„Biſt du geſcheidt; lieber drei Tage nüchtern“, ent⸗ gegnete Lang.
„Gut, dann mache ich mich allein auf den Weg“; ver⸗ ſetzte ich beſtimmt und ließ mich auch durch nichts mehr von meinem Vorhaben abbringen. Am Abend lud ich meinen Zwilling mit unſchuldigem Vogeldunſt, für ernſtere Zwecke aber ſteckte ich den ſechsläufigen Revolver des Förſters zu mir, ſchnallte noch den Hirſchfänger um und mit dem in der Hoſen⸗ taſche ſteckenden Gnicker konnte man ſagen, ich ſei bis an die Zähne bewaffnet geweſen. Bis 10 Uhr blieb ich zu Hauſe, Lang und die alte Haushälterin waren eifrig bemüht, mich abzuhalten; als ich aber endlich aufſtand, wollte die Haus⸗ hälterin mich noch mit Waffen gegen den Teufel rüſten, als da waren: drei geweihte Wachskerzen, ein geweihtes Amulett und ein Crucifir; was ich dankend ablehnte, ebenſo das Weih⸗ waſſer, mit dem ſie mich wenigſtens beſpritzen wollte.
„Sie glauben ſchon an gar nichts!“ rief ſie, und rang jammernd die Hände.„Nun ich will für Ihre arme Seele beten, weil Sie am Ende doch ein guter Herr, aber ein biſſel leichtſinnig ſind.“
Der Förſter, der ſich innerlich doch ein bischen ſchämen mochte, ſagte:„Ich gehe mit dir bis zur Altenburger⸗Straße, paſſirt was, ſo ſchieß, ich komme dann und wenn die ganze Hölle oben herumtanzte.“ Auch er ſchnallte den Hirſchfänger um, nahm den Kugelzwilling und begleitete mich, bis zu der Stelle, wo der Fußſteig nach dem„Schützengrabe“ abbiegt. Es war eine finſtere, aber warme Nacht; ich rauchte guten Muths meine Pfeife; in einer Stunde war ich an Ort und Stelle und wartete eben ſo lange, ohne daß ſich etwas regte. Plötzlich aber ſah ich bald hier, bald dort etwas Leuchtendes ſich bewegen und ich gebe gerne zu, daß mir nicht mehr ganz wohl war; aber mein Entſetzen ſteigerte ſich, als unter der Eiche zwei weiße Geſtalten auftauchten; als ich jedoch ihre komiſchen Bewegungen ſah, kehrte mir der Verſtand zurück. Ich überlegte, was ich thun ſollte? Zu ihnen hinzutreten, ſelbſt wenn es Menſchen waren, ſchien mir nicht rathſam; ich feuerte alſo einen Schuß, daß der Dunſt in die Aeſte des Baumes ſchlug. Die Geiſter ſchraken zuſammen und machten Miene noch vor dem erſten Hahnenſchrei zu entfliehen; aber die jugendliche Neugierde, wenigſtens einen der Herren am Tage kennen zu lernen, ließ mich zum zweiten Male, diesmal aber ſehr tief anſchlagen; auf meinen Schuß folgte ein klagen⸗ des Wehgeſchrei und ich ſtürmte nun mit kräftigem Hurrah! vorwärts; aber die Geiſter hatten verteufelt lange Beine; ich konnte ſie nicht einholen und das war gut, denn wer ſtand dafür, daß ſie ſich nicht doch noch zur Wehre geſetzt und mich zum Gebrauch einer gefährlicheren Waffe gezwungen hätten? Als
— 58—
ich ſie nicht mehr ſah, machte ich Jagd auf die Lichter, welche unbekümmert um den Lärm noch immer im feuchten Graſe herumſchlichen. Es war der alte Witz: Krebſe mit aufge⸗ bundenen Stückchen faulen Holzes; ich fing fünfundzwanzig Stück von ihnen und füllte meinen Ruckſack damit. Ich hatte nicht lange zu warten, ſo hörte ich unter mir rufen:„Im Namen der heiligen Dreieinigkeit! Lebſt du noch?“
„Verſteht ſich“, rief ich,„fünfundzwanzig Geiſter habe ich gefangen, zwei ſind davon gelaufen.“
Lang wetterte gehörig über das alte Weibergeſchwätz, auf das er ſo gläubig gehört hatte, um aber ſeine Furcht⸗ loſigkeit nachträglich zu beweiſen, pirſchte er mit mir herum, ob wir nichts fänden, was uns über den Zweck des nächt⸗ lichen Spukes aufklären konnte. Endlich fanden wir eine Axt und eine große Baum⸗ oder Wiegſäge, welche uns erſt auf den Gedanken brachte, der Geiſterbeſuch habe unſern Tannen gegolten. Wir nahmen ſie mit nach Altenburg, wo wir die Kellnerin nicht ſonderlich mit unſerer ſpäten Ankunft erfreuten; ihr zum Troſt aber kaufte Lang das ganze Bier ab, das noch im Faſſe war, ſo daß wir uns ohne Bedienung behelfen konnten, machten dann Feuer auf den Heerd und ſotten uns die Krebſe.
Bei Licht fanden wir im Griff der Säge und der Art den Namen eines Bauern eingebrannt, deſſen Rechtſchaffenheit uns keinen Zweifel darüber ließ, daß er nicht das holzſüchtige Geſpenſt geweſen ſein konnte und das beſtätigte ſich auch voll⸗ kommen, als wir am andern Morgen erfuhren, es ſei ein äußerſt frecher Diebſtahl bei ihm vorgekommen. Nun wurde das Grab unter der Eiche einer ſtrengern Durchſuchung unter⸗ worſen und wir fanden eine Menge Dinge, welche den Leuten hier in der letzten Zeit abhanden gekommen waren. Mein Vogeldunſt führte ſchnell zur Entdeckung des einen Thäters, der natürlich nicht allein eingeſperrt ſein wollte, ſondern ſeine Spieß⸗ geſellen mit verrieth. Es war im Ganzen eine Bande von fünf Perſonen, welche den Aberglauben und die Sage vom Wildſchützengrab ausgenutzt hatten.
Als wir gegen Mittag nach Hauſe kamen, lief uns die alte Haushälterin mit verweinten Augen entgegen; ſie hatte die ganze Nacht auf den Knien gelegen und um unſere„armen Seelen“ gebetet, die ſie, als wir am Morgen noch nicht da waren, ſchon fürchterlich bratend im Pfuhl des Fegfeuers wähnte. Förſter Lang aber ſagte zu mir:„Diesmal mußt du zu Neujahr einen Orden bekommen, denn erſtens haſt du die Gegend hier von einer verdammten Schwefelbande befreit,
—
zweitens den Leuten wieder zu ihrem Eigenthum, uns zu einem
Gerichte Krebſe und mir zu einem näheren Weg von Alten⸗ burg verholfen.“
—6———
Lady und ßaronin.
(Aus den Papieren eines Malers von Moritz Horn.)
(Fortſetzung.)* 1
Hinaus möchte ich gehen und rothe Tücher über meine Bienenſtöcke hängen, daß der Ort erfahre, Freudiges iſt vem Hauſe deines Pfarrers begegnet. Vom Garten ſchlich der Erfreute oft leiſe die Treppe hinan und ſchaute in die Werk⸗ ſtatt ſo rüſtigen Schaffens; die ſeligſten Augenblicke aber verlebte er, wenn die beiden Freunde hinausgezogen waren mit dem Frührothe, um die Natur in ihr und durch ſie zu ſtudiren. Da befand er ſich ganz allein im Thurmſtübchen, nahm vorſichtig die verhüllenden Tücher von den Staffeleien und ſah ſich nicht ſatt an dem theils nur Angefangenen und doch im Anfang ſchon Bedeutſames Anzeigenden, theils in dem mit Meiſterſchaft Vollendeten. Letztere trug die größte wie die kleinſte Arbeit des Gaſtes. Dieſe Kühnheit, ja vft Keckheit der Auffaſſung, dieſe Weichheit und Lieblichkeit über das Ganze ausgegoſſen, dieſes ungeſuchte Herausheben des Charakteriſtiſchen entzückte den Pfarrer, noch mehr aber die
Wahrnehmung, daß ſich alle dieſe Eigenſchaften in den en mälden des Gaſtes, wenn auch erſt, ſo zu ſagen, in licher Scheu und Unſicherheit, bereits in den Arbeiten ſ
Pathen kennzeichneten, dabei aber, und darüber freut 8⸗ der Pfarrer am meiſten, war jedoch die eigenſte Ri er und Natur Pierre's unverfälſcht, um den Ausdrut
brauchen, untergrundirt.
Und allerdings in Erſtaunen ſetzten nicht nur dihi fre Zeit, in welcher Pierre unter ſeines Freundes Leitsch Kunſt des Malens erlernt hatte, ſondern auch die nich Farbentöne, welche er ſeinen Gemälden zu geben wu der
Dieſe traten namentlich auf dem Bilde hervor, gekef ins Große nach der bereits erwähnten Skizze: aus den ſchü thal des Skorf, auf Anrathen ſeines Freundes begom Dai es
zur Hälfte bereits ausgeführt hatte. entn ich⸗ 8. Unter ſo freundlichen Beſchäftigungen, harmoniſchich ger —————
—


