Jahrgang 
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noch im Tode, die Welt erfuhr nicht, daß er ſeine Gattin wiedergefunden und ihr verziehen habe. Sie blieb in dem ſtillen Dörfchenz tauſend Bande feſſelten ſie an den Ort, wo Melbach's Liebe zu ihr erblüht und nach langer Raſt wieder auferſtanden war, ſein Grab war ihre Er⸗

innerung, ihre Hoffnung. Die alte Gertrud kam zu ihr

und Eliſabeth lebte nun behaglicher, aber ſie kam ſelten über den kleinen Garten hinaus, der das Häuschen um⸗ gab, das ſie gekauft. Sie verließ den ſelbſt gewählten Stand nicht, um allen Vermuthungen zu entgehen, und eine angenehme Lertüre war der einzige geiſtige Genuß, den ſie ſich geſtattete. Nach langen Jahren las ſie in den Zeitungen den Tod des Grafen Bühl und eine Aufforde⸗ rung an ſeine Tochter, die er auf dem Todbette legiti⸗ mirt, ihr Erbe anzutreten. Ein ſchmerzliches Lächeln flog über Eliſabeth's Geſicht; aber ſie dankte Gott, daß er ſein Herz gelenkt, wenn auch ſpät. überall kam Frieden, Verſöhnung, Ruhe. Bald wurde es auch in dem Häuschen ſtill, ganz ſtill. Auf Melbach's Grab blühten

die Roſen, die eine treue Hand gepflanzt und ein leiſer

Wind führte die Blätter auf einen friſch aufgeworfenen Hügel daneben und übergoß ihn mit roſigem Schmuck. Da ſchlief Eliſabeth.