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2. Der Zweite, der den Autor oder Verleger, Gott weiß warum, nicht leiden kann, der blättert ein Wenig herum, reißt das Buch und ſeinen Autor dergeſtalt her⸗ unter, daß es eine Freude iſt, und macht alsdann mit dem Freieremplar einer ſeiner Freundinnen ein kleines Geſchenk.
3. Der Dritte, der ein Kritiker im edlen Sinn des Wortes iſt, der lieſet das Buch aufmerkſam durch, fin⸗ det gute und ſchwache Seiten darin, beſchenkt das Gute mit gebührendem Lobe und rügt das Schlechte mit belehrendem, wenn auch ſtrengen Tadel und weiſ't dem recenſirten Buche ein Plätzchen in ſeiner Bibliothek an.
4. Der Vierte, der entweder dem Autor oder Ver⸗ leger abhold iſt(dem Erſtern vielleicht aus Neid, dem Letztern, weil er vielleicht ein Manuſcript des Recenſen⸗ ten remittirt hat), dieſer giebt das Buch ſeinem Stie⸗ felputzer oder Wäſcherweib zu leſen. Dieſe ſtatten den Bericht ab, daß das Ding gar nicht übel ſey. Da der Recenſent die Unpartheilichkeit nicht offenbar mit Füßen treten, das Buch aber auch nicht loben will, ſo ſchickt er es zurück und ſchweigt darüber.
Der Himmel weiß, in welche von dieſen vier Recen⸗ ſenten⸗Klauen meine„Geſpenſter» gerathen werden! Wenn es nach meinem Wunſche ginge, ſo möchte ich, daß Jemand aus der dritten Section ſein Urtheil über mich ausſpräche.
Bloßes Lob iſt verdächtig und gleicht einer Suppe ohne Salz; bloßer Tadel iſt größtentheils animos und


