von Lauſanne zu beurtheilen. Ein Mechaniker hatte eine Dreſchmaſchine dem öffentlichen Verkehr gewidmet und ſie ſo eingerichtet, daß er mittels einer verborge⸗ nen Röhre einen Theil der Frucht für ſich ableiten und entwenden konnte. Der induſtriöſe Scharfſinn wurde mit 15 Monaten Strafhaus bedacht.
Vor Kurzem hatte das in Schweidnitz tagende Schwurgericht Veranlaſſung, den Spruch eines ſrüheren nach neuerdings aufgenommener Unterſuchung möglichſt wieder gut zu machen. Ein junger Mann aus Peters⸗ waldau war wegen Straßenraubes zu 10jähriger Zucht⸗ hausſtrafe verurtheilt worden, da allen ſeinen Unſchulds⸗ betheuerungen gegenüber die Indicien und Zeugenaus⸗ ſagen zu ſtark gegen ihn zu ſprechen ſchienen. Nachdem der Verurtheilte ſeine Strafe bereits durch drei Jahre abgebüßt hatte, iſt endlich durch Verfolgung der Spu⸗ ren eines Gerüchtes die Wahrheit ans Licht gekommen. Das Motiv der Intrigue war Rache, die Zeugenaus⸗ ſage falſch, das corpus delicti, ein aus der Kleidung des damals Angeklagten herausgeriſſenes Stück Zeug, nicht bei Gelegenheit des vorgeblichen Raubes, ſondern bei einer früheren Prügelei unbemerkt von dem Ange⸗ klagten, in die Hände eines Feindes gekommen. Na⸗ türlich iſt der früher Verurtheilte ſogleich in Freiheit geſetzt worden.
Barbariſche Hinrichtungen in Amerika. Zu Union⸗Springs in Alabama und zu Troy im Staate Miſſouri wurden zwei Neger, welche in Folge jahrelang fortgeſetzter Mißhandlungen ihre Herren erſchlagen, von dem„erleuchteten Volke“ lebendig verbrannt. Der De⸗ linquent in Union⸗Springs litt zwei und eine halbe Minute, nachdem das Feuer angezündet war. Noch grauenhafter war der Auftritt in Troy. Dort kettete man den Neger an einen Baum, legte, nach Indianer⸗ art, in einiger Entfernung von ihm einen Kranz von ziemlich niedrig aufgeſchichtetem Holze und zündete das⸗ ſelbe an. Somit ward dem unglücklichen Schwarzen nicht die Wohlthat des Erſtickens zu Theil, ſondern er wurde geradezu lebendig gebraten, während ſeine Pei⸗ niger, wie Wilde heulend und jauchzend, ſich an ſeiner gräßlichen Todesqual weideten.
Anekdoten.
Sommerwohnung. Das Einkehrhaus„Zum braunen Bären“ war beſetzt, kein Winkel mehr war zu vergeben, denn der Andrang der Reiſenden war ein fa⸗ belhafter, weil Tags darauf das berühmte Schwedenfeſt mit Schießen, Feuerwerk und glänzendem Schützenball abgehalten werden ſollte. Da kam noch ſpät am Abend ein Wagen angefahren, ein kleiner, ſehr lebhaft geſtiku⸗ lirender Herr kugelte heraus und verlangte ein Zim⸗ mer.„Verehrteſter Herr!“ entſchuldigte ſich der Gaſt⸗ wirth,„es thut mir ſehr leid, daß ich nicht mehr die⸗ nen kann, aber es iſt Alles bis auf das letzte Bett ſchon vergeben!“—„Sacre dieu!“ erwiederte darauf der Fremde,„bin ich hergekommen expressement wegen die Feſt, bin ich beliebte mattre de danse, werden Sie mich nicht laß ſchlafen auf die Gaß, wenn bin ich kommen auf Recommandation exprès zu Monsieur! Werden Sie ſein galant, Monsieur hotelier, wie haben ich gehört lo⸗ ben überall die Bärenwirth!“ Während aller dieſer Tiraden erinnerte ſich der Bärenwirth, daß er noch ein Dachſtübchen, jedoch ohne Ofen und bei der herrſchen⸗ den Kälte ohne Schutz gegen die Witterung und ohne allen ſonſtigen Komfort, zur Noth vergeben könnte. Er faßt ſich alſo Muth und durch die Schmeicheleien des Frauzoſen kühner gemacht, wagt er es endlich und er⸗ öffnet dem Reiſenden, er hätte wohl noch eine Som⸗
Feuilleton.
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reden, die Sommerwohnung war an⸗ und in wenig Minuten darauf in plena forma eingenommen. Des andern Tages Morgens kam der Franzoſe zähneklap⸗ pernd, blau von Farbe und knieſchlotternd in das Spei⸗ ſezimmer herab, wo er, ohne ein Wort ſprechen zu können, den warmen Ofen umfaßte, ſo innig, ſo herz⸗ lich, als hinge ſein Leben daran. Der Wirth, den Grund ſolch' auffallenden Gebahrens leicht errathend, kam ſchüchtern heran und fragte nach dem Befinden des gnä⸗ digen Herrn und wie derſelbe geſchlafen habe.„Ah mon Dieu!“ ſagte wie ein Storch klappernd der Franzoſe, „haben wir geſchlafen brillant, aber, Monsieur hoteli er, ſein Sie vraiment brave Mann, daß Sie mir haben geben Sommerwohnung, das war tros bon, hätten Sie mir geben Winterwohnung— parole d'honneur, wäre ich ſchon gefroren todt!“
Oliver Goldſchmith, der Verfaſſer des„Vi⸗ kars von Wakefield“, hatte anfangs Medizin ſtudirt, konnte aber trotz des Doktorgrades, den er zu Padua erhalten zu haben behauptete, keine Patienten erlangen. „Ich praktizire nicht,“ ſagte er einmal,„ich mache es mir zur Regel, nur für meine Freunde zu verſchrei⸗ ben.“—„Bitte, theurer Doktor,“ ſagte Beauclerk, än⸗ dern Sie Ihre Regel und verſchreiben Sie nur für Ihre Feinde.“
In G... ſollte vom Gremium der Stadträthe über eine Sache abgeſtimmt werden und der Bürger⸗ meiſter ſetzte als ſein Votum an die Spitze der Ab⸗ ſtimmenden die Worte:„Stimmt der Mehrzahl bei.“ Der erſte der Räthe ſetzte darunter:„detto“ und ſo ging es bis zum letzten. Als das Zirkular zurückkam, wußte nun der Bürgermeiſter was er zuvor gewußt hatte, und es blieb nichts anderes übrig, als nochmals abſtimmen zu laſſen.
Bei einem heitern Mahle wurde tüchtig ge⸗ geſſen und getrunken.„Jetzt kann ich aber nicht mehr,“ ſprach einer der Gäſte,„jetzt iſt bei mir die Pforte ge⸗ ſchloſſen.“ Kaum hatte er dieſes geſagt, ſo wurde noch zum Schluſſe ein köſtlicher Wein aufgetragen. Die Luſt, auch von dieſem zu koſten, ſiegte.„Aber Sie haben ja ſchon die Pforte geſchloſſen,“ ſprach einer der Anwe⸗ ſenden zu dem auf's neue Trinkenden,„wo ſoll nun dieſer Wein hin, den Sie ſoeben getrunken?“—„Der muß noch zum Schlüſſelloch hinein,“ antwortete der muntere Zecher.
Ein Todtenbeſchauer kam in nicht geringe Ver⸗ legenheit, als er für einen vom Dache geſtürzten Schie⸗ ferdecker einen Todtenbeſchauzettel ausſtellen ſollte. Die Nubrik„Krankheit“ machte ihm Kopfzerbrechen. Endlich. ſchrieb er:„N. N. ſtarb an wenig Anhaltung an der Dachrinne.“
Im Jahre 18l8 erſchien ein Büchlein nur 62 Seiten ſtark, unter dem Titel:„Kleine Sammlung hochdeutſcher Gedichte von G. F. W. Renner“. Man kaun ſich nichts Lächerlicheres denken, als dieſe Samm⸗ lung, aus welcher wir zum Belege des Geſagten nur folgende Kleinigkeiten entnehmen:
An Theodor Körner. Man rühmt Dich häufig als Poet, biſt's werth auch, tapf'rer Körner! Denn Deine Verſe ſind ſehr ſchön und bleiben es auch ferner. Wie Annchens Geliebter auf einige Zeit verreiſen mußte und von dem Mädchen Abſchied nahnn. Ach Anuchen! weine nicht, ich bitte Dich mein Liebchen! Ich werd’ zu traurig ſonſt und geh' aus Deinem Stübchen.
Daß wir uns trennen itzt, iſt Schickſal(destinde),
merwohnung, ſollte dem gnädigen Herrn dieſe annehm⸗ u 3. 4 Adieu, mein Kind! ich Dich bald wieder ſeh'.
bar erſcheinen, ſo———“ Er konnte nicht mehr aus⸗
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