wurde er in ſeinem Departement gewählt, und bewies in der Kammer eine vielſeitige Kenntniß der verſchiedenſten Verwal— tungszweige. Er unterſtützte das Miniſterium Guizot, bis er einſah, daß der verblendete Widerſtand der Doctrinärs gegen vernünftige Reformen die Monarchie compromittirte, und präciſirte in einem Artikel für die„Revue des deux mondes“ im Januar 1848 ſeine derartigen Bedenken mit feiner Schärfe, die nach vier Wochen die thatſächlichſte Be⸗ ſtätigung erhalten ſollten.
Im Jahre 1848 vomöffentlichen Leben zurückgezogen, wid⸗ mete er ſich der Befeſtigung ſeines Vermögens durch finan— zielle Speculationen, nachdem daſſelbe durch den Sturm der Zeit und die Stagnation der Geſchäfte etwas erſchüttert ge⸗ weſen war. Bald wurde er indeſſen in die conſtituirende Verſammlung gewählt, wo er neben Rouher und Oberſt Charras ſaß. Er ſtimmte hier mit der monarchiſchen Majo⸗ rität bis zu dem Augenblick, wo die Politik des Prinz⸗Prä— ſidenten anfing, die Verſammlung ignorirend, einen ſelbſt— ſtändigen Charakter zu zeigen. Ihre Mistrauensvoten blie— ben wirkungslos, und ein Antrag, die Wiederwahl des Prä⸗ ſidenten erſt nach fünf Jahren für ſtatthaft zu erklären, fiel durch. Morny, als des Prinzen Halbbruder, durfte mit Recht als einer der ſeiner Sache am meiſten ergebenen, aber auch der geſchickteſten Mitarbeiter an der Wiederherſtellung des Kaiſerreichs gelten. Im Sommer 1851 fing man an den Staatsſtreich vorzubereiten, nachdem Morny vergebens ver— ſucht hatte, die Republikaner der Sache ſeines Bruders durch Ueberredung und Compromiſſe geneigt zu machen. Mit St—— Arnauld, Perſigny, Mocquard, Rouher u. A. wurde am 18. November im Palais de l'Elysée der Plan entworfen und ſeine Ausführung auf den 2. December feſtgeſetzt. Hier nun bewies Morny, daß der Prinz den rechten Mann an ihm gefunden hatte; er, der bisher allerdings nur der Löwe des Salons geweſen war, bewahrte inmitten der Gefah⸗ ren, die ſeine Exiſtenz und ſein Leben bedrohten, eine Ruhe, eine Heiterkeit des Geiſtes, einen durch nichts getrübten Blick und eine heitermuthige Energie, wie vielleicht der Prinz ſelbſt nicht. Eine Menge Bonmots, wirkliche und erdichtete, wer⸗ den von ihm erzählt, die die geiſtreiche Sorgloſigkeit bezeu⸗ gen, mit welcher er die Situation auffaßte. Ein Bekannter übergibt ihm eine Petition mit der Bitte, dieſelbe dem Mi⸗ niſter des Innern ſelbſt zu übergeben:„Ich verſichere Ihnen ſchon auf dem Wege dorthin zu ſein“, entgegnete ihm Mornh. Am 1. December wohnt er noch Abends der Vorſtellung in der Opéra comique bei und plaudert liebenswürdig mit ſei— ner Nachbarin. Dieſe fragt ihn:„Man verſichert, daß man die Kammer auszufegen(balayer la chambre) vorhat: was gedenken Sie dabei zu thun, Herr von Morny?“—„Wenn man den Beſen zu gebrauchen beabſichtigt, gnädige Frau, ſo werde ich ſuchen da zu ſtehen, wo der Stil iſt.“ Nach Schluß der Vorſtellung begibt er ſich ins Palais de Elyséo und bewegt ſich in den Salons des erſten Beamten der Re— publik auf das unbefangenſte unter Freund und Feind. Gleich darauf ernennt ihn ein Decret zum Miniſter des In— nern, als Nachfolger des Herrn von Thorigny, ſodaß auf ihn die ganze Verantwortlichkeit der zu nehmenden Maßregeln fällt. Bis zum 4. December hatte er nur einen Collegen, den Kriegsminiſter Marſchall St.⸗Arnauld, und war der ein— zige, der die erſten Proclamationen und Decrete gegenzeich— nete.— Mit einem faſt übermüthigen Behagen unterzog er ſich der ihm übertragenen Ausführung des Staatsſtreichs, durch ſeine eigene Ruhe und Sicherheit ſeine Untergebenen mit ſich über den Sturm der Ereigniſſe erhebend, in dem damals Jeder zwiſchen der Furcht vor der Dictatur und den Schrecken der Anarchie ſchwankte; er blieb gegen die Reclama— tionen, die ihm wegen Verhaftung der Deputirten zugingen, höflich, aber feſt und gemäßigt, ſo weit als irgend möglich. In den Depeſchen an den Polizeipräfecten, der ihn von Mi⸗ nute zu Minute um neue Ordres beſtürmte, bleibt er immer noch der übermüthige Cavalier:„Laſſen Sie nicht leichtſinnig arretiren, und wenn es geſchehen muß, in den höflichſten Formen“, und als die Forderungen des Herrn von Maupas um
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Verſtärkung, Kanonen, Verhaltungsbefehle immer dringender werden, antwortet er:„Machen Sie gar nichts“, denn in der That, der Staatsſtreich war gelungen.— In ähnlicher Lage haben wol auch andere Staatsmänner dieſelbe Ruhe und Entſchloſſenheit gezeigt, aber nicht von dieſer durchaus originellen und ſelbſtändigen Art.
So wie er die ihm übertragene Aufgabe„elegant“ und glücklich gelöſt hatte, ſchloß er auch„elegant“ und doch ohne Oſtentation ſeine Laufbahn als Miniſter mit einem— wenn man den Kunſtausdruck des Theaters anwenden darf— Abgang der dankbarſten Art und unter dem Beifall aller Parteien. Am 23. Januar 1852 gab er ſein Portefeuille an Perſigny ab, da er das Decret über Confiscation der Orleans ſchen Güter misbilligend, nicht unterzeichnen wollte, ein ehrendes Zeugniß für den Charakter Morny's, der in dem ganzen Drama nur mitſpielte, ſoweit ſeine Ueberzeugung erlaubte, ſehr unähnlich— zu ſeinem Vortheil— den vielen andern Werkzeugen des Staatsſtreichs, die neben den In⸗ tereſſen des Staats und der Geſellſchaft noch perſönliche zu verfolgen vermochten.— Er blieb auch ohne Miniſter zu ſein, des Kaiſers intimſter Rathgeber, der ihn ſpäter zum Herzog erhob, mit andern Aemtern und Würden belohnte und ihm— vielleicht dem Einzigen— einen maßgebenden Einfluß auf ſeine Entſchließungen geſtattete.
Imn Jahre 1856 ging er als außerordentlicher Geſandter mit dem Prinzen Lucian Murat zur Kaiſerkrönung Alexanders1I. nach Petersburg, wo er Frankreich ſo glänzend wie geſchickt und erfolgreich vertrat. Er brachte außer der Ueberzeugung, daß die Wiederanknüpfung freundſchaftlicher Beziehungen eine dauernde zu werden verſpreche, einen für Frankreich äußerſt gün⸗ ſtigen Handelsvertrag als Ergebniß ſeiner Reiſe zurück und außer⸗ dem die Tochter des Fürſten Trubetzkoi, eine ſchöne und— wie hätte er anders wählen können— geiſtreiche junge Dame, als ſeine junge Gemahlin.
Als nicht lange darauf Billault Staatsminiſter wurde, ernannte der Kaiſer an Jenes Stelle Morny zum Präſiden⸗ ten des Corps législatik, ein Amt, für das er gleichſam prädeſtinirt war. Von der aufrichtigen Achtung aller Par⸗ teien getragen, war er nie genöthigt, ſeine Amtsautorität geltend zu machen. Er verſtand es wie Keiner jeden auf⸗ keimenden Zwiſt entweder durch eine geiſtreiche Wendung gleich zu unterdrücken oder ihm durch ein ſtets bereites Witz⸗ wort das peinliche und Verletzende zu nehmen. Seine Er— öffnungsreden ſtanden oft den kaiſerlichen Thronreden an politiſcher Wichtigkeit nicht nach und zeichneten ſich durch jene faſt weibliche Verführungskunſt aus, die auch den Zauber ſeiner Perſönlichkeit ausmachte.
In einer der letzten Sitzungen bemerkte Mitglied der Oppoſition, als ihm einer der vielen jetzt nöthig gewor⸗ denen Ordnungsrufe des Präſidenten Schneider zu Theil ge⸗ worden war, daß unter Morny's Präſidentſchaft eine ent— ſchieden größere Freiheit der Discuſſion gewährt worden wäre.
Von Anſehen war Morny eine edle männliche Erſchei—
nung, ein ausdrucksvoller, aber kahler Kopf, ſodaß er ſchon
im Jahre 1842 für„le plus jeune et le plus chauve des députés“ galt. Größer und ſtattlicher wie der Kaiſer, hatte er mit demſelben eine frappante Aehnlichkeit, ſodaß kein fran— zöſiſches Buch oder Journal nöthig hatte, an die Verwandt⸗ ſchaft mit demſelben zu erinnern— was ich auch in keinem einzigen habe auffinden können.
Morny hat nicht aufgehört, ſeinem Lande und dem Herr— ſcher deſſelben noch unerſetzte Dienſte zu leiſten, bis er im Jahre 1865 am 10. März, eine Witwe und vier Kinder hin⸗ terlaſſend, geſtorben iſt. Den letztern— ces quatre petits anges— hat Rouher in ſeiner am Grabe des auf Staats⸗ koſten beerdigten Vaters prophezeit, ſie würden einſt dem vierten Napoleon ſo große Dienſte leiſten, wie der Verewigte dem dritten. Soviel aber ſteht feſt, dem vielleicht() einſt minderjährig auf den Thron Frankreichs berufenen kaiſerlichen Prinzen wird der Rath und Beiſtand eines Mannes wie Morny fehlen, deſſen Dienſte der in der Schule des Lebens vorbereitete Vater nicht hätte entbehren können; des Zutrauens
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