Jahrgang 
3
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die, die um Dich waren und mein Herz brach faſt vor Sehnſucht. Da kam mir ein Gedanke Du konnteſt ja nicht ſehen, und ich war ja nicht mehr Dein Weib; ich wollte Deine Magd werden und bei Dir ſein. So kam ich hierher, ich entdeckte mich der alten Gertrud, und nachdem die treue Seele begriffen, daß ſie mir Glück gab ſtatt Niedrigkeit, wenn ich an ihre Stelle trat, überließ ſie mir dieſelbe. Sie verſchaffte mir Bauernkleider und dann kam ich und und ſah Dich!

Ihre Stimme brach in Weinen aus und Melbach ſtreichelte ſprachlos ihre Wangen und das weiche, lockige Haar.

Mein theures, mein ſüßes, geliebtes Weib! flüſterte er,nun iſt es borüber, Du biſt wieder mein und meine Liebe bleibt bei Dir zurück.

Sie lag auf den Knieen vor ſeinem Bette, ſie lauſchte mit zitternder Wonne dieſen Liebeslauten, die ſie ſo lange nicht gehört, die ſie nie mehr zu hören geglaubt hatte.

Gieb mir Deine Hand, ſagte er,nun kommt der Tod. Küſſe mich einmal noch, lange und feſt Deine Liebe iſt das Leben!

Sie hielt ihn eng umſchloſſen, ſie bettete ſein Haupt feſt an ihre liebende Bruſt, die Gluth ihrer Liebe war mächtiger als die Schauer des Todes. Er fühlte ſie nicht, ſein letzter Athemzug war ein glückſeliges Lächeln, Elifa⸗ beth's Begnadigung.

Der dämmernde Morgen warf ſeinen Schein in das Zimmer und weckte ſie aus ihrem Gebet. Ein wunder⸗ barer Frieden war über ſie gekommen, ſie war wieder allein, aber es war anders als damals, wo eine unge⸗ ſühnte Schuld zwiſchen ihr und dem Geliebten ſtand. Sie fühlte ſeine Nähe, ſie empfand den Segen ſeiner Liebe tief in ihrem Herzen, ſie nahm dieſe Trennung demüthig und ergeben hin in der glücklichen Hoffnung eines Wiederſehens. 2 **

Niemand ahnte, wie nah Eliſabeth dem Entſchlafenen geſtanden hatte; ſie hielt die Ehre ſeines Namens heilig