Feuilleton.
Profeſſor Cuno Fiſcher in Jena ſoll, wie die „Jahreszeiten“ berichten, ein geſchworner Feind aller Lyrik ſein und u. A. kürzlich vom Katheder herab ge⸗ predigt haben,„daß Geibel ſeines Erachtens nach rich⸗ tiger„Schreibel“ und Herwegh„Schmerweg“ hieße, da Beide nur poetiſche Schmierer unſerer Literatur ſeien.“
Der Telegraf, der die franzöſiſche Thronrede nach London blitzte, hat ſich einen ſehr burſchikoſen Schreibfehler erlaubt, indem er den Kaiſer anſtatt„ré- gion infime“(die Welt der kleinen Börſenmänner und Rentiers)„région infame“ ſagen ließ, was mehre Blät⸗ ter treuherzig überſetzten.
Nach einer Mittheilung des Herrn O. v. Haxt⸗ hauſen im„Theater⸗Moniteur“ ſoll Hamlet verrückt, nämlich entſchieden wahnſinnig geworden ſein! Schmerz⸗ lich überraſcht von dieſer traurigen Neuigkeit, telegra⸗ firten wir ſofort an den Geiſt ſeines Vaters(Shak⸗ ſpeare) und erhielten von dieſem die beruhigende Ant⸗ wort:„Mein Hamlet iſt nur toll bei Nordnordweſt; wenn der Wind ſüdlich iſt, kann er einen Kirchthurm von einem Leuchtpfahl und Herrn O. v. Haxthauſen von einem Dramaturgen unterſcheiden.“(Berlin.)
Der Komiker Levaſſor wirkte jüngſt in einer der Vorſtädte von Paris in einem Konzerte zum Beſten der Armen mit. Nach dem Konzerte vereinigte der Pfar⸗ rer die mitwirkenden Künſtler zu einem Dejenner. Le vaſſor fand unter ſeiner Serviette ein Oſterei, aus wel⸗ chem, als es zerbrach, fünf Napoleond'ors herausfielen. „Ah! Herr Pfarrer,“ ſagte der Künſtler, luſtig,„Sie wiſſen, daß ich gerne geſottene Eier eſſe; aber Eines wiſſen Sie nicht, daß ich nur das„Weiße“ eſſe. Er⸗ lauben Sie mir das„Gelbe“ Ihren Armen zu laſſen.“
Gerichtsfälle.
Die Biografie Rozſa Saͤndor's, welche wir⸗
in Nr. V. brachten, enthielt einige Unrichtigkeiten.
Der vom k. k. Staatsanwalte eutwickelten Anklage Rozſa Säaͤndor's entnehmen wir nun folgende Daten:
Rozſa Sändor wurde am 16. Juli 1813 in der untern Stadt Szegedin geboren und in der katholiſchen Kirche getauft. Er iſt der eheliche Sohn des Bauers Andreas Rozſa und deſſen Gattin Eliſabeth, geborne Hantos, hat keine Schule beſucht, keinen Unterricht ge⸗ noſſen und die Jugend als Viehhirt zugebracht. Sein Vater wurde bei Verübung eines Raubes erſchlagen und er ſelbſt ſtand, erſt 22 Jahre alt, im Jahre 1836 durch den Oberfiskal Ferd. Aigner des Verbrechens des Raubes angeklagt, vor dem Gerichtshofe zu Szegedin, der ihn dieſes Verbrechens mit Urtheil vom 10. Sep⸗ tember 1836 auch ſchuldig ſprach und zu anderthalbjäh⸗ rigem Gefängniſſe, ſo wie zu 150 Stockſtreichen— jedes Vierteljahr 25— verurtheilte..
Rozſa Saͤndor erſchien nämlich mit zwei anderen berittenen Betyären in der Nacht des 10. Februar bei dem Hauſe des Steph. Darabos in Szegedin, der durch das Hundegebell geweckt, aus dem Hauſe trat, ſogleich aber von zweien der Betyären ergriffen und unter gräu⸗ lichen Flüchen mit Piſtolen und Hacken mit dem Auf⸗ trage, ſich nicht zu rühren, bedroht wurde, während der dritte Raubgenoſſe zwei Kühe aus dem Stalle trieb, die dann die drei Räuber mit ſich fortführten. Rozſa Sändor leugnete auch damals hartnäckig die That, obgleich ſeine Perſonsidentität durch beeidete Zeugen erwieſen wurde. Der öffentliche Ankläger verlangte ſchon damals auf Grund des I. Theils 15 und fl. Artikel des Ver⸗ böczy'ſchen Tripart., daß Rozſa Säͤndor zur Todesſtrafe durch den Galgen verurtheilt werde...
Als Rozſa während ſeiner Strafzeit wie gewöhu⸗ lich am 10. Juli 1837 mit den übrigen Sträflingen auf dem öffentlichen Arbeitsplatze war, ſchlugen er und
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189 Franz Kiſs ſich die Eiſen von den Füßen ab und ent⸗ ſprangen. Seit dieſer Flucht wurde Rozſa durch die Sicherheitsorgane fortwährend eifrigſt, jedoch fruchtlos geſucht, der Ruf ſeiner böſen Thaten verbreitete ſich aber immer mehr. Insbeſondere ſtand er in Verdacht, daß er kurz nach ſeiner Flucht im Csongrader Komitate, auf der Pußta Nyeki, zwei Soldaten ermordet, im Jahre 1838 aber in der Stadt Makö einen bedeutenden Raub verübt und den ihn verfolgenden Sicherheitskommiſſär erſchoſſen und in der Nachbarſchaft mehrere Raube ver übt habe. Im Jahre 1842 hat Rozſa in Geſellſchaft des Samuel Török und Anderer einen Raub verübt, wurde betreten, allein es gelang ihm, zu entfliehen.
Im Jahre 1845 bat Rozſa um Allerhöchſte Nach ſicht der noch rückſtändigen Strafe. In dem hierüber er⸗ ſtatteten Berichte vom 5. Mai 1845 wurde er vom Ge⸗ richtshofeund Fiskalate als derjenige bezeichnet, welchen das Volk für einen der allergrößten Uebelthäter des Landes hält, weshalb er einer ſtrengen Unterſuchung unterzogen werden ſollte. Hierüber wurde auch mit Allerhöchſtem Erlaſſe vom 5. Juli 1845, Z. 8686 796, die ſorgfältigſte Ausforſchung des Rozſa und hiezu das gemeinſame Zuſammenwirken mehrerer Komitate aufge⸗ tragen. Allein alle Verfolgungen und Nachforſchungen blieben erfolglos, bis im Jahre 1848 die Revolution ausbrach und die revolutionäre Regierung Rozſa amne⸗ ſtirte, der nun im Oktober 1848 etwa 40 Männer ſeines Gelichters verſammelte und im Banate mehrfache Plün⸗ derungen und Braudlegungen ausführte. Obgleich be⸗ züglich dieſer Periode ſeines verbrecheriſchen Wirkens eine ſtrafrechtliche Verfolgung, kraft eines Allerhöchſten Gnadeuaktes nicht ſtattfindet, ſo ſei doch zur Charakte⸗ riſtik der damaligen Unternehmungen Rozſa'’s erwähnt, daß er ſelbſt angibt, es ſei ihm in Peſt die Beraubung der Serben mit dem zur Hauptaufgabe gemacht worden, daß die Beute zur Hälfte ihm und ſeinen Leuten, zur Hälfte dem Staate, d. h. der revolutionären Regierung zukommen ſolle. Aufangs 1849 zog ſich Rozſa von ſeinem Korps zurück. Er ſoll zwar ſpäter, von M. P. und G. E. zur Bildung eines neuen Betyärenkorps aufgefordert worden ſein, was Rozſa ſelbſt angibt und auch aus einem Berichte des Szegediner Stadthauptmanns hervorgeht; allein Rozſa will ſich nicht mehr daran betheiligt haben; dagegen diente er mehreren Grundbeſitzern von Szegedin kurze Zeit als Pferdehirt.
Als im Auguſt 1849 die Revolution niedergedrückt wurde, war man beſorgt, dem in erſchrecklicher Weiſe um ſich gegriffenen Räuberweſen das Handwerk zu legen und ſo begann auch wieder die Verfolgung Rozſa Sändor’'s. Mitte November 1849 gelangte man zur Kenntniß, daß Rozſa ſich mit Katharina Rödo, mit der Rozſa verheiratet ſein will, ohne daß über dieſe Ehe irgend eine ämtliche Beglaubigung zu erhalten war und von der er zwei Kinder hat, in der Tanya des Paul Tary aufhalte. Es wurde nun ein Räuberkordon von Militär dahin abgeordnet, welcher die Tanya zur Nacht⸗ zeit umſtellte. Rozſa, deſſen Auweſenheit Katharina Rödo ſelbſt beſtätigt, feuerte durch das Fenſter und tödtete zwei Soldaten, worauf es ihm gelang, unbemerkt zu entfliehen.
Im Jahr 1852 ſollte Rozſa zu neuer Thätigkeit gerufen werden. Die flüchtigen Revolutionsmänner waren, wie bekannt, damals bemüht, in Ungarn per⸗ manente Guerillabanden zu organiſiren und der juſtifi⸗ zirte Karl v. Andräsſy geſtand in ſeinem Verhöre vom 31. Mai 1852, daß er durch den berüchtigten Mack be⸗ auftragt war, Rozſa Sändor, Noßlopi und Mätſa als Bandenführer zu gewinnen. Obzwar Rozſa behauptet, daß ihm ein ſolcher Antrag damals nicht gemacht wurde, ſo gibt es doch manche Zeugen, welche bei den ausge⸗ breiteten, kombinirten Raubzügen jener Zeit Rozſa als einen der Anführer erkannt haben wollen, ohne jedoch die Identität ſeiner Perſon beſchwören zu können, da


