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1561
Leipzig · Ende November.
Die Kunſtkritik und die Theater.
Kunſtkritiker. Das
Man mag jetzt Correſpondenzen aus Leipzig leſen, wo man will, in politiſchen oder belletriſti⸗ ſchen Blättern, und wird überall auf Klagen ſtoßen, auf Lamentationen über Politik, literari⸗ ſche und Kunſtzuſtände. Und wahrhaftig, ein Eldorado iſt auch Leipzig jetzt nicht. Seitdem das neue Preßgeſetz proviſoriſch in Wirkſamkeit getreteu iſt, haben Buchhändler und Buchdrucker faſt ſämmtlich den Kopf verloren. Vor einigen Tagen erging ſich ein PRitter der Freimüthigen Sachſenzeitung in lächerlichen Bockſprüngen über den ſchlechten Zuſtand der Leipziger Preſſe in der Oberpoſtamtszeitung. Wir wiſſen freilich, was er unter der ſchlechten Preſſe allein verſteht: die Neue Leipziger Zeitung und die Deutſche Allgemeine. Als Muſter ſtellt er dieſen im Stillen(noch ganz im Stillen) die Fackel, die Freimüthige Sachſenzeitung, die Leipziger Zei⸗ tung und das Dresdener Journal gegenüber. Das ſind nun zwar auch recht ſchöne Zeitungen, freilich aber nur für den, der Geſchmack daran ſindet, und barbariſch wäre es doch jedenfalls, durch das Verbot jener Zeitung für ganz Sachſen den Geſchmack an der †tLektüre oktrohiren zu wollen. Die Brockhaus'ſche Deutſche Allgemeine hatte in letzter Zeit eine recht geſunde Politik vertreten und wurde, was dieſen Theil derſelben betrifft, gerne geleſen. Anders verhiett es ſich mit den Kunſinachrichten darin, den Don Qui⸗ rotereien des †Correſpondenten, der ein recht wunderlicher Heiliger ſein und einmal zu Anfang dieſes Jahrhunderts eine Rolle in der Literatur geſpielt haben muß; denn nach jener Zeit ſchmecken ſeine Anſichten. Und einen Stil ſchreibt er, ſo ſchön wie einer, der in Secunda der Schule ent⸗ laufen iſt. Die Kunſtnachrichten in der Neuen Leipziger Zeitung haben ſchon mehr etwas mo⸗ dernen Anſtand und dürfen vielleicht mit der Zeit einmal auf den Namen Kritiken Anſpruch machen. Zu den Grenzboten, hörten wir, ſolle nächſtens ein Commentar erſcheinen, da nicht alle Leſer derſelben den transſcendentalen Auſſchwung im Stil des Herrn Schmid verſtanden haben. Ein gutes Journal, wie uns unter der Leitung von Prutz und Wolfsſohn in Ausſicht ſteht, thut recht Noth hier in Leipzig, und wir glauben ſicher, daß ſich das neue Unternehmen bei guter Zeit einen weiten Laſerkreis erwerben wird, wenn es glücklich die Klippen zu umſchiffen weiß, an denen die andern Leipziger Blätter und Blättchen nahe am Scheitern ſind. Ein beifällig aufgenommenes Werk iſt ſeit Grün's Ueberſetzung Krainiſcher Volkölieder hier nicht wieder erſchienen. In den letzten Tagen hatten wir ein Hefichen Gedichte in der Hand: Karlsbad und Helgoland. Poeti⸗ ſcher Blumenſtrauß, gewunden zur Erinnerung. Es enthält über jeden der beiden Hrte 10 Ge⸗ dichte, von denen uns jedoch nur einige gefallen haben. Wir vermuthen, daß ſie von einer Dame ſind.
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1562
Wenn wir von der Literatur aufs Theater überſpringen, ſo findet das ſchon darin ſeine Berechtigung, daß ſich jetzt die dramatiſche Lite⸗ ratur ungeheuer in den Vordergrund drängt. Im Buchhandel erſchien in den letzten Tagen: Adelheid, dramatiſches Gedicht von Heinrich Lucius, das, wie wir hören, auch ſein Glück auf den Brettern verſuchen will. Einſtudirt werden an hieſiger Bühne: Der Prinz von Oranien, Trauerſpiel von Simonz die Gracchen von Heide⸗ rich; der Held von Ftampes, von dem jungen Talente Georg Köberle, der, wie wir hören, noch zwei Stücke in dieſem Winter hinausbugſiren wird. Es thut aber auch gewaltig Noth, daß das Leipziger Theater einmal wieder einen kräfti⸗ gen Anlauf nimmt. Seit der Oſtermeſſe d. J. hat es geſchlafen und ſich nur wie in halber Apoplexie gerührt. Kein Held, kein erſter Lieb⸗ haber, Gaſt auf Gaſt, von denen Keiner gefiel; o, das war eine trübe Zeit.— Madame Brue von Berlin hat in vier Vorſtellungen hier gaſtirt und bei vollen Häuſern, wie im vorigen Jahre, ſich Beifall errungen. Sie iſt nicht blos eine graciöſe Tänzerin, ſondern, wie ſie in dem Stückchen„Der Kurmärker in der Picardie“ be⸗ wies, auch eine gewandte Schauſpielerin. Vom Hamburger Theater hätten wir gern einmal die Johanna Wagner hier, die, eine geborne Leip⸗ zigerin, ſeit vier Jahren hier nicht geſungen hat. Vom hieſigen Theaterperſonal müſſen wir rüh⸗ mend zweier Erſcheinungen erwähnen, die, wenn ſie nicht nachlaſſen in ihren glücklichen Beſtre⸗ bungen, eine ſchöne Zukunft vor Augen haben. Es iſt Fräul. Schäfer, die erſte Liebhaberin, und Herr Kläger für Charakterrollen. In Beiden ruht ein Funke von Genialität, der durch Fleiß und Ausdauer angefacht werden muß, um kühn emporzulobern.—— g.—
Literatur.
Gottkried Kinkel wird in der revue brittannique in einem eignen, ziemlich ausführlichen Artikel, eine Aufmerkſamkeit gewidmet, die bis jetzt nur wenigen Deutſchen erwieſen worden iſt.
Zu Milwaukin in den Vereinigten Staaten erſcheinen jetzt 6 Zeitungen, wovon 2 deutſche. Zu Chicago fünf täglich erſcheinende, zu Detroit drei, in Cleveland drei, in Buffalo fünf, in Toledo zwei; Virginten zählt aber 70, Penſhl⸗ vanien hat 318 täglich und wöchentlich, 3 zwei Mal die Woche, 8 monatliche Zeitungen, 25 monatliche Magazine und 5 reviews, die viertel⸗ jährlich erſcheinen.
Der Pücherkalalog der Michaelismeſſe bringt in dieſem Jahr auf 24 Bogen 5023 Titel neu er⸗ ſchienener Werke, und enthält daher gegen 1000 Titel mehr als ſeiue unmittelbaren Vorgänger. Die meiſten Werke(63) hat Brockhaus in Leipzig im Verlag.
Adalbert von Pornſtedt. Der bekannte, bei dem Auſſtande in Baden vom Jahre 1849 be⸗ theiligte Adalbert von Bornſtedt, welcher ſich noch


