteien abwechſelnd in Fragen und Antworten, oder Eine Stimme ſingt allein und die Uebrigen antworten im Chor. Zur Nachtzeit und in einiger Entfernung gehört, haben manche Geſänge auch für den Europäer etwas Gefälliges.

Die Nahrungsmittel der auſtraliſchen Eingebore⸗ nen, aus dem Thierreiche ſowohl als aus dem Pflanzen⸗ reiche, ſind, je nach den Jahreszeiten und den örtlichen Ver⸗ hältniſſen, ungemein mannigfaltig. Bei der großen Aus⸗ dehnung des Landes ſind die Verſchiedenheiten derſelben nicht unerheblich, aber ſo weit man das Land bis jetzt durch Unterſuchung und Berichte der Eingeborenen kennt, gibt es weder an den Küſten noch im Inneren, ſelbſt da, wo der Europäer nur unfruchtbaren Boden erblickt, Gegenden, die den Eingeborenen zur geeigneten Jahreszeit nicht den nöthi⸗ gen Lebensunterhalt lieferten. Die Bewohner ſolcher Gegen⸗ den haben durch langen Aufenthalt eine genaue Kenntniß von den Mitteln erlangt, ihre geringen Bedürfniſſe dort zu befriedigen, wo ein Weißer dem Hunger und Durſt erliegen würde. Das dichteſte Geſtrüppe, welches den Letzteren in ſeiner Wanderung aufhält und ihm oft ſo furchtbar erſcheint, iſt gerade für den Eingeborenen die reichſte Vorrathskammer, denn hier findet er einen Ueberfluß von wilden Thieren aller Art, ebenſo Brennholz bei kaltem Wetter, und Schatten gegen die drückende Hitze; und aus den Wurzeln großer Baumſtämme und durch Aufſammeln des Thaues von den Blättern weiß er ſich überall, wo Bäume ſind, Trinkwaſſer zu verſchaffen. Es gibt, wahrſcheinlich auch da, wo noch keine Europäer ſich angeſiedelt haben, keinen Landſtrich und keine Jahreszeit, welche den Eingeborenen nicht Lebensmittel darböte. Als die vornehmſten können angeführt werden: alle Arten von See⸗ und Süßwaſſerfiſchen, von Muſcheln, Schnecken und Krebſen; Schildkröten, Fröſche, Eidechſen und verſchiedene Schlangenarten; Inſekten und Inſekten⸗ larven; Eier verſchiedener Vögel, und die Vögel ſelbſt: Enten, Gänſe, Schwäne, Kropfgänſe, Truthühner, Wach⸗ teln, Papageien, Kakadus ꝛc.; von Säugethieren: Ratten, Mäuſe, Beutelthiere, Kängurus, Faulthiere, und an den Küſten Robben und Wale; dann Schwämme und mancher⸗ lei Wurzeln und Kräuter; Blätter und Früchte des Meſem⸗

Feierſtunden. 1864.

rungsmitteln einzuſammeln, und zu dem Hunger ſich noch die Kälte geſellt, gegen die ſie ungemein empfindlich ſind.

Ungemein verſchieden iſt die Art und Weiſe der Ein⸗ geborenen, ſich ihre Nahrungsmittel zu verſchaffen, und zeugt oft von großer Geſchicklichkeit, großem Scharfſinn, außerordentlicher Gewandtheit, Körperkraft, Geduld und Be⸗ harrlichkeit. Die Fiſche fängt man theils mit Netzen, welche aus Binſen verfertigt und an Stellen ausgebreitet werden, wo zu dieſem Behufe Dämme und Wehre errichtet worden ſind, theils auch, beſonders die größeren Gattungen, mit Spießen. Letzteres geſchieht meiſtens in den großen Flüſſen, bei niedrigem Waſſerſtande. Es verſammeln ſich dann größere Abtheilungen, oft an 40 50 Männer, im Waſſer in einem weiten Halbkreis. Auf ein gegebenes Zeichen tau⸗ chen alle zugleich mit ihren Spießen unter, und kommen nach kurzer Zeit wieder empor, um die gefangenen Fiſche ihren am Ufer ſtehenden Frauen zu übergeben. War der erſte Fang nicht glücklich oder nicht reichlich genug, ſo be⸗ gibt ſich der ganze Haufe einige Schritte weiter flußauf⸗ oder abwärts, und wiederholt das Untertauchen, welches oft eine Meile weit fortgeſetzt wird und nicht ſelten Fiſche von 15 und mehr Pfund zum Vorſchein bringt. Ungemein in⸗ tereſſant iſt dieſe Art des Fiſchfangs mit Spießen, wenn ſie zur Nachtzeit geſchieht. Der einzelne Eingeborene be⸗ ſteigt dann einen Kahn, und beladet dieſen mit einem Vor⸗ rath von Brennholz; hierauf wird ein ovales Stück Baum⸗ rinde, von drei Fuß Länge und zwei Fuß Breite, mit einer dicken Lage von feuchtem Schlamm oder Lehm überzogen und am Hintertheil des Kahnes auf einem Geſtell befeſtigt. Ein paar Stücke Holz werden in den Lehm aufrecht geſteckt, andere rings herum kegelförmig geſtellt, und dann das Ganze angezündet. Der Mann treibt nun den Kahn im Strome herab und beginnt ſein Geſchäft. Das Brennholz iſt von einer leichten, harzigen Gattung, welche ein helles Licht und einen angenehmen Geruch verbreitet, und faſt gar keinen Rauch macht. Außer dem Kahnführer, der zugleich den Spieß wirft, iſt noch ein zweiter Mann zur Unterhal⸗ tung des Feuers im Kahne. Vom Ufer aus geſehen fällt die Nachtfiſcherei, beſonders wenn eine größere Zahl von Kähnen beiſammen iſt, mit den ſchwarzen nackten Geſtalten

vryanthemum; mehrere andere Früchte und Beeren; die zar⸗ ten Rinden vieler Baum⸗ und Strauchwurzeln; die Samen mehrerer Hülſenfrüchte; verſchiedene Manna⸗Gattungen; den Gummi verſchiedener Eucalypten und Akazien; Bienenhonig und Honig aus den Blumen der Bankſia, der durch Ein⸗ weichen derſelben in Waſſer erhalten wird. Von dieſen ver⸗

ſchiedenen Nahrungsmitteln, die freilich nicht alle einen euro⸗ geeigneten verrichten pflegen. Bezüglich der Beſchaffenheit der Nah⸗

päiſchen Gaumen zu reizen vermögen, ſind zur

Jahreszeit viele nicht blos hinreichend, ſondern ſelbſt in ſo großer Menge zu haben, daß oft mehrere Hunderte von Eingeborenen eines ſelbſt kleinen Bezirks viele Wochen da⸗ von leben können, und dies ſind gerade diejenigen, welche Die Leichtigkeit, ſich faſt jeden iſt Urſache, daß die Eingeborenen von keiner Sorge für die Zukunft wiſſen, iſt die wahre Ernte für die in und ſelbſt wenn ſie im größten Ueberfluſſe ſchwelgen, ſel⸗ ten mehr als für den nächſten Tag einen kleinen Vorrath Nur wenn ſie auf Wanderungen begriffen ſind, zund die Beſchaffenheit der Gegend noch nicht kennen, nach welcher ſie ziehen, machen ſie eine Ausnahme von ihrer ge⸗ wöhnlichen Sorgloſigkeit, und verſehen ſich mit einigen Vor⸗ Am meiſten leiden ſie durch ihre Gleichgültigkeit

ſie am liebſten genießen. Tag Lebensmittel verſchaffen zu können,

aufheben.

räthen.

darin, im Glanze des nachſchwimmenden Feuers, höchſt maleriſch in's Auge, beſonders in dem Momente, wo der Fiſcher ſeinen Arm erhebt und die Waffe mit Blitzesſchnelle iin die Tiefe wirft. Auch große Süßwaſſer⸗Krebſe von zwei bis vier Pfund werden auf dieſe Weiſe gefangen. Letztere, ſowie Schildkröten und große Muͤſcheln, erhält man auch durch Tauchen, welches Geſchäft die Frauen zu

rungsmittel ſind die Eingeborenen Aüſtraliens nicht beſon⸗ ders ekel, und gleichen darin den Chineſen. In gewiſſen Jahreszeiten, beſonders im September, werden die Fiſche in den größeren Flüſſen von einer Krankheit befallen, und werden dann entweder kraftlos oder gar todt vom Strome auf der Oberfläche ſchwimmend fortgetrieben. Dieſe Zeit der Nähe der größeren Ströme hauſenden Eingeborenen, die überhaupt jeden Fiſch eſſen, wenn er auch ſchon längere Zeit abgeſtorben iſt, und eben ſo wenig Bedenken tragen, faule und angebrütete Eier zu genießen.

Kängurus werden theils mit Spießen erlegt, theils in Netzen und in Fallen gefangen. Zu dieſem Ende erfor⸗ ſchen die Eingeborenen die Waſſerplätze, Quellen oder Teiche,

gegen die Bedürfniſſe der Zukunft bei naßkalter Witterung, wohin ſich dieſe Thiere zum Trinken begeben, und die Wege,

wo es ihnen oft unmöglich wird, das Geringſte an Nah⸗

die ſie dahin einſchlagen. Um die Quellen her werden dann

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