Jahrgang 
3
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Achtzigſtes Kapitel.

Die Leineweber.

Das Haus, welches Kunibert Scharf dem langen Chriſtian als ſeine Wohnung bezeichnet hatte, glich eher einer Kaſerne, als einem Wohnhauſe.

Es war ein langes, hohes Gebäude mit vielen Fenſtern, einer ſchmalen, ſchlüpfrigen Treppe, engen, dunklen Gängen und niedrigen Zimmern.

In guten Zeiten konnte man glauben, ein recht heitres glückliches Völkchen müſſe in dieſem Hauſe wohnen, durch das einförmige Geräuſch der Webeſtühle hindurch vernahm man Lachen und Singen vom frühen Morgen bis in die Nacht hinein.

Jetzt war das anders.

Viele Webeſtühle ſtanden ſtill, gleich Schatten ſchlichen die Menſchen in den Gängen umher, ſelten hörte man ein lautes Wort.

Von Lachen und Geſang war keine Rede mehr wer hätte dazu auch den Muth gehabt!

Die Wenigen, welche noch Arbeit hatten, blickten düſter und ſorgenvoll in die Zukunft, wie bald konnte das Elend auch ihre Schwelle überſchreiten!

Der lange Chriſtian erkannte ſofort dieſes Elend in ſeiner ganzen Größe, dennoch mußte er recht herzlich lachen, als ein altes Weib ihm entſetzt auswich und hinter ſeinem Rücken die Bemerkung fallen ließ, es fehle noch, daß nun auch noch der Bettler von Breslau hier ſein Quartier aufſchlage.

Er konnte nicht anders, er mußte lachen, ſo wenig Urſache dazu auch vorhanden war, ſeine überreizte Stimmung trieb ihn dazu.

Er trat in das Zimmer, welches Kunibert Scharf bewohnte und ſein erſter Blick fiel auf das Mädchen, deſſen Ehre er am Abend zuvor ſo wacker beſchützt hatte.

Mit leuchtendem Blick führte Scharf ſie ihm zu.

Meine Braut, ſagte er,Ihr könnt jetzt ihretwegen ruhig ſein, die Ehre meiner Marie hat einen guten Vertheidiger gefunden.

Ueberraſcht blickte der lange Chriſtian das Brautpaar an, er