—
— 122„—
ſchreckten, beſtimmten ſie, diesmal der Einladung der Lady Folge zu geben, zumal ſie ſich doch ſagen mußte, dieſe trage an dem Vorfalle keine Schuld.
Die Lady empfing die Baronin auf das Freudigſte.
„Der Tag“, begann ſie,„iſt zu ſchön, um im Saale oder dem Zimmer ſeine Stunden zu verbringen. Laſſen Sie uns unter den Bosquets, dem Laubdache der Bäume zwiſchen Blumen wandeln. Sie haben den Garten nur bei Abend geſehen, und damals blendete das Licht des Feuerwerks anfangs, dann war das Licht des melancholiſchen Mondes nicht geeignet, meinem Beſitzthum mit ſeinen Pforten und Pförtchen zur Anerkennung zu verhelfen. Kommen Sie!“
Die Baronin durchmuſterte an der Lady Arme jedes Plätzchen. Als ſie an den Ort kamen, wo Pierre ſeine Liebe erklärt hatte, zitterte die Baronin.
Die Lady ſchien es nicht bemerken zu wollen.
„Es iſt eigen, meine liebe Freundin“, ſagte ſie,„daß man einzelnen Partieen ſeiner Beſitzung den Vorzug gibt, andere ſogar haßt; ſo geht es mir mit dieſer Stelle, an ſich kann man nichts Einladenderes finden, es iſt ein beſchauliches Plätzchen. Der Menſch bleibt ein Räthſel. Mein Lieblings⸗ aufenthalt iſt dort.“
Die Baronin ſah auf, froh, daß das Geſpräch ſich auf einen anderen Gegenſtand lenkte.
„Sehen Sie die Einſiedelei am Abhange des Weinberges?“ fragte die Lady.
„Ach, wie ſchön!“ rief die Baronin aus,„ſchon von Kindheit an ſind mir dieſe Stillleben ſo unendlich lieb ge⸗ weſen. Ganz ſo, wie die Seele des Kindes ſich ein ſolches Haus dachte, ſteht die Eremitage dort; ja dieſes Haus würde auch mein Liebling ſein.“
„Bedenken Sie“ ſagte die Lady, als ſie den gewundenen Gang nach der Höhe hinaufgingen,„daß eine ſolche Klausner⸗ hütte ein heiliger Ort iſt, daß man vor dem Eintritt ſich ſammeln muß.“
„Ich bin kein Weltkind, wie Sie, meine theure Lady wiſſen“, bemerkte die Baronin mit einem leiſen Anflug von Jronie.
An der Pforte angelangt, rief die Lady plötzlich aus:
„Daß man doch auf Erden nie feſt hoffen darf, ein Glück, welches man erſt ſo lange entbehrt hat, recht zu ge— nießen. Muß denn die Welt ſtets unſerem Willen entgegen⸗ ſtreben und alle erdenklichen Geſtalten nehmen, um ihre unwill— kommene Geſellſchaft uns aufzudrängen! Mir erſcheint fie in der Figur meines Geſchäftsführers, der dort auf uns zukommt. Etwas Preſſantes muß ihn zu dieſer ungewöhnlichen Stunde hierher führen. Nehmen Sie, liebſte Feundin, den Schlüſſel zur Szmitage, ſie wird zum Tempel durch Ihre Gegenwart. Sie e Hauskapelle, Bücher, einige Gemälde von Pierre Vaſen, Statuen. Die Ausſicht durch die iſt nicht minder erquicklich. In einer
eellſchaft“
Aeolsharfe zwiſchen blau blühenden Akazien aufgehangen, ent⸗ rückte die Baronin in eine ungewöhnte Stimmung.
Die Augen umſchleierten ſich, die Seele überließ ſich jenem Hinträumen mit den nebelhaften Figuren, welche auf⸗ tauchen und verſchwinden, um neuen Raum zu geben. Sie ſank in das Sofa, ein ſchlafähnlicher Zuſtand fiel auf die feinen Lider.
Da fühlte ſie einen leiſen Druck der Hand. Sie ſchlug die Augen auf. Ein Eremit ſtand vor ihr in brauner Kutte von grober Schnur gehalten, der breite Hut bedeckte das Geſicht und geſtattete nur den über die Bruſt fallenden Bart zu ſehen. Die Figur bückte ſich, mit Mühe athmend, auf einen Stock, ſie ſchien der Laſt der Jahre zu erliegen.
So ſehr die Baronin anfangs über dieſe Erſcheinung erſchrocken war, ſo ſchnell und zwar freudig faßte ſie ſich wieder.
„Lady, welche Freude machen Sie mir mit dieſer Ver— kleidung! Geſtatte, frommer Mann, mir, an mein Herz dich zu ſchließen und dich zu küſſen.“
Sie flog auf die Geſtalt zu und drückte ſie an ſich. Mit einem Schrei des Entſetzens aber trat ſie zurück, denn, der Hülle ledig, ſtand Pierre vor ihr. In ſeinen Armen hatte ſie gelegen, ſeinen Kuß erwiedert.
„Abſcheuliches Spiel“, rief ſie, nach der Thür eilend. Dieſe war verſchloſſen. Einer Ohnmacht nahe fiel ſie auf das Sofa zurück.
„Verzeihung“, bat Pierre, vor ihr niederfallend,„Ver⸗ zeihung. Ja, wohl ſollte es ein ſchändliches, abſcheuliches Spiel werden, aber nur zum Schein gab ich meine Einwilligung, hoffte doch meine Liebe hier in dieſen verſchwiegenen Räumen Erhörung; laſſen Sie mich das Wort, das mich über mich ſelbſt erheben ſoll, von Ihren Lippen vernehmen. Nicht zum zweiten Male fliehen Sie! Erhören Sie mein Flehen!“
Ein Lachen erſchütterte den Raum, die Lady ſtand in der Sh
„Welch zarte Schäferſcene erblicken meine Augen!“
Die Baronin war aufgeſprungen, preßte die Hände über die Bruſt, warf einen Blick des Mitleides auf Pierre, einen der Verachtung auf die Lady und ſchritt würdevoll durch die Thür.
Den Auftritt zwiſchen Pierre und der Lady zu ſchildern, bleibe unverſucht. Der Erſtere verbrachte eine Nacht ſchlaflos, aber in dem Bewußtſein ſelig, daß er den Sieg über ſich ſelbſt errungen hatte, denn, als er auf den Plan der Lady einging, war ihm die Baronin ein Opfer, das fallen ſollte. Jenes Zerwürfniß am Ball, die Erniedrigung vor den Gäſten, hatte ſein Ohr den hämiſchen Einflüſterungen der racheſüchtigen Lady geöffnet.
Am andern Morgen war die Baronin abgereiſt.“——
„Woher wiſſen Sie die Geſchichte bis in die leg⸗—
Details?⸗— „Von dem Maler ebſt— ich bin Pierte Paroſſe.“
——— eit 3h, heute erfuhr ich ihren Aufenthalt. in ſo muß ich aus ihrem Munde Vet achtung der ganzen Welt würde ich E: bis dahin, wo ich mein Ziel werd cht ſchaffen, nicht wirken, ach, und kitet mir eine Oede, die gräßlicher
Menſ ohl.“
reits verlaſſen.
des Geſprächs überraſchte mi hallerdings
Die Wendugg ſeltſam. Er fuhr fße Jahren ſuche ich die Schwergekrähghte, heute
Soll ich bung er⸗ rtragen, erreicht aß ich und immer ſteigt ihr Bild, ihr liebes, d manchmal will mich's wie eine Hoffnung ick an ihrer Seite überkommen. Armes iſt ſpät in der Nacht geworden, haben Sie gehört und meine Beichte vernommen haben. ch und ein lebender Zeuge iſt vor⸗“
—
en Morgen ihn nochmals beſuchen wollte,
M
—


