10
Kind! rief ſie in ihrer Verwirrung aus, und kuͤßte Angelika, die von dieſem erſten„Du“ der Erzieherin zu Thraͤnen bewegt wurde. Im naͤchſten Augenblicke wars der Freundin recht aͤrgerlich, daß ſie ſich hatte uͤberraſchen laſſen, eine wunderliche Empfindung ihres Zoͤglings ſo feierlich aufzunehmen und zu beſtaͤtigen.
Es ſchien, als ob Vater und Schweſter des
jungen Mannes dieſen eben ſo ſchwer nach ſich
zu ziehen haͤtten„als es Angelika ward, die Ihrigen vorwaͤrts zu bringen. So kamen end⸗ lich beide Familien, wie durch ein unſichtbares Hemm⸗ und Zugwerk, unter einem und demſel⸗ ben Fenſter des noͤrdlichen Schiffes neben ein⸗ ander zu ſtehen und betrachteten die ſchoͤne Glasmalerei. Veronika ſprach den jungen Mann um die Bedeutung der Figuren an. Er erklaͤrte mit guter Einſicht die Bilder; doch achtete die Freundin dabei mehr auf den Sprechenden ſelbſt, um aus deſſen Rede, Blick und Ausdruck wo


