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Tenoriſten; ſie haben Equipagen, Hunde und Pferde, ſie haben die Chancen im Spiel und die Herzen der Frauen; wenn ich Unglücklicher aber einmal an die Bank trete, ſo geht's mir wie dem bekannten L., der hier die Contre⸗Guerilla gegen die Spiel⸗ bank mit ſo wenig Erfolg organiſirte und in ſeiner Entrüſtung
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den Croupiers zurief:„Ihr ſeid Räuber und Diebe! Setz' ich auf Roth, ſo kommt Schwarz; ſetz' ich auf Schwarz, ſo kommt Roth; ſetz' ich auf Schwarz und Roth, ſo kommt— Grün!“ Die Bank iſt einmal mit dem Zufall verbündet, kein Wunder alſo, wenn er gegen uns iſt. Hans Wachenhuſen.
—— Feuilleton⸗
Aus aller Welt.
XXXVII. Das neue Kabel.— Die allerhöchſten Hundeliebhaber.— Die Amazonen des La Plata.— Rochefort's Laterne.— Auber, der Jüngling.— Der Herzog von Seſſa.— Mada⸗ gaskar.
Es iſt der franzöſiſchen Nation ſtets ein Wurm geweſen, daß ſie durch England's Vermittelung mit Amerika correſpondire; nichts iſt alſo natürlicher, daß Frankreich ein eigenes transatlantiſches Kabel beſitzen müſſe. Schon ſeit lange iſt die Sache in der Idee fertig, und ſeit Kurzem iſt das Kapital bereits gewährleiſtet.
Das zweite atlantiſche Kabel wird demnach im nächſten Jahre von dem Hafen Breſt direct nach New⸗York geleitet werden, und diesmal hoffentlich ohne alle die Opfer und Mühen, welche das erſte forderte.
Der Great⸗Eaſtern, das einzige Schiff, das groß genug, die Kabel⸗Maſſe an Bord zu tragen, wird auch zu dieſer Rieſenarbeit wieder benutzt werden und in den Monaten Juni, Juli, Auguſt, be⸗ gleitet von zwei bis vier andern Schiffen, die Legung des unterſeeiſchen Telegraphen beginnen. Eins dieſer Schiffe wird dem Great⸗Eaſtern als Eclaireur voran fahren, das andere ihm folgen, um die Ver⸗ ſenkung des Kabels zu überwachen, zwei andere Schiffe dienen als Adjutanten.
Die Ehre Frankreichs iſt ſonach England gegenüber gerettet und die übrige Welt wird den Vortheil genießen, den Preis der Telegramme nach Amerika wiederum bedeutend ermäßigt zu ſehen. In zehn Jahren ſchaffen wir hoffentlich die Briefpoſten ganz ab und beſchränken uns auf die Telegramme. Es fragt ſich nur, was aus den Liebesbriefen werden ſoll.
In Paris iſt man übrigens ſchon ſtark mit den Gedanken be⸗ ſchäftigt, auch die Pferde vor den Fiakern und Equipagen unnöthig zu machen und dieſelben durch leichte Dampfkraft zu erſetzen. Die erſte Locomobile ſoll demnächſt in den elhſeeiſchen Feldern ihren Verſuch machen, und gelingt derſelbe, ſo iſt eine Geſellſchaft bei der Hand, die eine Anzahl dieſer Locomobilen für den Fiakerverkehr und namentlich für die Omnibuslinien herſtellen laſſen will.
Jeder reiche Mann wird in Zukunft anſtatt des Wagens ſeine Locomobile in der Remiſe haben und anſtatt des Kutſchers einen Maſchinenmeiſter halten.
Man kennt den treuen Hund, der den Kaiſer von Rußland ſtets begleitet, und hat ſchon während der letzten Jahre von Kiſſingen aus ſehr viel über dieſes verdienſtvolle Thier geſchrieben. Es ſcheint aber, als herrſche in der ganzen ruſſiſchen Kaiſerfamilie eine große Vorliebe für die Hunde. Auch die Großfürſtin Marie, der funfzehn⸗ jährige Liebling des Kaiſers, erſchien in Schwalbach mit einem vier⸗ füßigen Begleiter, einem Wachtelhund, der ſeinesgleichen ſucht. Auf den Promenaden wirft die Großfürſtin ihr Taſchentuch vor ſich hin; der galante Hund apportirt es, legt es ſorgfältig, mit der Ge⸗ ſchicklichkeit der beſten Kammerfrau zuſammen und überbringt es der hohen Dame. Wenn die Großfürſtin ihm zuruft:„ſuch' mir Blumen!“ ſo vertieft ſich der Hund in den Gartenanlagen; beißt die ſchönſten Blumen an den Stengeln ab, legt ſie geſchickt zu einem Bouquet zu⸗ ſammen und kommt, um ſie ſeiner Herrin unterthänigſt zu über⸗ reichen. Ja was noch mehr iſt: der Hund nimmt ſogar Bittſchriften von armen Leuten an, überbringt ſie ſeiner Herrin und begleitet ſie mit einer bellenden Fürbitte, die, wie man behauptet, niemals ohne Wirkung ſein ſoll.— Welch ein Hund!
Wie der Kaiſer und die Großfürſtin, ſoll auch der Großfürſt Michael ſeine Hundeliebhaberei ſo weit treiben, daß er ſtets von Bull⸗ doggen der ſeltenſten Raſſe umgeben iſt, und am Hofe kann Niemand ihm nahen, ohne daß ihm ein paar Hunde zwiſchen die Beine laufen.
Es iſt, wie ich ſchon ſagte: der Hund iſt der Freund des Menſchen, und wer viel Freunde haben will, ſchaffe ſich viel Hunde an.
Durch alle Zeitungen iſt die Nachricht gegangen von den Ama⸗ zonen, welche man für die Armee von Paraguah rekrutirte. Sie iſt nicht desavouirt worden, aber ebenſo wenig hörte man Räheres darüber.
Jetzt bringt der„Courier de la Plata“ einige vriginelle Details, die freilich ein wenig als amerikaniſche Aufſchneiderei erſcheinen, aber doch nicht ganz aus der Luft gegriffen ſein mögen. Es iſt der Bericht eines in die Hände der Amazonen von Noembueu gefallenen Soldaten, der erzählt:
Es handelte ſich darum, eine Furt durch den Tebiquari zu finden. Mein Sergeant beauftragte mich, den Fluß zu unterſuchen. Ich watete in den Fluß hinein und langte am andern Ufer an. Kaum aber hatte ich zehn Schritte gethan, als ich von einem Dutzend Soldaten ergriffen ward, die mich mit flachem Säbel escortirten, wie es die Vigilantes der Polizei von Buenos⸗Ahres zu thun pflegen.
Ich ward vor den Kapitän gebracht, der wie ein Zuave unifor⸗ mirt war, und in deſſen runden, üppigen Formen ich zu meinem Erſtaunen ein Weib erkannte. Jetzt erſt ſah ich, daß ich von lauter Frauen in Soldatencoſtüm umgeben war.
Der Kapitän kämmte ſich eben, eine Cigarre rauchend, ſein langes ſchwarzes Haar und ließ ſich während dieſer Beſchäftigung in ein Geſpräch mit mir ein.
„Du biſt Braſilianer?“ fragte er.
„Nein
„So biſt du Pitagua?“(So nämlich bezeichnet man die „Leute von unten“, die Europäer.)
„Ich bin Pitagua.“
„Gut; ich wilkl dir das Leben ſchenken, aber unter der Bedin⸗ gung, daß du die Küche beſorgſt und die Kinder ankleideſt.“
„Was für Kinder?“ rief ich erſtaunt.
„Sehr einfach: die Kinder einzelner unſerer Soldaten, welche unſerm Corps folgen und die ſelbſt zu pflegen der Dienſt den Müttern nicht geſtattet.“
„Ah ſo! Und wenn ich mich nun weigere?“
„So wirſt du füſilirt.“
Weiter reicht der Bericht nicht. Nehmen wir an, der Kriegs⸗ gefangene habe dieſe Bedingungen unterſchrieben und ſei als Kinder⸗ wärterin dem Corps attachirt worden.
Schlimme Zeichen, die am Himmel Frankreichs erſcheinen. Kein
Komet mit flammendem Schweif, kein Meteor,— nur eine„Laterne“,
die dem Napoleonismus ein ſchlimmes Licht aufſteckt.
Die ganze pariſer Preſſe iſt bekanntlich mehr oder minder im Dienſte der Regierung oder der Börſenſpeculanten; ich weiß nicht, was von Beiden am elendeſten, aber ich weiß, daß kaum ein Blatt ſich noch einer Unabhängigkeit zu rühmen vermag. Wie ein Phos⸗ phorſtreifen leuchteten bisher die Artikel Heinrich Rochefort's aus den Spalten des„Figaro“ hervor, aber das Miniſterium verſtand es, auch ſie zu erſticken, indem es dem Beſitzer dieſes Blattes mit der ſeidenen Schnur drohte, wenn er den Rochefort nicht abſchaffe.
Villemeſſant, der Beſitzer des„Figaro“, küßte die Hand, die ihm wenigſtens noch die Wahl zwiſchen Leben und Tod ließ, und Rochefort verließ den„Figaro“ Indeß wußte Villemeſſant, der ge⸗ ſchickteſte Faiſeur, auch hieraus ſeinen Vortheil zu ziehen; der„Figaro“ wurde gerettet und mit Villemeſſant's Gelde die„Laterne“ gegründet.
Rochefort begann das napoleoniſche Gouvernement mit der ver⸗ nichtendſten Satire zu geißeln; ſeine„Laterne“ wird in mehr als 100,000 Exemplaren verkauft, obgleich oder vielleicht weil die Regie⸗ rung ihr den öffentlichen Verkauf auf den Straßen unterſagte. In Paris, in den Provinzen überall die„Laterne“. Die Witzblätter ver⸗ herrlichten die„Laterne“, die Magazine hängten Lampen aus, die ſie aus den Plakaten der„Laterne“ fabricirten, und die Regierung ſah ſich ohne Waffen gegen dieſen Erfolg ihres Erfinders.
Da verfiel ein Miniſterialbeamter auf eine geniale Idee. Das franzöſiſche Preßgeſetz zwingt die Redacteure, wenn ſie falſche oder unbegründete Nachrichten bringen, ein amtliches Communiqus, eine Berichtigung abzudrucken. Man ſandte alſo dem Redacteur der „Laterne“ ein Communiqué, das 50 Seiten lang, während die ganze „Laterne“ in ihrem Wochenheft nur 60 Seiten enthält. Rochefort befand ſich alſo in der Lage, ein ganzes Heft von amtlichen Berichti⸗ gungen zu bringen, kein Menſch würde dieſes Heft gekauft haben, und wenn das Miniſterium fortfuhr, ihm für jedes Heft ein ſolches Communiqut zu ſenden, ſo war die„Laterne“ ruinirt.
Rochefort erklärte, das Communique nicht abdrucken zu wollen;
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