Jahrgang 
1868
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S e doch ſo angenehm wie möglich zu machen ſuchen, denn wenn man des Jahrgangs zu Muthe, wie Einem, der nach langer, raſtloſer einmal ſterben will, kann's Einem doch gleichgültig ſein, ob dasſ Tagesarbeit auf die Uhr blickt. Unſer Zeiger ſteht auf zwölf. ener Waſſer warm oder kalt iſt. Wir beginnen unſern zwölften Jahrgang. ahl⸗ Aus dieſer Statiſtik geht nun hervor, daß es die meiſten Selbſt⸗ Hans Wachenhuſen. mörder im Königreich und in den Herzogthümern Sachſen gibt, und q ſoll namentlich darin das kleine Sachſen⸗Altenburg excelliren. Danach * folgen in der Reihe Dänemark und die übrigen deutſchen Staaten. inen 3 Ueberraſchend iſt es, zu hören, daß England in der Reihenfolge Ueber eine ganz neue Induſtrie in Paris wird von dort Fol⸗ in erſt nach Frankreich kommt. Den Schluß macht das glückliche n berichtet: ir Spanien, wo die Leute ſo frei von Sorgen ſind, daß es ſich nicht e in 3 großen Hauptſtadt ſchläft und im Schatten 3 der Mühe lohnt, dem Leben freiwillig ein Ende zu machen. er Häuſer nur noch die Patrouillen ſchleichen, an den Kehricht⸗ lis⸗ Ferner erfahren wir, daß auf dreißig weibliche hundert männ⸗ haufen die Ratten ſich gütlich thun, und die Lumpenſammler ihrem rau liche Selbſtmorde kommen, woraus der Schluß zu ziehen wäre, daß mühſeligen Beruf nachgehen, dann ſieht der nächtliche Wanderer, Und die Frauen die Schläge des Schicals mit Zweidrittel mehr Faſſung der ſich beim Glaſe Bier oder in einer Soirke verſpätet hat, wol 5 und Philoſophie zu ertragen vermögen. Gbenſo intereſſant iſt die plötzlich aus einer finſteren Nebengaſſe ein halbes Dutzend Geſtalten Erfahrung, daß die Selbſtmorde am meiſten unter den Individuen auftauchen, die mit ein paar Blendlaternen, einigen eiſernen Stan⸗ graſſiren, welche über ſechzig Jahre alt ſind, alſo eine Lebenshöhe gen i i da 4. einem e in erreicht haben, auf welcher man nicht mehr viel zu verlieren hat. Trottvirſaum ſtehen bleiben, durch einige Augenblicke emſig hantiren und 465 aus nſe Sche meiſten Ptizſ und ihre Seioie Wanderung fortſetzen. Mancher mag ſich it morde im Sommer verübt. Poetiſcher wäre es nach meiner Anſicht, 3 zeut nbſie elen tnen, e n in⸗ den Selbſtmord, wenn er einmal nicht zu vermeiden iſt, im Herbſte ſei 65 ſter zu üben, um vorher wenigſtens noch die ſchöne Jahreszeit mitzunehmen. L hi ſie wollen. Die Abrichtung gewiſſer aus Eng⸗ land ſtammender Hunde, bull-terriers genannt, von denen mancher Humanität iſt eine ſchöne Sache. Es hat ſich herausgeſtellt, Pariſer ein paar Exemplare hält, und die als die furchtbarſten daß Auſtralien kein günſtiger Aufenthalt für die Deportirten ſei, Feinde aller ſchädlichen Nager betrachtet werden, erfordert das Auf⸗ welche die engliſchen Gerichte dahin, in die Strafcolonien, ſchicken bringen einer Anzahl lebendiger Thiere, auf welche die abzurichten⸗ laſſen. Die armen Menſchen, an die feuchten Nebel Londons gewöhnt, den Hunde in einem geſchloſſenen Raume Jagd machen, und ver⸗ ſollen die tropiſche Hitze Auſtraliens nicht ertragen können und wenn mittels deren ſie gehörig angeleitet werden können. An Ratten ſie nicht vom Fieber weggerafft werden, in großer Menge dem Wahn⸗ fehlt es in Paris nicht. Es kommt nur darauf an, welche lebendig ſinn verfallen. zu fangen. Und daraus iſt die Induſtrie entſtanden, die ich hier Das engliſche Gouvernement hat daher vorgeſchlagen, die Falk⸗ weiter erörtern will. Jedes Trottoir in der Seinehauptſtadt iſt mit trat lands⸗Inſeln zum Deportationsort zu machen, wo ſie ein dem eng⸗ eingelegten gußeiſernen Abzugskanälen verſehen, die direkt mit den liſchen ähnliches Klima finden würden. äußern Traufröhren der Häuſer in Verbindung ſtehen, und, damit eli, Im Frühjahr dieſes Jahres wohnte in dem Hotel welches ich ſie leichter gereinigt werden können, oben mit einem durchgehenden bezogen, ein Mann von funfzig und einigen Jahren, der durch die Falz verſehen ſind. In dieſe Abzugsrinne flüchten ſich nachts beim eine Seltſamkeit ſeines Benehmens auffiel. Er war einer dieſer Unglück⸗ leiſeſten Geräuſch die Ratten. Haben nun Rattenfänger beim Schein ichter lichen. Aus guter Familie, hatte er nach einer wild verbrachten der Blendlaternen eine Schar Ratten hineinſchlüpfen ſehen, ſo wird ripo Jugend ein Verbrechen begangen, das trotz aller Fürſprache mit raſch der Behälter vor die Mündung geſtellt, ein dünnes, an einen Deportation beſtraft werden mußte. Nach drei Jahren hatte man Stiel befeſtigtes Eiſenblatt nahe bei der Traufröhre in die Rinne ien. ihm ein tiket of leave gegeben, d. h. die Freiheit auf unbeſtimmte gebracht, herumgedreht und damit dieſe hermetiſch verſchloſſen, ein i9. Zeit, einen ungewiſſen Urlaub. Während er in Melbourne war, traf Verſchlußblatt am Behälter in die Höhe gezogen, mit einer durch 6 ihn die Nachricht, daß er ein koloſſales Vermögen geerbt. Man er⸗ den Falz geſteckten Eiſenſtange die Rattenſchar hinaus- und in den wirkte für ihn die Erlaubniß, nach England u dürfen. Kaſten getrieben und das Verſchlußbret wieder hinuntergedrückt, wor⸗ Hier verliebte er ſich in ein junges Mädchen aus ſchlicht bürgerlicher auf die Ratten gefangen ſind und die Jagd weiterab von neuem Familie bekam aber einen Korb, weil die Aeltern behaupteten, er beginnen kann. Es iſt wunderbar zu berichten, aber dieſe Art Jagd hwei ſen Pasoſnn Srſ e in Se Kue ghh Sihe Sn S er Mann litt offenbar am Tiefſinn und wie ſeine Umgebun zelne unter dieſen treiben ihr Handwerk mit ſolcher Leidenſchaftlichkeit, elan, behauptete, war es Sn incurable, aber meiſt gutmüthige Wahrjints daß keine Nacht vergeht, in der ſie ihren Kunden und Abrichtern nicht gunt dem ſo viele der nach Auſtralien Deportirten zum Opfer fallen. einige Kiſten voll lebendiger Waare beſorgten. Bis zu welchem Man kann einen Schuldigen zum Tode und zum Gefängniß ver⸗ Grade das Handwerk auch einträglich iſt, darüber verlautet noch nichts eine urtheilen, aber zum Wahnſinn, das iſt eine Strafart, die kein Geſetz Gewiſſes. Daß aber mit lebendigen Ratten ſchon ein ganz or⸗ zu mr zu rechtfertigen im Stande iſt. dentlicher Handel getrieben wird, kann für ausgemacht gelten. Als ein bedeutender, wohl der bedeutendſte Nimrod auf dem 3 wird ein Herr Naboul genannt, der in Zeit von anderthalb Jahren In Paris hat ſich eine Frage in den Vordergrund gedrängt⸗ blos in der Umgegend des Louvrehotels mehr als drittehalbtauſend die ſowol ihre juridiſche als geſchäftliche Seite hat. Sie lautet iſt Ratten in Gefangenſchaft brachte. Ob auch Ratten gleich Katzen 3 die Nähmaſchine ein Lurusartikel oder ein Werkzeug⸗ in gewiſſe Garküchen gerathen und Stammgäſten als Delikateſſe vor⸗ 1 Zu verſchiedenen malen nämlich haben die Huſſiers, die Execu⸗ R ſ P hlſchein⸗ toren, armen Nähterinnen, die von einem Gläubiger gedrängt wurden, geſest werden, darüber ſchweigt die Geſchichte noch. Unwahrſchein⸗ f ihre Nähmaſchinen weggenommen, um den Kläger damit als Pfand⸗ lich iſt es auf keinen Fall. 30 gegenſtand zu befriedigen. Einzelne dieſer unglücklichen Weſen haben phe ſich das gefallen laſſen; mit Thränen in den Augen ſahen ſie die Der Leſer hat im vorigen Jahre vielleicht von dem Spukhauſe kleine fleißige Maſchine aus ihrer Dachkammer wegſchleppen, zu deren in Marſeille gehört, in welchem Tag und Nacht eine Glocke ohne alle Ankauf ſie jahrelang geſpart, und die Gerichte machten ſich auch ſichtbare Verankaſſung dermaßen läutete, daß ſämmtliche Bewohner keine Skrupel daraus, dieſe Maſchine zu Gunſten der Gläubiger ver⸗ des Hauſes in Angſt und Schrecken die Flucht ergriffen. 5 kaufen zu laſſen. 3 Ich weiß nicht, wie die Sache zu Ende gegangen und ob es el in In Frankreich beſteht nun aber wie überall das Geſetz, daß gelungen, die verhängnißvolle Glocke zum Schweigen zu bringen. keinem Handwerker ſein Werkzug abgepfändet werden darf, und auf Inzwiſchen kommt von Amerika die Nachricht von einem ähnlichen no dieſes ſich berufend erheben je enng⸗ arme Nähterinnen, denen man PVorfall. h n ihren einzigen kümmerlichen Broterwerb genommen, einen lauten Amerika iſt das Land des Außerordentlichen und Uebernatür⸗ verließ⸗ bülfeſchrei. Sie verlangen ihre Nähmaſchinen von den Executoren liches gehört bei den Leuten dort zu den Alltäglichkeiten. Es ſteht, ſuſten zurück, ſie erklären ſie für ebenſo unantaſtbar wie die Preſſe des ſo heißt es, in der fünften Avenue ein Haus, deſſen Fenſter ſeit ige be⸗ Buchdruckers, wie die Drehbank des Drechslers, den Amboß des lange immer geſchloſſen ſind und vor deſſen Thür das Gras ſchon Schmiedes u. ſ. w. fußhoch wächſt. Seit dreizehn Jahren iſt Niemand in dieſes Haus e, die Wie wird die Frage entſchieden werden? Wird man etwa ſagen, gedrungen. Es gehörte einem reichen Kaufmann, der im Frühjahr m die Nähmaſchine ſei ein Lurus, weil man vor ihrer Erfindung mit den 1854 ſeine Familie nach Europa geſchickt hatte, wo ſie ihn im Auguſt Fingern genäht? Ich habe noch nicht gehört, daß dieſe kleine deſſelben Jahres erwarten ſollte. pr Maſchine bei Deutſchland von der Hand eines Erecutors ent⸗ Eines Abends fühlte er ſich unwohl beim Schlafengehen; er es ſein weiht worden iſt, wenn er ſie im Beſitz einer Nähterin gefunden. wollte um Hülfe rufen, hatte nicht die Kraft dazu und ward am Morgen todt im Bette gefunden. Man ſchrieb den Todesfall an in dn Mit meiner heutigen Plauderei nehme ich für dieſen Jahrgang ſeine Witwe, und dieſe beſchloß in ihrem Kummer, nie mehr nach vvom Leſer Abſchied, um im nächſten Jahrgange, deſſen erſte Nummern Amerika zurückzukehren. Sie befahl, das Haus zu ſchließen und es * bereits erſchienen, eineWochenchronik zu beginnen, die Alles, wasſ ſo zu laſſen, wie es beim Tode ihres Gatten geweſen. Neues und Intereſſantes auftaucht, dem Leſer erzählen wird. Der Aberglaube heftet nun an dieſes ſtille Haus die thörichtſten ber Hoffentlich finde ich beim neuen Jahrgang alle unſere alten und Erzählungen. Hinter den Vorhängen der Fenſter will man des Nachts . n getreuen Leſer wieder. Ich ſchöpfe hier einmal Athem. Einem Schatten umhertanzen ſehen; die Geſpenſter geben ſich um Mitter⸗ 4 Feuilletoniſten, der immer was Neues ſchaffen ſoll, iſt am Schluſſe! nacht ihr Rendezvous in den geſchloſſenen Räumen; man hört ſie diſlb 4= 4 .