das mit dem Meere in Verbindung ſtehen mußte, da es ſalzig war und mit Flut und Ebbe ſtieg und fiel.
Bis jetzt hatte uns noch nichts die Anweſenheit eines Menſchen in dieſen Räumen, außer uns, angedeutet, und wir begannen nun, nachdem wir allem Anſcheine nach die äußerſten Grenzen der Höhle erreicht hatten, den Zweck einer weitern Durchforſchung der Höhle zu beſprechen, als mein Diener John Hurley, der die Erlaubniß erwirkt hatte, ſich dem Streifzuge anzuſchließen, und der in ſeinem Eifer ziemlich aufgeregt war, aus vollem Halſe ſchrie:„Ich hab ihn! Kommt her! Da iſt er! Gib dich, Schurke!“
Wir erhoben unſere Fackeln, ſchauten nach der Richtung, woher die Stimme kam und entdeckten da Hurley auf den Knien mit einem Gegenſtande ſich balgen, der einem zuſammen⸗ gekauerten Menſchen glich. Im nächſten Augenblicke jedoch kollerte mein Diener den Abhang hinab und gleich darauf kündete ein fürchterliches Getöſe ſeinen Sturz ins Waſſer an. Wir fiſchten ihn auf, tropfnaß und blubbernd.„Ich dachte, ich habe ihn“, ſagte er,„gerade wie ich ihn faſſen wollte, glitſchte ich aus, er iſt aber noch dort oben. Sehr kalt iſt er auch.“ Dieſe beiden Bemerkungen waren ganz richtig, denn als unſer Führer zu der Stelle emporkletterte, von wo Hurley herabgefallen war, entdeckte er, daß das, was wir ſelbſt für den Flüchtling gehalten hatten, ein großer, einer Menſchen⸗ geſtalt ſehr ähnlicher Stalagmit war. Als das Gelächter über dieſen Vorfall nach und nach aufhörte, gaben wir in der ſichern Ueberzeugung, daß der Mörder nur zeitweilig, wenn überhaupt die Höhle benutzt habe, und wahrſcheinlich, wenn er glaubte, daß ihm Verfolger auf der Spur ſeien,— die weitere Nachforſchung auf und traten den Rückweg an. Nach⸗ dem wir noch die Umgebung der Höhle auf einige Diſtanz durchſucht hatten, wurden die übrigen Leute geſammelt und enttäuſcht kehrten wir zur Garniſon zurück.
Angeſpornt von der verſprochenen Belohnung oder von Rachegefühl für erlittene Unbilden, oder gereizt durch den Zweifel, den man nun bezüglich der Wahrheit ſeiner Angabe hegte, entſchloß ſich Iſaak Forbes, die Nachforſchungen nach Joel Tucker zu erneuern und blieb, ſtatt dieſen Abend zum Fiſchfange auszugehen, in ſeiner Hütte, bis es dunkel wurde. Dann ging er, wie er ſpäter angab, ruhig fort, kletterte auf einen großen Calabaſſebaum, ſetzte ſich zwiſchen deſſen Zweige, um Wache zu halten, da ihm die feſte Idee gekommen war, Tucker komme an dieſem Platze vorbei. Einige Stunden war alles ruhig, der Spottvogel hatte längſt ſeinen Geſang ver⸗ ſtummen laſſen, und der abnehmende Mond war eben aufge⸗ gangen, als Forbes bei ſeinem ſchwachen Lichte die Geſtalt eines Mannes unterſchied, die aus einem Dickicht in kurzer Entfernung von ihm ſich erhob, ein Bündel in der Hand auf den Baum zu und knapp an demſelben vorbeiſchritt, und dann eine ſüdliche Richtung einſchlug. Wäre auch gar kein Licht geweſen, die Schärfe des Blickes des Mulatten hätten hingereicht, ihn in der Perſon, die ſich ihm näherte, den erwarteten Mann er⸗ kennen zu laſſen. Es war Niemand anderes als Joel Tucker. Das wirkliche Verſteck Tucker's konnte nun Forbes auf einmal herausfinden. An der Südſeite des„Hauptlandes“ ſeewärts an einer Landzunge, wo die Brandung endet, dehnt ſich eine breite Strecke Spülſand aus, der, immer mehr und mehr ſich anhäufend, zur vollen Verwüſtung eines Dorfes beigetragen hat, das zur Hälfte ſchon früher durch eine Feuersbrunſt zerſtört und ſpäter von den Bewohnern gänzlich verlaſſen worden war. Sonderbarerweiſe hieß der Ort Tuckerstown. Nur einige geſchwärzte Mauern waren noch da, hinreichend zwar, um dem, der dort Obdach ſuchte, es zu gewähren, wenn er noch eine andere Abſicht hegte. Die Abſicht, die Tucker mit der Wahl dieſes Ortes verband, erkannte Forbes alsbald, und ſeine Meinung darüber wurde in der That beſtätigt. Geräuſchlos hatte er den Baum verlaſſen und wie Caliban ſchleichend, daß nicht einmal der Maulwurf ſeinen Fußtritt hören konnte, war er Tucker gegen das verwüſtete Dorf zu gefolgt und ſah ihn zwiſchen den Ruinen verſchwinden. Dort alſo war ſein Verſteck? Aber das zu wiſſen, war Forbes nicht genug. Er mußte ſich noch über Etwas Gewißheit verſchaffen und wartete
hierzu den Anbruch des Tages ab. Mit der früheſten Morgen⸗ dämmerung verließ er das Unterholz der Salbeibüſche, wo er gelegen war, und erſtieg eine nahe Anhöhe, von der aus er die ganze Küſte überblicken konnte. Sein ſcharfes Auge ſchweifte am fernen Horizonte, aber nicht Ein Segel war ſichtbar und er war mit der erlangten Gewißheit zufrieden, daß wenigſtens binnen einigen Stunden kein Schiff in Sicht kommen könne. Von dem Punkte, auf dem er ſtand, war auch das zerſtörte Dorf vollkommen zu überſehen und als er wieder einmal hin⸗ blickte, ſah er Joel Tucker einige Schritte hervorſchleichen, mit dem Rücken gegen das Land gewendet, und mit einer Hand die Augen beſchatten, als ob er nach einem vorbeifahrenden Schiffe auslugte. Tucker hatte alſo ſicher dieſen Ort gewählt, weil er ihm die meiſten Chancen zu einer Flucht von den Inſeln bot.
Nachdem der Mörder etwa zehn Minuten hinausgeblickt ins weite Meer, kehrte er zu ſeinem Verſteck zurück, während Forbes, nachdem er ſich nun von Allem, das er vermuthete, die Ueberzeugung verſchafft hatte, nach Walſingham eilte, ſein Boot beſtieg und ſchleunigſt nach St.⸗George fuhr, um die ſichere Kunde von Tuckers Aufenthalt zu überbringen.
Die Angelegenheit war jetzt in den Händen der Local⸗ behörden, welche ohne die Militärmacht in Anſpruch zu nehmen, ein größeres Boot für die Gerichtsdiener als das des Fiſchers bemannte, und Forbes anwies, ihnen als Führer zu dienen. Drei bis vier Stunden mochten verfloſſen ſein, ſeit der Mulatte ſeinen Beobachtungsort verlaſſen hatte und während dieſer Zeit hatte auch der ruheloſe Mörder ſeinen Entſchluß gefaßt. Zur Ausführung ſeines Planes hatte er wahrſcheinlich noch in der Nacht des Verbrechens ein Boot genommen, das er an der Küſte fand und das Eigenthum des Beſitzers einer Pfeilwurz⸗ pflanzung war, ungefähr eine Meile von St.⸗George— mit dem er dann auf das„Hauptland“ fuhr, die Fähre vermeidend, daher er auch von der Wache nicht geſehen wurde. Das
geſtohlene Boot, das man nicht gleich vermißte, weil es ſelten gebraucht wurde, verbarg Tucker in der Bucht, welche die Landzunge bildete, und wo es von Manglebaum⸗Geſtrüppe
verdeckt war. Die Lebensweiſe Tucker's, da er ſein Leben nur durch nächtlicherweile ausgeführte Diebſtähle friſten konnte, war mit ſo viel Gefahr verbunden, und ſeine Sorge, zu ent⸗ kommen, war ſo groß, daß er zuletzt beſchloß, ſich der offenen See anzuvertrauen, in der Hoffnung, von irgendeinem fremden Schiffe aufgenommen zu werden, und, wenn es ihm gelänge, für eine erdichtete Geſchichte Glauben zu gewinnen, ſeine Frei⸗ heit zu erlangen. Dieſer Ausgang war nicht unwahrſcheinlich, hätte der Mulatte dem Mörder nicht früher entdeckt.
In der ſichern Erwartung, die Gefangennahme alſogleich vornehmen zu können, landeten die Diener der Gerechtigkeit unweit jener von Manglebäumen umſäumten Bucht und gingen über die Landzunge nach Tuckerstown, umzingelten die Ruine und drangen raſch in ſelbe ein, den Haſen in ſeinem Neſte zu fangen. Zwiſchen den verfallenen Mauern, über die ſich der ſtachelige Cactus ausbreitete, ſtand der größere Theil einer Hütte, ohne Dach zwar, aber mit dem noch erhaltenen Kamine und Herd immerhin einen nothdürftigen Aufenthalt gewährend. Hier hatte der Flüchtling ſich verborgen gehalten, denn die Spuren kürzlicher Benutzung, warme Aſche, angebrannte Cedern⸗ zweige und einige Ueberbleibſel von Nahrungsmitteln meiſt Kartoffelſchalen, auf dem Boden zerſtreut, waren zu ſehen, der WMann ſelbſt aber war fort. Kaum war der Mulatte einge⸗ treten, als er ſchnell wieder hinausrannte, und gleich darauf hörten ihn die Anderm aufſchreien, und als ſie hinauskamen, ſahen ſie ihn unter Geſchrei und lebhaften Geſtikulationen nach dem Meere deuten, auf welchem ſie in der Entfernung einer vollen Meile vom Ufer einen Mann entdeckten, der mit aller Anſtrengung arbeitete und die Ruder auch äußerſt gewandt handhabte.„Zum Teufel! Er iſt fort!“ ſchrie Forbes,„aber wir erwiſchen ihn doch!“
Dazu war jedoch keine Zeit zu verlieren und unverweilt eilten Alle zur Bucht, ſtiegen ins Boot und ruderten um die Landzunge herum. Halbtoll vor Aufregung ſtand der Mulatte, der den Verluſt der Belohnung und das Entkommen ſeines


