Jahrgang 
2 (1850)
Seite
1525-1526
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Correſpondenz.

Koburg. Den 16. November.

Politiſches. Theatraliſches. Für Schleswig⸗

Holſtein.

Vor einigen Tagen herrſchte hier große Auf⸗ regung. Es hieß, die Oeſterreicher ſeien von Lichtenfels aus im Anmarſch, und die Croaten ihre Avantgarde. Sogleich ſuchte man alle Koſt⸗ harkeiten in Sicherheit zu bringen. Der ver⸗ hreitete Anmarſch löſ'te ſich indeſſen bald in bloßes Gerücht auf, während die Beſatzung der Gränze durch Oeſterreicher und Baiern Factum blieb. Was geſchieht, erwarten wir von Berlin, von dem jetzt das Geſchick Deutſchlands abhängt. Am Schluß der letzten Ständeſitzung iſt von dem Staatsminiſterium, auf Antrag des Landſchafts⸗ Directors Herr von Spaſſhart: daß der für die Vereinigung von Koburg und Gotha gewählten Commiſſion ſämmtliche auf die Vereinigung be⸗ zügliche Vorlagen zur Sonderberathung, vor Zu⸗ ſammentritt der gemeinſchaftlichen Commiſſion, vorgelegt werden möchten, erwidert worden, daß die Vorlagen, welche zur Zeit nur noch der Ver⸗ vielfältignng bedürften, beiden Commiſſionen jedenfalls 810 Tage vor ihrem Zuſammentritt vorgelegt werden würden. Die Stände, welche hierauf vertagt wurden, ſind bereits auf den 12. d. M. wieder einberufen wordenzur Be⸗ rathuug dringlicher Angelegenheiten. Der Her⸗ zog iſt auf einige Tage nach Gotha gereiſ't ge⸗ weſen, doch war derſelbe bereits am 8. d. M. wieder retournirt. Es iſt nicht unmöglich, daß unter den jetzigen kriegeriſchen Auſpieien der Herzog vielleicht in den nächſten Tagen abberufen wird und den Befehl eines preußiſchen Armee⸗

orps übernimmt. Im Theater wurden zuletzt!

ie OpernHernani,Lucia,Robert,Pu⸗ ütaner,Capuletr gegeben. Mad. Herbſt⸗Ja⸗ ſedé entzückte wieder durch ihre herrliche Stimme, ſelenvollen Vortrag und Bravour in den Haupt⸗ garthieen dieſer Opern. In der letzten war der ſtomeo das Debüt eines Fräuleins Mayer aus München. Es war ihr erſtes Auftreten, doch lekundete ſich viel dramatiſches Talent. Herr Greiner betrat gleichfalls an dieſem Abend als Pebaldo zuerſt die Bühne. Derſelbe hat eine lerrliche Stimme, ein ſchöner Fond zu einem Heldentenor erſten Ranges iſt hier vorhanden. (s wurde alles aus der Bruſt, voll und kräftig geſungen. Rauſchender Beifall lohnte ihn im iſſten Act. Fräulein Mügge iſt, ſind wir recht interrichtet, als Roſamunde von Kronau in dem Wpfer'ſchen LuſtſpielRoſenmüller und Finke

Feuilleton.

zum letzten Male aufgetreten und wird die Bühne ganz verlaſſen. Wir ſehen ſie ungern ſcheiden, da ſie eine Zierde des Luſtſpiels, des Schauſpiels und der Tragödie war. An ihrer Stelle iſt eine Mad. Moltke engagirt worden, die wir inDer Fabrikant als Eugenie,Badekuren als Luiſe und als Deborah Gelegenheit hatten zu ſehen. Die Dame hat uns im Luſtſpiel wenig, im Schauſpiel mehr gefallen, nur hüte ſie ſich an den dramatiſchen Stellen des Dialogs vor zu vielem Pathos und manierirten Armbewegungen. Wir werden hei nächſter Gelegenheit darauf zurück⸗ kommen. A propos, bald hätten wir noch das erſte Debüt des Baſſiſten Herrn Schifbecker als Bertram vergeſſen, der an Herrn Hofers Stelle engagirt iſt, welcher Letztere nach gütlicher Ueber⸗ einkunft mit der hieſigen Bühnenverwaltung ſein Engagement in München zu Anfang des künftigen Jahres antritt. Ueber dieſe erſte Leiſtung wollen wir noch kein Urtheil abgeben und verſparen uns dies für die nächſte. Am 25. vorigen Menats feierte der Regiſſeur der Oper, Herr Kawaczynskh, ſein 25jähriges Künſtlerjubiläum. Die erſten Mitglieder der Oper wie des Schauſpiels hatten ſich am Abend des genannten Tages zu einem Feſtmahl im Saale des Caſino zuſammenge⸗ funden, wo alsdann dem Jubilar ein ſilberner, inwendig ſtark vergoldeter Pokal überreicht wurde, aus welchem derſelbe einen Toaſt auf die Cole⸗ gialität ausbrachte. Unter dem 4. d. M. hat das Comite zur Verwaltung der freiwilligen Gaben in Rendsburg ein Schreiben an das hieſige Comite für Schleswig⸗Holſtein erlaſſen, in welchem für den Empfang von 1200 Thaler Pr. Crt. und für den Eifer und Patriotismus der tiefgefühlte Dank ausgeſprochen wird.Möge der Lenker der Schickſale, lautet der Schluß dieſes Schreibens,ſowohl unſere wie ganz Deutſchlands Angelegenheit zum Heil und Glück ſeiner Bewohner führen. Wir erfahren ſehr gern, daß wir noch fernere Sendungen von Ihnen gewärtigen können, und zeichnen ſich mit Hoch⸗ achtung das Comite der freiwilligen Gaben. Folgen die Unterſchriften. Die ferneren Gaben haben jetzt mit dem Einſammeln der Wochenbei⸗ träge begonnen. Am heutigen Tage zeigt uns die Natur zum erſten Mal das Bild einer Winterlandſchaft und zwar in ihrem reizendſten Gewande. Leichter Schnee hat ſich auf die Flur gelagert und glitzert in den Strahlen einer heitern Winterſonne. Möge dieſer heitere Winteranfang hell leuchtend in den trüben Winter der poli⸗ tiſchen Zuſtände Deutſchlands ſcheinen!