Fall ſeines Todes garantirt. Mit Trenn war überdies noch die Abrede genommen, das er nach der Rückkehr die Skizzen ſeiner Bilder beliebig ausführen und in den Kunſthandel bringen durfte. Der Gewinn war alſo lockend genug, und der junge Maler, der mit ſaurem Fleiß und Schweiß als treuer Sohn und Bruder für Mutter und Schweſtern geſorgt, hatte kein Bedenken getragen, auf Decken's Anerbieten einzu⸗ gehen. Der bekannte Hiſtorienmaler Hermann Brücke unter⸗ richtete ihn in der letzten Zeit ſeines Aufenthalts in Berlin noch im Figurenzeichnen; es handelte ſich ja in Afrika nicht nur um die Aufnahme landſchaftlicher Scenen, ſondern auch um die Fixirung der Geſtalten und Phyſiognomien jener Menſchenraſſe, die für uns noch faſt zu den Fabelweſen ge⸗ hört. Denn Gerüchte nur ſind es, die von wunderbar ſchönen Frauengebilden im Innern Afrikas erzählen. Die Männererſcheinungen auf unſerem Bilde ſprechen gerade nicht für die Wahrheit der Fama.
Auf die ſchönen ſchwarzen Weiber kam an dem erwähn⸗ ten Abſchiedsabend beſonders die Rede. Trenn fragte Jeden im Kreiſe, ob er ihm eine ſammtfarbene Selavin mitbringen ſolle. Die Junggeſellen unter den Anweſenden zeigten ſich nicht abgeneigt, das Geſchenk anzunehmen; hingegen die ver⸗ heiratheten Herren zogen aus Gründen, welche ſie nicht laut werden ließen, junge Löwen, Giraffen, Schlangen mit ausge— brochenen Giftzähnen und andere Geſchöpfe, die in unſerm gemäßigten Klima nur gegen Entrie zu ſehen ſind, vor. Der freigebige Künſtler ſagte Alles zu. Nur vergaß er, die
Wünſche der Einzelnen in ſeiner Schreibtafel zu notiren. Darin ſah der ernſte, alte Herr, der inmitten der Zecher ſaß, ſchon eine böſe Vorbedeutung; lange Erfahrung hatte ihn be⸗ lehrt, daß unſer Gedächtniß ein gar unzuverläſſig Ding und vielleicht das Danaidenſieb iſt, von dem der Mythos des Alterthums ſagt und ſingt. Als der zukunftsfrohe Maler plötzlich auf den Tiſch ſtieg und die politiſche Miſere des deutſchen Vaterlandes humoriſtiſch verglich mit der patriar⸗ chaliſchen, idylliſchen Eintracht, die in den Gegenden herrſchen müſſe, wohin die Reiſe⸗Phantaſie ihn im Voraus verſetzte, da citirte der alte Herr wieder:„Und der Menſch verſuche die Götter nicht!“ Aus eigener Eingebung fügte er murmelnd hinzu:„Den Trenn ſehen wir nicht wieder!“— Ein an⸗ geheiterter Nachbar vernahm die düſtere Prophezeiung und rief:„Trenn, hier wird ſpeben angeſagt, wir ſehen dich nicht wieder!“—„Dann“, verſetzte der in Flluſionen Schwelgende, „bin ich mit einer Königstochter im Süden der Sahara ver⸗ heirathet, und während Ihr hier als magere Hungerleider ein erbärmliches Daſein friſtet, ſitze ich, wie der ſelige Midas, im Golde bis über die Ohren!“
Er iſt nicht auf goldenem, ſondern auf ſteinigem Boden zu Grunde gegangen, nicht umſchlungen von weichen, ſondern von rauhen Armen, die, ſtatt ihn ans Herz zu ziehen, ihm mit der Waffe das Siegel des Todes aufgedrückt. Und der alte Herr hat Recht gehabt:„Wir ſehen ihn nicht wieder!“
H. G.
Feuil Aus aller Welt. W
Die ganze Weltgeſchichte iſt eine Reihe von Wiederholungen und Variationen, die in ihrer Erfindung oft von bedauernswerther Ar⸗ muth ſind und vor dem Genie des dürftigſten Theaterdichters nicht beſtehen können. Zuweilen freilich hat ſie die beſten Einfälle, nimmt mit ihnen die intereſſanteſten Anläufe, aber wie ein ſchlechter Dichter kann ſie mit ihrem Drama nicht zu Stande kommen, es fällt ihr weiter nichts ein, ſie läßt die ganze Geſchichte in der Mitte unbeendet liegen, nachdem ſie den Knoten geſchürzt, und überläßt es dem Zu⸗ ſalle, das ganze ſo glänzend begonnene Drama gelegentlich einmal zu Ende zu führen. Es geht ihr wie dem blinden Muſikanten in dem Vaudeville, dem die Töne in der Trompete eingefroren, die bei mildem Wetter plötzlich aufthauen und ihren eigenen Muſikanten er— ſchrecken.
Schon als Kind lernte ich in der Schule, daß die Vorſehung ſich gewiſſe Menſchen als ihre Inſtrumente zur Ausführung ihrer unerforſchlichen Rathſchläge auserſehen, und ſeitdem habe ich auch niemals daran gezweifelt, wenn ſich irgend Einer zu irgend einer hohen Miſſion berufen fühlte. Nur Eins iſt mir ſtets unerklärlich geblieben: daß der liebe Gott ſeinen eigenen Stellvertreter hier auf Erden ſo vielen Prüfungen überläßt, daß er ihn nicht gegen alle die Anfechtungen zu ſchützen beſchließt, denen er ausgeſetzt iſt, daß er ihm ſelbſt den Garibaldi nicht vom Leibe ſchafft, der ihm fortwäh⸗ rend mit einer ſo teufliſchen Conſequenz nach ſeinem päpſtlichen Stuhle trachtet.
Warum, ſo frage ich mich immer wieder, zwingt der Himmel den Heiligen Vater, dieſen frommen, über alle irdiſchen Plagen er— habenen Herrn, ſich einen Säbel umzuſchnallen, ſich Kriegsknechte zu halten wie weiland Pilatus, Schlachtenplane zu entwerfen wie Na⸗ poleon und Friedrich der Große, die Kriegskunſt zu üben, die Thaten großer Feldherren zu ſtudiren und über die Zweckmäßigkeit der Zünd⸗ nadelgewehre nachzudenken, die einem ketzeriſchen Monarchen bei Königgrätz den Sieg verſchafften und Klſo ohne Zweifel mehr ein Werk des Teufels als des Geheimem) umerzienraths von Drehſe ſein müſſen.
Freilich ſtrafte der Himmel den Garibaldi, der gewiß niemals in eine Kirche gegangen iſt, für ſeine Gottloſigkeit, indem er ihm den Rheumatismus auf den Hals ſchickte und ihn bei Aſpromonte in den Sand ſtreckte, er ſtrafte den König Victor Emanuel mit einem drei⸗ maligen päpſtlichen Bannſtrahl, aber beide gewöhnten ſich an dieſe Leiden, Garibaldi an ſeinen Rheumatismus, Victor Emanuel an die Bannſtrahlen, und ſo ging denn die Befehdung des Heiligen Vaters immer wieder von neuem vor ſich, ſodaß er endlich mit Gram in die Grube fahren wird und den Cardinälen, wenn ſie zur Wahl eines Nachfolgers das Conclave verſammeln, nichts übrig bleiben wird, als einen bei Solferino oder Sadowa für ſeine Tapferkeit decorirten ſchnauz⸗
leton.
bärtigen Oberſtwachtmeiſter zum Papſt zu erwählen, der alle Tage ſeine Regimenter exercirt, ſeine Bombardiere im Schießen mit Hinterladern übt und die Engelsburg mit Baſtionen umgibt, um den Felſen Petri zu jeder Zeit gegen die Angriffe ſeiner Feinde ſichern zu können. So oft ich an den Heiligen Vater und ſeine ſo wenig beneidens⸗ werthe Miſſion denke, ſage ich mir: wie Unrecht that er, ſo ganz und gar die Kenntniſſe und Waffehübungen ſeiner Jugend zu verlernen, da er noch Rittmeiſter war und galante Abenteuer erlebte! Mit dem Kreuz in der einen, dem Schwept in der andern Hand hätte er ſich jetzt an der Spitze ſeiner Schwadronen auf den Feind werfen können, und Louis Napoleon würde nach Eintreffen aller der beunruhigenden
Depeſchen ſeinem in St.⸗Cloud verſammelten Miniſterrath geſagt
haben:„Den alten Ferretti kenne ich; er wird dem Garibaldi ſchon Mores lehren! Rom macht mir keine Sorgen. Frühſtücken wir, meine Herren!“
Bei tieferem Nachdenken kommt mir auch der Gedanke, daß der Himmel, als die Cardinäle Pius IX. zum Papſt ernannten, mit ſeiner ganzen allwiſſenden Vorausſehung ihre Wahl vielleicht gerade auf dieſen frühern Militär gelenkt hat. Er wußte, welchen kriege⸗ riſchen Gefahren der Statthalter Chriſti fortab in dieſer immer gott⸗ loſer werdenden Welt ausgeſetzt ſei und wie nothwendig es ſein werde, als ſolcher einige ſtrategiſche Kenntniſſe zu beſitzen. Und was liegt auch Ungewöhnliches bei den jetzigen Zuſtänden der Welt und der Geſellſchaft darin! Unſere Offiziere müſſen bei ihrem Exa⸗ men lateiniſch verſtehen, was ſie freilich längſt vergeſſen haben, wenn ſie Generale geworden ſind. Und umgekehrt hat der Heilige Vater über ſeinem Lateiniſch die ganze Kriegskunde vergeſſen. Es iſt aber, wie geſagt, beſſer, ein General vergeſſe das Lateiniſche, als daß ein Oberhaupt der Kirche unter den gegenwärtigen betrübenden politiſchen Verhältniſſen das Strategiſche vergeſſe.
Ich habe in der Geſchichte oft geleſen, daß die Monarchen als kleine Prinzen ſchon irgend ein Handwerk erlernen mußten, weil es ſchon vorgekommen iſt, daß daſſelbe ſie ſicherer ernährte als ein ganzes Königreich. Ich habe ſogar in meinem Arbeitszimmer einen Kupferſtich an der Wand hängen, auf welchem Ludwig XV. abgebil⸗ det iſt, wie er als Schloſſer am Schraubſtock arbeitet. Jedesmal alſo, wenn ein Blick auf dieſes Bild fiel und ich von Nerola, Bag⸗ norea und Monte⸗Rotondo las, ſagte ich zu mir:„Was iſt es doch Schade, daß der Papſt das Commando ſo ganz verlernt hat!“
Und was hat dagegen dieſer Garibaldi gelernt? Nichts als Kronen rauben, Throne umſtoßen und revolutionäre Proclamationen ſchreiben! Er iſt zu Waſſer ein Seeräuber geweſen und zu Lande ein Kronenräuber. Ja ſelbſt ſeine Söhne erzog er zu dem gleichen gottloſen Handwerk; er richtete ſie ab gegen den päpſtlichen Stuhl, wie man einen Jagdleoparden abrichtet; er ließ ſie nicht Griechiſch, nicht Latein, nicht Mathematik noch Philoſophie erlernen, ließ ihnen weder Muſik- noch Zeichenunterricht geben; Alles was er ihnen ein⸗ prägte, war der eine Satz: der Papſt muß gertilgt werden.
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