richtung über ſeine Beſtimmung kaum einen Zweifel zuläßt. Auf einem kleineren Seitentiſchchen ſind chirurgiſche Inſtrumente in großer Anzahl, gleichſam wie zur Schau, ausgebreitet.
ſchaft der Schiffs⸗Aerzte und Lazareth⸗Gehülfen. Nur zu bald ſollte heute der ſchauerliche Apparat in Thätigkeit geſetzt
für die übrigen Schiffe des kleinen Geſchwaders äußern. In ſolchen Momenten blicken wir in ein intelligentes, von einem dunklen engliſchen Bart eingerahmtes Geſicht, deſſen ſcharf⸗
vertrauen bekunden.
Wir befinden uns im Verbandraum des Schiffes in Geſell⸗
werden.
Ueber dem Achterdeck, unmittelbar vor dem Kreuzmaſt, er⸗ hebt ſich die luftige Commando⸗Brücke. Auf der Steuerbord⸗ ſeite derſelben ſteht ein Seeoffizier von mittlerer aber kräftiger Statur, der, gleichwie mehrere in ehrerbietiger Entfernung hinter ihm befindliche jüngere Offiziere, eifrig durch ein Fernrohr nach Nord⸗Nord⸗Oſt ausſchaut. Von Zeit zu Zeit wendet er ſich zu dem ihm zunächſt Stehenden und ertheilt kurze Be⸗ fehle, die ihre Rückwirkung in dem Aufhiſſen von Signalen
ausgeprägte Züge einen hohen Grad von Energie und Selbſt⸗ Die Tropen⸗Sonne hat demſelben ihre unvertilgbaren Spuren aufgedrückt und eine gewiſſe Mattig⸗ keit in den durchdringend blickenden Augen legt ein ehren⸗ volles Zeugniß dafür ab, daß die Folgen einer ſchweren, noch nicht ganz überſtandenen Krankheit nicht im Stande waren, den Offizier von der ſtrengſten Pflichterfüllung abzuhalten. Dieſer Mann iſt der Kapitän zur See, Jachmann, Comman⸗ dant Sr. Majeſtät Schiff Arcona und gleichzeitig Commodore des ſeinen Befehlen unterſtellten Geſchwaders. Das Ziel, nach dem er ſein Augenglas richtet, hebt ſich anfänglich als eine kleine graue Wolke am hellen Horizont unſcheinbar ab. Die Schiffe, welche bisher nördlichen Cours auf die Inſel Oye und Rügen genommen, wenden auf Signal des Commo⸗ dore⸗Schiffes und ſteuern Nord⸗Nord⸗Oſt jener Wolke zu, die ſich ſehr bald erweitert und als Urſache mehrere gerade in die Höhe ſteigende Rauchſäulen erkennen läßt. Noch wenige Minuten, und die Maſten mehrerer großen Schiffe entſteigen den Fluten, während auch allinählich die koloſſalen Rumpfe deutlicher hervortreten. Kein Zweifel, es iſt der Däne, deſſen Anweſenheit an jener Stelle durch die auf Arcona errichtete Telegraphen⸗Station nach Swinemünde ſignaliſirt wurde, und den aufzuſuchen das preußiſche Geſchwader ausgelaufen war. Da ſich die feindlichen Parteien mit voller Kraft gegen ein⸗ ander bewegen, ſo vermag auch das unbewaffnete Auge bald die einzelne Schiffe zu unterſcheiden, welche von Kopenhagen geſandt waren die„Bai von Stettin“ zu blokiren. Voran, einen Berg von Bugwaſſer aufthürmend, den Admiralſtander im Top, brauſt der Skjold daher, ein Linienſchiff von 80 Kanonen und 800 Mann Beſatzung, gefolgt von der Fregatte Själland mit 40 Kanonen und 400 Mann und den Glattdecks⸗ Corvetten Thor und Heimdal mit je 12 Geſchützen und 120 Mann; in angemeſſener Entfernung dahinter die Raddampfer Holger⸗danske und Sleswig. Auf preußiſcher Seite führt die gedeckte Corvette Arcona mit 28 Kanonen und 300 Mann, ihr folgt die Glattdecks⸗Corvette Nymphe mit 17 Kanonen und 180 Mann, dann der Raddampfer Loreley mit zwei ge⸗ zogenen Sechspfündern und die erſte Flotille⸗Diviſion, be⸗ ſtehend aus ſechs kleinen Kanonenbooten zu je 2 Geſchützen, die, für den Dienſt an der Küſte beſtimmt, kaum See halten können. Commodore Jachmann war mit dieſen Verhältniſſen vollkommen vertraut, zögerte aber keinen Augenblick, den drei⸗ fach überlegenen Feind anzugreifen. Inzwiſchen hat ein Signal die Nymphe zu dem Comodore⸗Schiff in das Vorder⸗ treffen berufen. Auf letzterem iſt der Obſervations⸗Offizier eifrig mit der Peilung der Entfernungen beſchäftigt und ruft das Reſultat ſeiner Meſſungen dem Commodore halblaut zu. Mit der Meldung„4000 Schritt“ eröffnet die Arcona aus ihrem Bug⸗Geſchütze das Feuer, bald darauf drehen die feindlichen Schiffe bei, aus ihren Pforten zucken Blitze, denen leichte Rauchwolken folgen, dann eine furchtbare Detonation, und ein Hagel von Granaten und Vollkugeln ſchlägt zum größten Theil zu kurz in das Waſſer. Unbeirrt verfolgt das kleine preußiſche Geſchwader ſeinen Cvurs bis auf eine Ent⸗
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fernung von 1800 Schritt, wendet dann und tauſcht nun Lage um Lage mit dem Feinde. Bald ſind beide Theile in Wolken von Pulverdampf gehüllt, durch den nur hin und wieder noch ein Feuerſtrahl ſichtbar wird: das Krachen der Geſchütze, das Sauſen und Schwirren der Vollkugeln, das Platzen und Einſchlagen der Granaten gibt Zeugniß von der Heftigkeit des nunmehr in voller Stärke entbrannten Kampfes. Die natürliche Aufregung, welche ſich mehr oder minder in ſolchen Lagen, zumal im erſten Gefecht, jedes Menſchen be⸗ mächtigt, ſcheint allein den Führer zu verſchonen, kaltblütig ertheilt er ſeine Befehle, ruhig weilt ſein Blick in der Richtung des Feindes, und nur ab und zu ſchweift derſelbe zu den eigenen Schiffen und Fahrzeugen, um die Wirkung des feind⸗ lichen Feuers zu beobachten. Der erſte Offizier erſcheint auf der zur Commandobrücke führenden Leiter, um dem Commodore eine Meldung zu machen, dieſer beugt ſich zu ihm herab, um ihn zu verſtehen, da ſauſt eine Granate daher, krepirt zwiſchen ihnen, und ein Sprengſtück, das dem Offizier einen Theil des Nackens und eines Oberarms fortreißt, wirft ihn bewußtlos auf das Deck zurück. Es iſt das erſte Opfer, das der Verbandraum in der Laſt aufnimmt. Eine zweite Granate krepirt unmitttelbar über dem Haupte des Commodore: die Sprengſtücke ſchlagen überall um ihn ein, demoliren das Ruder und verwunden mehrere der daran beſchäftigten Ma⸗ troſen. Eine Vollkugel ſauſt hart oberhalb der Reeling über das ganze Achterdeck unter der Commandobrücke durch, reißt einem von der Geſchütz⸗Bedienung den Kopf weg und ſchleu⸗ dert den zuckenden Rumpf weit über das Deck hin.
Allzu lange ſchon hat der ungleiche Kampf gewährt, und noch ſcheint der tapfere Führer nicht Willens, denſelben ab⸗ zubrechen. Da meldet der Flagg⸗Lieutenant: Von der Nymphe Signal„Schornſtein zerſchoſſen.“ Dieſer Unfall wirkt ent⸗ ſcheidend. Der Commodore darf ſich nicht der Gefahr aus⸗ ſetzen, eines ſeiner Schiffe in die Gewalt des Feindes kommen zu laſſen. Auf dem Flaggſchiff fliegt das Signal auf:„Im Fielwaſſer der Arcona folgen“, und langſam nimmt das Geſchwader ſeinen Rückzug zum Hafen, nur wenig beläſtigt von dem Feinde, der übel zugerichtet, den heldenmüthigen Angreifer nicht zu verfolgen wagt. Nur gering war der Schaden, den die preußiſchen Schiffe erlitten, 11 Todte und Verwundete wurden am Abend in Swinemünde ans Land geſetzt, Takelage und Schornſtein noch in der Nacht ausge⸗ beſſert und ſchon am nächſten Tage lief das Geſchwader wieder aus, um den Feind von Neuem aufzuſuchen. Dieſer aber hatte⸗ ſich nach der Inſel Moen zurückgezogen, dort 33 Todte und eine große Anzahl Verwundeter zum Transport nach Kopenhagen ausgeſchifft, und dann mehrerer Tage be⸗ durft, um die nothwendigſten Reparaturen auszuführen.
Der Kampf hat am 17. März 1864 öſtlich von der Inſel Rügen in der Höhe von Jasmund ſtattgefunden und von letzterem Orte ſeinen Namen empfangen. Gleich nach der Rückkehr der Schiffe ging ein kurzer Bericht über das Gefecht nach Berlin, und noch in derſelben Nacht brachte der Telegraph dem Kapitän Jachmann die Glückwünſche Sr. Majeſtät des Königs und die Beförderung zum Contre⸗ Admiral.
Wenngleich unentſchieden in ſeinem Reſultat, iſt dies erſte Seegefecht für unſere junge Marine von den weit⸗ tragendſten Folgen geweſen. Die Kühnheit und Umſicht des Führers, das brave Benehmen der Offiziere und Mannſchaften hat mit einem Schlage den Uebermuth der Dänen gebrochen und unſer Vaterland den zur See ſtreitbaren Nationen würdig angereiht. Die Idee, daß Preußen zur Erfüllung ſeines Berufes und zur Deckung ſeiner weit ausgedehnten Küſten⸗ länder einer Kriegsflotte bedürfe, hat ſich nur ſehr allmählich Bahn brechen können, und wenn auch das Verlangen nach Errichtung einer ſolchen ſeit Jahren im Volke Ausdruck ge⸗ funden, ſo weiß man doch, daß bis zu dieſer Bluttaufe eine große und ſtarke Partei Preußens Größe allein in der Armee finden und die Marine nur als ein koſtſpieliges Spielzeug be⸗ trachtet wiſſen wollte. Erſt durch den kühnen Angriff auf die dreifach überlegene däniſche Macht, dem ſelbſt die in jenem
enee eene.


