Jahrgang 
1
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Erſtes Kapitel.

Es kommt im menſchlichen Leben nicht ſelten vor, daß ein

langgehegtes Leid ſich plötzlich nicht mehr beruhigen läßt. Der einſiedleriſche Kummer hielt ſich lange zurück; endlich hört er das Wehr des menſchlichen Treibens aus der Ferne rauſchen, und nun iſt er nicht mehr zu beſchwich⸗ tigen: er ſtuͤrzt zu irgend einem verzweifelten Unterneh⸗ men fort.

Dies erfuhr eines Nachmittags die ſchöne Thekla, während ſie mit unruhiger Ueberlegung hinter verſchloſſe⸗ ner Thüre ſaß, und einen friſchen Rosmarinkranz flocht. Es war Donnerstag und Bärenhetze im Parisgarten. Die Königin Eliſabeth ſelber hatte, dem franzöſiſchen Ge⸗ ſandten zu Ehren, dies ungeſchlachte Schauſpiel beſucht, und ein anſehnliches Gefolge mit ſich gezogen. Da wim⸗ melte die Themſe von Hausgondeln der Vornehmen und Reichen, von Kähnen und Nachen für das Volk, die Menge ungerechnet, die ſich über die Londonbrücke hin⸗ über nach Southwark trieb. Dadurch war es nach und nach ſtiller in den Gäßchen am Strande geworden, und nur von Zeit zu Zeit, wenn das Beifallgeſchrei der Zu⸗ ſchauer aus dem Parisgarten mit dem Südwinde herüber⸗ 1*