Mit friſchen Stanzen, Madrigals, Canzonen, Gha⸗ ſelen, Oden, Sonnetten und Impromptu's empfehlen ſich Theobald Reimdich und Dagobert Freßdich, priviligirte Gelegenheits-Dichter.
Krähwinkel, am 31, Mai im 1830. Jahre der Thea⸗ terkabale.
Reflexionen uͤber Scheeren.
„Scheeren» und ageſchoren werden,» ihr ſeyd zwei inhaltsſchwere Worte, deren Einfluß wohl ein Jeder kennt. Scheeren und geſchoren werden, ihr zwei Worte ſeyd der Inbegriff unſerer achtenswerthen Liberalität, un⸗ ſerer hochgeprieſenen Humanität, unſerer verehrenswürdi⸗ gen Toleranz.—
Welche Erfindung iſt wohl ſo alt, als das Scheeren und geſchoren werden?! Schon bei Lebzeiten des Hrn. Tubalkain wurden die geduldigen Schaafe und zur Zeit des Herrn Simſon die geduldigen Menſchen ge⸗ ſchoren. Welch eine Gewalt das Scheeren auf die ganze Orgauiſation unſers Lebens ausübt, zeigt klar und dentlich die Scheererei von Dalila. Dieſe Dame hatte den armen Adorateur dergeſtalt geſchoren, daß er ſo ſchwach wurde, daß er ſich nicht wehren konnte.
Ja, ja, das Scheeren ſtumpft ab, verkürzt und zer⸗
trennt das menſchliche Leben.


