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was mit dem Spiegel geſchehen ſollte.
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behielt; denn nach Karl's Tode nahm ihn Pfalzgraf Ruprecht ein und brachte ihn an das bairiſche Haus. Schon 1504 gelang es dann dem ſtreitbaren Nürnberg, die Burg zu gewinnen und dort ein Pflege⸗ amt einzurichten, das gleichfalls nicht lange Beſtand hatte; denn 1553 nahm ihn der wilde Hohenzoller Markgraf Albrecht Alcibiades mit ſtürmender Hand und legte ihn in Trümmer.
In den Tagen ſeines Glanzes mag der Hohenſtein in ſeinen weiten Hallen manch kaiſerlichen und fürſtlichen Gaſt geſehen haben; der denkwürdigſte Beſuch aber mag wol der geweſen ſein, den ihm der unglückliche Konradin abſtattete, wenige Tage bevor er ſeine Heerfahrt nach Italien antrat, um von dem blutigen Mörder Karl von Anjou ſein hohenſtaufiſches Erbland zu fordern.
Auch ein Talisman.
Vor ein paar Jahren ſtarb in Paris der berühmte Fechtmeiſter
Auguſtin Griſier, eine Perſönlichkeit, die von der dortigen in⸗ telligenten, ariſtokratiſchen und literariſchen Welt wohl gekannt und hochgeachtet war. Die berühmteſten Namen ließen ſich bei Griſier einſchreiben, als er nach ſeiner Rückkehr aus Rußland, wo er Fecht⸗ meiſter in den kaiſerlichen Garderegimentern geweſen war, in Paris einen Fechtſaal eröffnet hatte. Alexander Dumas senior hat ſeinem bekannten Roman:„Der Fechtmeiſter“ Griſier's Memoiren, die ihm von dieſem geſchenkt worden waren, zu Grunde gelegt. Griſier be⸗ ſaß übrigens einen höchſt friedfertigen Charakter, alles Blutvergießen war ihm ſchrecklich, und er that Alles, was in ſeinen Kräften ſtand, um Duelle zu verhindern. Er behauptete immer, daß bei allen Duellen viel mehr Menſchen durch die Zeugen als durch die Waffen umge⸗ bracht worden ſeien. Bei alledem beſaß er großen perſönlichen Muth und ganz bewundernswürdige Kaltblütigkeit; ſein Ruf als Fecht⸗ meiſter ſtand ſo feſt, daß der bloße Titel, Schüler Griſier's zu ſein, vielen Menſchen Duelle erſpart hat. Man erzählt, daß ein Jour⸗ naliſt, der ein bekanntes Witzblatt redigirte und ſich infolge deſſen viele Feinde machte, um den Angriffen zu entgehen, deren Ziel⸗ ſcheibe er fortwährend war, auf folgenden Einfall kam: er verſchaffte ſich ein wohlgetroffenes Porträt Griſier's und ſchrieb folgende viel— ſagende Widmung darunter:„Meinem beſten Schüler zum Andenken. — A. Griſier.“— Dies Bild hing er über ſeinen Schreibtiſch und ſiehe da! es diente ihm als Talisman; denn ſeine heftigſten Gegner und Angreifer wurden eingeſchüchtert und verzichteten auf die Ehre, ſich mit dem beſten Schüler Griſier's zu meſſen. H. Schr.
Wer zuletzt lacht, lacht am beſten.
Wenige Jahre vor ſeinem Tode ſandte der Kaiſer Nikolaus von Rußland einen Spiegel von ſeltener Größe und Schönheit mit einer Geſandtſchaft als Geſchenk an den Kaiſer von China. Der Spiegel mußte die ganze ungeheuere Strecke von Petersburg bis Peking von Menſchen⸗ händen getragen werden.(Thatſache!) Nur wer die Straßen und Wege im Innern Rußlands kennt, der kann die unglaublichen Schwie⸗ rigkeiten eines ſolchen Unternehmens begreifen.
Der Spiegel kam zwar unbeſchädigt in China an, allein es waren inzwiſchen Mishelligkeiten zwiſchen Rußland und dem Reiche der Mitte ausgebrochen, und der„Sohn des Himmels“ nahm we— der die Geſandtſchaft noch das Geſchenk an. Ein Courier meldete dies im Vogelfluge nach Petersburg und fragte hier zugleich an, Der Befehl lautete, daß er auf demſelben Wege und in der nämlichen Weiſe zurückzubringen ſei. Bei Ertheilung dieſes Befehls war gerade der Großfürſt Michael zu⸗ gegen und dieſer ſchlug dem Kaiſer lächelnd eine Wette vor, daß der Spiegel nicht unzerbrochen zurückkommen würde. Der Kaiſer ging darauf ein, und der Courier erhielt noch die Weiſung, dem Führer des Transports bei Verluſt der kaiſerlichen Gnade und ſtrenger Strafe die größte Vorſicht zur Pflicht zu machen, dagegen ihm an⸗ zuzeigen, daß er im Falle der glücklichen Rückkehr eine große Beloh⸗ nung zu erwarten habe.
Mit namenloſer Vorſicht ward das ungeheure Werk ausgeführt, und der Spiegel, abwechſelnd von vierzig Mann getragen, kam glücklich und unverletzt auf dem Iſaaksplatz in Petersburg an, wo der Kaiſer mit ſeinem Bruder am Fenſter ſtand und über die ge⸗ wonnene Wette lachte. Doch kein Menſch ſoll den Tag vor dem Abend loben! Auf der Treppe des Winterpalais ſtolperte einer der Träger, fiel, riß ſeinen Nebenmann mit zu Boden, dieſer den näch⸗
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ſten, und— der koſtbare Spiegel lag in tauſend Trümmern zer⸗ ſchmettert am Boden
So hatte doch noch der Großfürſt ſeine Wette gewonnen! Was der Preis derſelben geweſen, iſt mir unbekannt. H. Schr.
Der Herzog von Buckingham, der Lord Rocheſter und der Lord Dorſet ſtritten ſich einſt, wer von ihnen den zierlichſten oder beſten Stil im Engliſchen ſchriebe. Man kam überein, daß Jeder etwas ſchreibe und erwählte den Dichter Dryden zum Schiedsrichter. Dieſer las in Gegenwart der Herren die entworfenen Schriftſtücke durch.
„Mhlords!“ ſagte er dann zu Buckingham und Rocheſter,„Ihr Stil gefällt mir ungemein, doch der des Lords Dorſet hat mich ent⸗ zückt; ich ſtehe nicht an, ihm den Vorzug zu geben; urtheilen Sie ſelbſt, ob ich recht habe!“
Dryden las:
„Am erſten Mai dieſes Jahres zahle ich an John Dryden oder deſſen Ordre die Summe von hundert Pfund. Den Werth erhalten. London, den 15. April 1686. Dorſet.“
Die Geſchlagenen ſchwiegen. S
Milton, der Dichter des Paradieſes, war dreimal verheirathet und hatte das Unglück, blind zu werden. Bei Gelegenheit eines Beſuches, welchen ihm der Lord Buckingham machte, äußerte dieſer etwas über das friſche Ausſehen ſeiner dritten Frau und verglich dieſelbe mit einer Roſe.
„Sie mögen recht haben“, ſeufzte der arme Dichter,„denn wenn ich auch die Roſe nicht ſehen kann, fühle ich doch ihre Dornen!“
Das Geheimniß des Fürſtenhauſes, hiſtoriſcher Roman von Georg Hiltl. 2 Bde.— Berlin, Hausfreund⸗Expedition.— Ein neuer Romen von Georg Hiltl! werden viele unſerer Leſer vergnügt ſagen und ſich beeilen, das neueſte Geiſtesproduct eines der Lieblingsſchriftſteller des„Hausfreund“ ſich zu eigen zu machen. Noch vergnügter werden ſie aber ſein, wenn ſie den Roman ſelbſt geleſen haben. Derſelbe ſteht hoch über den täglichen Erzeugniſſen der Romanliteratur, ſeine hiſtoriſche Grundlage, ſeine Hauptperſonen ſind ſtreng geſchichtlich, er vermeidet alle künſtlichen Aufregungs⸗ mittel und bleibt doch ſpannend bis zum letzten Kapitel. Georg Hiltl''s„Gefahrvolle Wege“(Berlin, Th. Lemke) haben bei ihrem Erſcheinen großes Aufſehen erregt, wir aber geben dem„Geheimniß des Fürſtenhauſes“ doch noch den Vorzug, empfehlen aber auch den früher erſchienenen Roman dem Intereſſe unſerer Leſer recht warm.
Kleine Boſt der Redaction.
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E. S. in B. finden. ₰ M. P. in B. Zu lang und zu lang— weilig.
Fr. G. in T. Kocht mit Waſſer, wie wir Alle.
O. R. in E. Eine Analyſe der hauptſächlichſten deutſchen Bäder! Wo ſollen wir
den Raum dazu hernehmen, und wer würde ſie leſen? w. L. in Brünn. Was ſollen wir vom Wiener Schützenfeſte noch ſagen, jede poli⸗ tiſche Zeitung hat ja ausführlich berichtet. Das von Ihnen erwähnte Bild halten wir für eine taktloſe Albernheit. K. K. in V. Haben Sie ſich vielleicht den„unſterblichen Grünſpahn“ in„Liſt und
. M. in K. Unendlich tragiſch und vielleicht darum ſo trübſelig.
L zum Vorwurf genommen? Die Verſe laſſen es wenigſtens ahnen.
Der Hausfreund erſcheint in Bänden von je 16 Heften à 6 großen Bogen mit ſchönen Original Illuſtrationen, mit einem
mit humoriſtiſchen Bildern illuſtrirten Umſchlag elegant geheftet.
Preis pro Heft 5 Sgr.
Verlag der Hausfreund⸗Epxpedition(E.
Graetz) in Berlin, Kronenſtraße Nr. 21.
Verantwortlicher Herausgeber: Hans Wachenhuſen.
daupt⸗Expedition und Druck bei F. A. Brochaus in Leipzig.
Dank für die Zuſendung; kann aber erſt im nächſten Jahrgang Platz
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