Jahrgang 
1868
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Mit nicht zu beſchreibender Freude empfing vöck, der beglückte Vater, mit ſeliger Innigkeit die junge Mutter den Pfarrer, daß gerade der von allen herzlich geliebte Mann es war, der zuerſt gelommen, ſeinen Glück und Segenswunſch auf das Bett des lleinen Erdengaſtes zu legen.

Fürwahr die Gruppe, die der nun zu vollem Lichte an gebrochene Morgen durch das helle Fenſter betrachten durfte, wäre einem Maler würdiger Vorwurf zu einem lieblichen Ge mälde häuslichen Stilllebens geweſen

Bor dem Fenſter der Garten im jungen Frühlingsglück, ſich freuend über ſeine Blumen und Blüten; die wegen des, auch ihnen als theilnehmenden Hausgenoſſen angekündigten, ſrohen Ereigniſſes luſtig ſummenden, an den Fenſtern vorüber ſchwärmenden Bienen; in der Stube der Pfarrer an der Wiege des Kindes; die ſtille Freude der Aeltern; der auf ſeinem erſten Erdenkiſſen harmlos ſchlummernde roſige Knabe und bieſes Bild umrahmt von der Glorie eines ſonnigen Morgens in prangender Lenzverklärung.

Wie der Morgen den Sieg über die Nacht, ihre bangen orgen und beängſtigenden Träume erringt, ſo auch hatte

dieſes friebliche Familiengemälde in Löck's Hauſe jene Sterbe⸗ ſcene in der Seele des Pfarrers gemildert, aufgerichtet ver⸗ ließ er ſeines Freundes Wohnung.

Unterwegs begegnete ihm bald ein Nachbarin. Mittheilſam iſt die Freude. Pfarrer zu Jedem:

Die Bienenſtöcke vor Löck's Hauſe tragen Scharlach, geht nur hin und ſeht ſelbſt.

Weiter fügte er nichts hinzu, ſondern ſetzte lächelnd ſei nen Weg fort. Natürlich gingen ſie Alle hin, um zu ſehen, welches Glück in dem Hauſe eingekehrt, fanden den Knaben und wurden nicht müde mit Hand und Mund Glück zu wünſchen.

Daß am Tauffeſte des kleinen Löck, den ſie nach dem ſeligen Großvater Pierre nannten, getanzt wurde, verſteht ſich von ſelbſt. Das ganze Dorf, auch wer nicht geladen war, theilte die Freude des glücklichen Vaters.

Der Pfarrer hob den kleinen Pierre aus dor Taufe.

Fortſetzung folgt.)

Nachbar, bald eine So ſprach denn der

Die kleinſten Napoleoniden.

Von E. L.

I. Der herzog Morny.

Von den Kleinen des in der Ueberſchrift genannten Gen ſchlechts hat eine geiſtreiche Feder den Leſern desHaus freund unlängſt erzählt; vielleicht dürfen wir auch für die Kleinſten, für die entfernteſten Sprößlinge des von dem ſtei nigen Corſica aus mit üppiger Fruchtbarkeit einen Continent überwuchernden Geſchlechts eine gleiche Theilnahme bean ſpruchen, die, wenn verdient, um ſo ehrenvoller iſt, als ihnen ſchon das Preſtige des Namens fehlt, der den Glie dern der laiſerlichen Familie ſchon von vornherein ein In tereſſe gibt.

Man braucht nicht an die Orgien des Kaſſeler Königs hofes zu erinnern, um Beweiſe für die etwas lockern Sitten des erſten Kaiſerreichs beizubringen. Der Chef der Familie hatte ſeinen ſchönen Schweſtern nichts vorzuwerfen, wenn ſie, die Königinnen, auch in den Wegen des Königthums des weiland Verſailler Hoſes wandelten. Fanden doch in des Kaiſers Augen ſchöne Gräfinnen Gnade, warum ſollten die heißblütigen Italienerinnen und die Tochter des Marquis von Beauharnais für männliche Schönheit unempfindlich ſein!

Hortenſie hatte ihrem Gemahl drei Söhne geboren, von denen der älteſte, der präſumtive Nachfolger des Kaiſers vor ſeiner zweiten Heirath, früh ſtarb; die beiden andern ſahen den König von Rom geboren werden und ſterben, und mußten doch das Erbe des Oheims und Vaters verloren geben, bis endlich der einzig überlebende ein in ſeinen Augen doppelt legitimes Recht geltend zu machen verſtanden hat. Nach der Abvankung des Königs von Holland lebte Hortenſie ge rennt von demſelben in Paris, in gutem Einvernehmen mit hrem Schwager und Stieſvater, wo ſie in der Blüte ihrer Jahre, eine fünfundzwanzigjährige Halbwitwe den Grafen von Flahault, ihren Stallmeiſter, mit ihrer Liebe beglückte und am 23. Oetober 1811 einen Knaben gebar. Von dem Graſen Morny adoptirt, wurde er Charles Louis Auguſte Joſeph de Morny getauft, und iſt ſomit ein Nachkomme des alten, einſt ſo ritterlichen franzöſiſchen Adels, deſſen beide Großväter als Opfer der Revolution auf dem Schaffot ge fallen waren. Der Graf Flahault war Ludwig's XVI. Gar lenintendant und der Marqhis von Beauharnais löniglicher General geweſen. Des Erſtern Witwe in zweiter Che zit dem portugieſiſchen Grafen de Souza vermählt, leitete die Erziehung ihres Enlels, eine geiſtreiche, auch als Schrift ſellerin belannte Frau, die während eines langen Auſent

nommen hatte, ſodaß auch der junge Morny dieſe Sprache ſpäter trotz einem Lord des Oberhauſes elegant und fließend ſprach. Seine Großmutter mütterlicherſeits war die Kaiſerin Joſephine, und Morny mußte ſo dem Kaiſerreich wie ſpäter dem reſtaurirten Adel gleich ſehr legitim erſcheinen.

In der Schule von St. Cyr vollendete der vielverſpre⸗ chende Jüngling mit Eifer und Erfolg ſeine Studien und veranlaßte ſchon als zwölfjähriger Knabe Talleyrand zu dem Ausſpruch:Dieſes Kind wird eines Tags Miniſter ſein. Aber dieſes Wort laſtete nicht auf ihm wie des Hedipus Hralelſpruch oder die Hexenprophezeiung Macbeth's: der ſichern Wirkung ſeiner Perſönlichkeit und ſeiner Talente ſich bewußt, und ohne Arroganz, verſtand er abzuwarten, bis ſich die Prophetie erfüllen würde.

Im Jahre 1830 ſehen wir ihn als Unterlieutenant in Jontainebleau, wo er ſich aus Langerweile mit Theologie be ſchäftigt, dann in Afrila, wo er ſich mehrfach auszeichnet und mit Gefahr des eigenen bei Konſtantine ſeinem General Lrézel das Leben rettet. Mit dem Kreuz der Ehrenlegion geſchmückt, mit Auszeichnung in den Armeeberichten genannt, durfte er ſich Hoffnung auf eine glänzende Carriere machen, lam aber ganz plötzlich um ſeinen Abſchied ein, als man ihm einen längern Urlaub zur Wiederherſtellung ſeiner Geſund heit verweigerte.

Es war jene Zeit, wo dasjuste milieu, die Ariſto⸗ kratie des Beſitzes und der Intereſſen, unter dem Schutze des rothen Regenſchirms herrſchte, die von der alten Ariſtokratie das Geld und von der Revolution das übertriebene Bürger⸗ bewußtſein, aber ohne die verſöhnende Grazie der erſtern und die Begeiſterung der zweiten geerbt hatte. Wer einen neuen Handelsartikel für die Krämer entdeckt hatte, durfte auf ſchnellerm Wege ein politiſcher Mann zu werden hoffen, als wer dickleibige Staatsrechts Handbücher ſchrieb. Morny ver lannte ſeine Zeit nicht und begründete auf ſeinen weiten Be ſitungen im Departement Puy de Dome eine Fabrik einhei miſchen Zuckers, eine Induſtrie, die damals neu und von großer volkswirthſchaftlicher Bedeutung war, jedenfalls aber für wichtiger galt als die Eroberung Algeriens und das ropäiſche Gleichgewicht. Er vertffentlichte eine dieſen G ſtand mit Sachkenntniß behandelnde Broſchüre und präſi

einem Congreß der Vertreter dieſer Induſtrie, was ihm bald n be 6 einen Sitz in der Kammer einbrachte. Als er, kaum 30 Jahre, halts in England die Gewohnheit engliſch zu ſprechen ange das vorſchriftsmäßige Alter eines Geſetzgebers erveicht ha te,