fing die Wirthſchaft wieder an füllten ſich, der Kornboden bekam Laſt, die Winkel wurden voll und der Kuhſtall wurde ein Probeſtück, wie nur einer im Dorf.
durfte nicht hineinreden,
den. König, als ihm einſt am Weihnachtsabend ſeine Frau die erſten
fünfhundert Thaler Nur
ſich zu heben; die Scheunen
Der Herr Paſtor aber mußte getreulich Wort halten, er ohne an ſein Verſprechen erinnert zu wer⸗ Er ſtudirte in ſeinen Schriften und freute ſich wie ein
wieder ablieferte und bald mehr verſprach. von den verwendeten zweitauſend durfte ſie ihm noch kein Als er es ſpäter doch erfuhr, war er ganz un⸗ Sparſyſtem anfangen und Auftritten. Endlich gab
Wort ſagen. tröſtlich. Er wollte wieder mit ſeinem es kam noch einmal zu gar ſchweren er ſich darein.
Nach Jahren, wenn die Herren Amtsbrüder bei Beſuch kamen, fing auch er an, die Gewohnheit des Bauers an⸗ zunehmen. Der Kuhſtall wurde beſehen und durchmuſtert. Aber bei dem allſeitigen Lobe ſeines ſchönen und trefflich erhaltenen Viehes, ſeufzte er gemeiniglich und ſagte dabei:
„Theures Vieh, das, Herr Amtsbruder! Gott ſei Dank, daß jetzt immer Futter da iſt, zu Anfang, als ich dieſe Pfarre
ihm zu
Feuil
Aus aller Welt. XLI.
Was trinken die Sängerinnen?— Der Preis einer Haarnadel.— Die Selbſtmörder. — Die engliſchen Deportirten.— Die Heiligkeit der Nähmaſchine.
Mein Freund A. Dupenty war eine Zeit lang Secretär der großen Oper in Paris und hat natürlich bei dieſer Gelegenheit hin⸗ länglich hinter die Couliſſen geblickt. Er kennt die Eigenthümlichkeiten und die Schwächen aller Derer, die uns auf den Bretern ſo groß erſcheinen, deren Namen wir mit einem Glorienſchein umlichtet ſehen, und die doch ſo zuſammen ſchrumpfen, wenn wir vor ihnen ſtehen. Es iſt das mit allen Größen ſo; man ſoll ihnen nicht ſo nahe kommen, um den Moßſtab an ſie legen zu können. Ein Berg wächſt, je näher wir ihm kommen, ein Menſch wird kleiner, ſobald wir Gelegenheit haben, ihn als ſolchen kennen zu lernen.
Freund Dupenth iſt nicht umſonſt Secretär der Oper geweſen, er plaudert ſo mancherlei Couliſſengeheimniſſe aus, und ſo fragt er denn auch: Was trinken die Sängerinnen?— Waſſer gewiß nicht, denn dem Waſſer widerſtrebt jede Künſtlernatur; eine Nachtigall trinkt aus dem Bach, fliegt auf die Bäume und ſingt in den Wald hinein, für eine königliche oder kaiſerliche Sängerin will ſich das nicht ſchicken. Was alſo trinken die Künſtlerinnen?
Dupenth weiß es. Die Sontag trank nur den Saft einer blutigen Cotelette. Die Alboni trank Vordeaux, die Malibran trank Champagner. Mad. Boſio trank nur ein Glas Orgeade, die Taglioni trat nie in die Scene, ohne eine kalte Bouillon getrunken zu haben, Fanny Elsler liebte den Rereswein.
Von Sophie Eruvelli erzählt Dupenth, das Publikum der großen Oper habe, wenn ſie in Verdi's„Sicilianiſcher Vesper“ ſang, ſtets den Bolero in ſtürmiſcher Weiſe da capo verlangt,
Eines ſolchen Abends, als David, der bekannte Chef der officiellen Claque, der mit ſeinen Leuten ſtets den Applaus anzugeben und zu dirigiren hat, auf die Bühne kam, um ſich von den Künſtlern ſeine Inſtruction zu holen, d. h. zu wiſſen, wann er applaudiren und wann er da capo verlangen ſolle, ſagte die Cruvelli zu ihm:
„Ich bin nicht gut disponirt, laſſen Sie den Bolero nicht wiederholen.“
Der Director, als er das hört, iſt außer ſich, denn das Haus war gedrängt voll. Die Cruvelli beſtand auf ihrem Willen. Der Director holk die Dirigenten des Geſanges, des Orcheſters, die Regiſſeure zuſammen, Alle beſtürmen ſie. Die Cruvelli ſchlägt Alle zurück, geht in ihre Loge und erklärt, ſie werde ſich von dem ſtets anweſenden Theaterarzt eine Medicin verſchreiben laſſen.
Der Arzt kam. Ich, ſagt Dupenty, befand mich in der Nähe ihrer Garderobe und bemerkte plötzlich den rieſigen Diener der
Sängerin, der unter ſeinem großen Rock etwas verborgen hielt.
übernahm, hu, wie ſah es da aus! Alles war leer! Dieſe Kühe haben mir buchſtäblich die Haare vom Kopf gefreſſen!“
Das mußte der Herr Amtsbruder wohl glauben, denn Jener nahm dabei ſein Käpplein ab und zeigte ihm ſein faſt kahl⸗ gewordenes Haupt.
Der geneigte Leſer wird aus dieſer kleinen Erzählung ent⸗ nehmen, warum der deutſche Landwirth mit Recht ſtolz auf ſeinen Kuhſtall iſt. Deshalb gehört die Pflege deſſelben geradezu in den Bereich der innern Haushaltung jeder ländlichen Wirthin. Wo dann der Mann mit dem Futter knauſert, da gibts Mis⸗ ſtimmungen und Verdrießlichkeiten ohne Ende, die böſeſte Frau aber iſt mit einem gut ſituirten Kuhſtall zu beſänftigen. Und dies hat ſeine guten Gründe, weil das ganze Gedeihen der inneren Wirthſchaft ganz allein von ihm abhängt. Ohne ihn kommt keine Speckſeite in den Rauch, ohne ihn keine Linnenbleiche in den Kaſten. Der Acker wird ohne ihn misvergnügt, träge und ſauertöpfiſch, kurz, das ganze Behagen des Landlebens läuft mit ſeinen vielverſchlungenen Fäden bis in die Raufen jenes ſpinn⸗ umzogenen maleriſch liederlichen Raumes, den man den deutſchen Kuhſtall nennt.
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Unter dieſem Rock blickte etwas wie Silberpapier hervor. Ich trat auf ihn zu— es war eine Flaſche Champagner!
Ich pochte an die Thür der Garderobe.„Fräulein Cruvelli“, rief ich,„die Medicin iſt da!“
Die Cruvelli war ein gemüthliches Geſchöpf, trotzdem ſie eine große Künſtlerin war. Sie öffnete und brach in lautes Gelächter aus. Ich leerte mit ihr die Flaſche und der Bolero durfte da capo verlangt werden. 3
Dupenty's Erzählung könnte ich noch die Frage hinzufügen; was eſſen die Sängerinnen? Ich habe in Brüſſel eine erſte Sängerin kennen gelernt, deren ganze Erſcheinung verrieth, daß ſie ſich gut zu nähren verſtand. Als ich eines Abends im Zwiſchenact die Bühnen des Theätre de la Monnaie betrat, ſah ich in die Loge dieſer Dame ein Beefſteak, ein Dutzend Auſtern und einen Schoppen Rothwein tragen. Als ſie bei Beginn des nächſten Actes aus ihrer Garderobe kam, um in die Scene zu treten, fragte ich:„Haben Sie dieſes ganze Souper zu ſich genommen?“ „Allerdings!“ antwortete ſie lachend.„Ich kann nicht eine ganze Oper hindurch ſingen, ohne in den Zwiſchenacten etwas zu mir zu nehmen.“
lind das nannte ſie„etwas!“
Da wir von den Sängerinnen reden, ſei einer Anekdote er⸗ wähnt, deren Gegenſtand die ſchöne Nilsſon vor einigen Tagen war, als ſie in London ſang. Ein reicher Lord nämlich ſah auf dem Corridor einen Maſchiniſten des Theaters ſtehen, der eine Haarnadel in der Hand hielt und erzählte, die Nilsſon habe dieſelbe als Ophelia aus ihrem blonden Haar verloren.
Der Lord ſtürzte ſich auf den Maſchiniſten.„Was verlangen Sie für dieſe Nadel?“ rief er.—„Fünfundzwanzig Guineen!“ ant⸗ wortete der Maſchiniſt, der einen Scherz zu machen glaubt. Der Lord zahlte die fünfundzwanzig Guineen, nahm ſeine Radel und ging triumphirend davon.
Mit der Jenny Lind haben ſie's in England bekanntlich noch weit ärger getrieben. In Liverpooug man ſie in Triumph nach ihrem Hotel, und als ſie am andern Morgen eben daſſelbe verließ, um nach Mancheſter zu reiſen, warf ſich eine Meute von Enthuſiaſten in das Hotel und auf das Zimmer zu, das ihnen als dasjenige be⸗ zeichnet wurde, welches die Gefeierte bewohnt hatte.
Die Meute ſtürzte ſich auf das Bett, auf die Handtücher, die Servietten, riß Alles in Stücken, vertheilte dieſe und verließ dann das Hotel.
Gleich darauf erſchien ein Gaſt des letztern bei dem Wirth und beklagte ſich, man habe ihm während eines Spazierganges ſein ganzes Zimmer zerſtört und Alles mit ſich geſchleppt.
Die Enthuſiaſten⸗Meute hatte ſich in ihrem Paroxhsmus in dem Zimmer geirrt und das eines harmloſen Reiſenden geplündert.
Der Selbſtmord muß, wenn er auch gewiß nicht zu den Ver⸗ gnügungen gehört, doch ſeine Annehmlichkeiten haben. Ich leſe in einer neuen Statiſtik deſſelben, daß man ſich weniger im Winter als im Sommer ertränkt, woraus natürlich folgt, daß die Selbſtmörder, wenn ſie gar nicht umhin können, die That auszuführen, ſich dieſelbe


