Jahrgang 
2 (1850)
Seite
1559-1560
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um die Taſten zu ſchlagen, die Violinſaiten zu greifen und Löcher der Flötinſtrumente zu ſtopfen. Nun wiſſen Sie, wie wir mit Muſik ſattſam beſtellt ſind, wenn wir einige Tauſend Czechen hier beherbergen. Doch kann ich nicht umhin, den Beſtrebungen der Liedertafel, an deren Spitze Herr Barth ſteht, gerecht zu werden. Einſtweilen iſt dem Verein der Vortrag vom Deklamationen unterſagt worden, aus Anlaß des Bauernfeldſchen Gedichtsdie Kriegsluſtigen; um ſo mehr wird er ſich der Muſik zuwenden können. Die Quar⸗ tette, von Hellmesherger und Andern ausgeführt, ernten den gewöhnlichen Antheil. Gehört zu werden verdienen aber die Tyroler Sänger Meiſter und Holaus, es weht Einem in der verdorbenen Reſidenzluft mit einem Mal friſche, herrliche Alpenluft an. Freudiges kann ich über den öſterreichiſchen Kunſtverein berichten, der ſeine permanenten Kunſtausſtellungen eröffnet hat. Dieſe Ausſtellung iſt nicht zu reich beſchickt, be⸗ denkt man aber, daß es erſt der Anfang ſei, ſo muß man immerhin ſagen, es ſei ein ſchöner Anfang. Von den Provinzen iſt bisher ſo gut wie nichts eingeſchickt worden; hingegen vom Ausland, namentlich von holländiſchen Meiſtern, Düſſeldorfern und Münchern, deren Beiträge auch wirklich das Beſte ſind, was geboten worden; Carl und Julius Hübner, Voltz aus München, Ritſchel aus Dresden, Noter und Köckköck aus Holland, Marko aus Florenz haben eingeſendet. Von den Wiener Künſtlern nenne ich Ihnen Schleſinger, Schrotzberg, Duker, Ranftl, Krie⸗ huber, Löffler, Ender, welche nette Bilder beige⸗ ſtellt. Das größte aber nicht das beſte, das theuerſte, aber deshalb nicht werthvollſte Bild, iſt C. Hübners hiſtoriſches Bild: Hannah bringt den Knaben Samuel zum hohen Prieſter Eli. Gut gemalt, verräth es tiefes Studium alter Meiſter, aber ohne Leben und ohne höhere Bedeutung, ſie können dem alten Eli ebenſo einen Schlafrock und der Hannah eine polniſche Kaſobrika anziehn, es wird nicht ſtören, weil es keinen Eindruck macht. Anders iſt es mit Julius Hubners Skizze zu dem Gemälde derLeinweber und deſſen gutem Sohne, welche beide die trefflichſten Vilder ſind, die ſich in der Ausſtellung befinden. Löfflers Erbſchleicher iſt eine farbloſe, ſchlechtge⸗ zeichnete, abgenutzte Wiederholung des Don⸗ houſerſchen Bildes dieTeſtamentseröffnung, ohne Geiſt, ohne Friſche; die Portraits von Schleſinger ſind alle manierirt, trefflich hingegen ſind die zwei großen Bilder von Schrotzberg. Ich kann mich nicht in ein Detail der Ausſtellung einlaſſen; auch ſind viele Bilder nur aus Privat⸗ ſammlungen beigeſtellt, aber freudig zu begrüßen iſt der Beginn und ihm allenthalben Förderung zu wünſchen, woran es nicht fehlen wird, wenn ſein gedeihliches Wirken mehr offenbar wird ge⸗ worden ſein. Was die literariſchen Beſtrebungen anbelangt, ſo unterſcheiden ſich dieſe in die Tagesliteratur, worin Zeitungen mit inbegriffen ſind, und in die eigentlichen, nicht für den Mo⸗ ment berechneten Werke. Was die Tagesliteratur anbtlangt, ſo werden wir mitpolitiſchen Broſchüren, welche die Neugeſtaltung Oeſterreichs betreffen, faſt überſchüttet, aber wenn ſie daraus Oeſterreich geſialten wollen, ſo bliebe es hübſch ungeſtaltet.

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Jetzt ſind gar die Kalender aller Sorten an der Tagesordnung, und doch entnehmen wir weder aus ihnen, noch aus unſern Thurm- und Taſchen⸗ uhren, wie viel es eigentlich an der Zeit ſei. Der Saphhyrſche Volkskalender iſt auf eine De⸗ nunciation des Herrn Ebersberg, dem Saphhr darin ein Monument geſetzt hat, confiscirt, nun aber wieder frei gegeben worden. Später ward er wieder confiseirt, weil der Verleger das Ver⸗ bot der Illuſtrationen übertreten hatte. Herr Manz, zu einer Geldſtrafe, ich weiß nicht von wie viel Gulden, verurtheilt, zog es vor, die Geldſtrafe abzuſitzen. Sie faſſen doch wohl dieſe Demonſtration gegen die Eingriffe einer über⸗ müthigen Säbelherrſchaft. Erſchienen ſind außerdem Komperts: Böhmiſche Juden, drei hübſche Erzählungen, hie und da etwas zu weit ausgeſponnen, aher zum beſten gehörig, was bis⸗ her in dieſem Genre iſt geleiſtet worden. Herr Braunthal, vormärzlichen Andenkens, ſchreibt ein Ende der Welt, ein Epos, das in uns den Wunſch wach ruft, es mögen ihn die Herren Athorn, Brenno, und wie dieſe Herren ſeines Gedichts heißen, ans Ende der Welt jagen. Es iſt dies ein ganz enormer Gallimathias, über den zu reden nicht der Mühe werth iſt. Eben iſt auch das längſt angekündigte:Aus einer ver⸗ ſchollenen Königsſtadt ausgegeben worden, als deſſen Verfoſſer der Dichter derParallelen auf dem Titelblatte ſteht. Die Parallelen haben, als ſie erſchienen, eine ſehr günſtige Aufnahme ge⸗ ſunden. Es ſind darin die Erſcheinungen des Natur⸗ und Seelenlebens gegenübergeſtellt, woher der Titel, und kommen darin wirklich herrliche Sachen vor. Das Buch würde dem Autor zu jeder andern Zeit, als die gegenwärtige, einen bedeutenden Namen gemacht haben. Er that alſo gut daran, ſich nach ſeinem erſten Buche zu nen⸗ nen, denn es macht ihm Ehre. Er iſt Poet im vollſten Sinne des Wortes. Was er mit ſeinem neuen Buche will, kann ich Ihnen leider noch nicht ſagen, denn ich habe es nur erſt geſehn, und es iſt ein ſtarker kleiner Band in Form der jetzt ſo beliebt gewordenen, den alten Elzeviers nachgemachten Miniatur⸗Ausgaben. Der Blick, den ich ins Buch gethan, zeigte mir, daß die Auflage eine prachtvolle; ob ſie dem Inhalte ent⸗ ſpreche, muß ich nach dem erſten Buche deſſelben Dichters vermuthen, laſſe es aber ſo lange dahin⸗ geſtellt ſein, bis ich es geleſen und Ihnen Nähe⸗ res darüber ſagen kann. Wir haben Beiſpiele, die uns wünſchen ließen, Poeten hätten nie mehr als ein Buch ausgegeben. Doch wir wollen nicht das Schlechteſte hoffen, immer aber einen Fort⸗ ſchritt erwarten, denn Poeten, die ſtarr auf einem Fleck bleiben, ſind doch nicht wahre Poeten.

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