Jahrgang 
2 (1850)
Seite
1505-1506
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Die Belagerung der Marienburg. Biſtoriſche Erzühlung von Mar Roſenheyn. ———

(Fortſetzung.)

2 ſt Euer Meiſter denn geſonnen, meiner Forderung zu genügen, mir die Thore der Marienburg zu öffnen und ſich mir mit den Seinigen auf Gnade und Ungnade zu ergeben?“ entgegnete der König.„Nur dann kann vom Ende des Kampfes die Rede ſein,“ fuhr er fort,„oder meint Ihr, der Abzug des bund⸗ brüchigen Litthauers könne mich beſtimmen, meinen Willen zu ändern? Euer Meiſter mag alle unnöthigen Fragen ſparen, ich habe nichts darauf zu erwidern, als daß ich auch ohne Witold die Feſte in meine Gewalt zu bekommen gedenke.“

„Deſſen iſt der Statthalter nicht allzuſehr befürchtet,“ nahm Barthel wieder das Wort, „da er ſichre Kunde erhalten von dem An⸗ rücken des liefländiſchen das zum Entſatze der Burg herbeieilt. Zudem dürften auch die in Deutſchland geworbenen Hülfs⸗ völker in Kurzem eintreffen, um ſich Eurem. durch den langen Kampf geſchwächtem Heere gegenüber zu ſtellen.“

Dieſe Worte verfehlten ihren Eindruck auf den leicht in Furcht zu ſetzenden Jagello nicht; er ſuchte denſelben vergebens vor Barthel, deſſen ſcharfes Auge ihn unousge⸗ ſetzt beobachtete, zu Jerbergen. Dennoch ent— gegnete er in auffahrendem Ton⸗:„Laſſet ſie kommen, die Liefländiſchen und die Deutſchen? Ich weiche nicht. Und habt Ihr mir ſonſt nichts auszurichten, ſo neldet Curem Meiſter, König Jagello zieht nicht von dannen, ohne Herr der Marienburg zu ſein!“

„Geziemt es aber chriſtlichen Fürſten,“ Jahreszeiten II.(Nro. 48, Den 27. Noyember)

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nahm Barthel das Wort,„unnützes Blutver⸗ gießen zu vermeiden, und da vorauszuſehen, daß Königliche Gnaden bei längerem Kriege Ihrer Krone nur ein blutgedrängtes Land und Schutt und Trümmer einverleiben würden, da doch bei gleichem Vortheile eben ſo ruhm⸗ würdige Palmen des Friedens zu ſammeln wären,— ſo achtet der Meiſter, als Ober⸗ haupt eines ehrwürdigen Ordens der heiligen Kirche, es der chriſtlichen Demuth angemeſſen, Königliche Gnaden dieſe Friedenspalmen noch einmal anzubieten, damit er des Himmels Zorn über das ſchon vergoſſene Blut verſöhne.“

„Ich ehre die Kirche nicht minder, denn Eures Ordens Meiſter,“ unterbrach der König Barthels Rede, indem er einen demüthigen Blick auf ſeinen Beichtvater warf, der unter ſeiner Umgebung ſtand;„doch nicht über mich komme das vergoſſene Blut; hättet Ihr früher eingeſehen, daß Ihr meiner Macht nicht zu widerſtehen vermögt, ſo wäre der Krieg längſt zu Ende. Eure Hartnäckigkeit allein iſt es, welche die zahlloſen Opfer heiſcht.“

„Des Ordens Erhaltung iſt meines Mei⸗ ſters Pflicht,“ ſprach Barthel weiter,„bis zum letzten Athemzuge wird er dafür ſtreiten und, muß es ſein, mit ihm zugleich unter⸗ gehen. Doch hofft er zu Gott, die Rettung werde ihm gelingen; nahe iſt die Hülfe, wäh⸗ vend Euer Bundesgenoſſe, Großfürſt Witold, dem Kampfe gegen den Orden entſagt, erfüllt von frommen Geſinnungen, zu ſühnen das Blut ſeiner Verwandten, die einſt gefallen ſind fürEuch, daIhrmit ihm in blutigem Streite lagt.“

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