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Koͤnigsſchein.
Der Bruder ſchlaͤgt den Koͤnig, Und raubt die ſtille Braut, Und achtet alles wenig, Weil er ſie bei ſich ſchaut. Doch ſchnell muß Richard fluͤchten, Das Volk ſteht gen ihn auf. Zu tiefen Felſenſchluͤchten Lenkt er des Rappen Lauf.
Die Nacht ruht auf den Zinnen, Die Wolken ziehn ums Schloß, Die Braut nun will er minnen, Reißt vom Altar ſie los.
Er traͤgt mit ſtarken Armen Sie fort ins Prunkgemach
Und hoͤhnt das Weh der Armen, Und ruft die Todten wach.
Das Brautgemach wird helle, Der Reigen tanzet leis, Die Geiſter tanzen ſchnelle Die Braut wird kalt wie Eis, und auf dem Hochzeitbette Da liegt der Roͤnig ſtill, Mit Zepter, Kron und Kette Die Braut empfangen will.
Der Bruder hebt ſich eilig, Stuͤrmt auf den Rappen jach, Der Reigen iſt nicht weilig,
Und rauſcht dem Flüchtling nach.
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