17
ſeiner Waare trennen konnte, zögerte, bis ſelbſt die Hunde ſich zurückzogen und heulend in die Tiefe hinabſtürmten. Ein halbes Dutzend Kugeln folgte ihnen, offenbar er⸗ folglos, wie der Augenſchein lehrte. Zetzt dachte auch Aaron— leider zu ſpät— an die Flucht und betrat zitternd den Pfad, der Jene gerettet.
„Halt! ſteh', Sohn Iſtaels!“ riefen die Füſiliere. Wiederum knallten die Büchſen— Aaron brach zuſam⸗ men, ſtürzte kopfüber in den Abgrund hinab mit einem Weheruf, der ſchauerlich aus der Tiefe heraufklang und der ſelbſt das wüthende Geſchrei der Grenzjäger und Sol— daten plötzlich verſtummen machte. Indeß entſtand nur eine kurze Pauſe. Bald erſcholl das Commando wieder. Während die Officianten die zurückgelaſſenen Waaren in Sicherheit zu bringen ſuchten, eilte das Militair den Flüchtigen nach und wiederholte laute Anrufe; Drohun⸗ gen und Schüſſe, die ſtets ſchnell auf einander folgten, thaten zur Genüge kund, daß die Soldaten den Schmugg⸗ lern noch immer auf der Ferſe, daß letztere keineswegs gerettet waren. Erſt um die dritte Stunde ward es ruhiger. Truppweiſe und einzeln kehrten die Verfolger zurück, vereinigten ſich an der rothen Schlucht und ge⸗ leiteten dann bei dem matten Scheine einiger Fackelreſte die eroberten Waaren nach dem nächſten Grenzhauſe.— Es war ſeit 5 Jahren der erſte Sieg, den die Douanen über die Brambacher erfochten hatten.
Die Kunde von dem verunglückten Paſcherzuge und den mit ihm in Verbindung ſtehenden Ereigniſſen ging ſchon mit grauendem Morgen in Brambach von Haus zu Haus. Plätzer und Sepp, die gegen vier Uhr zurück⸗
gekehrt waren, hatten zunächſt Zuflucht im„Löwen“ ge⸗ Novellenbuch. Bd. II. 6


