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find.— Vater Hahdn hatte uns auch für die „Wüſte“ empfänglicher gemacht, als wir es an⸗ fangs erwartet hatten, und wir freuten uns, dieſes zwar etwas monotone und in jedem einzelnen Theile zu ſehr ausgeſponnene, aber doch in ſeiner Einfachheit ſchöne, friſche und originelle Tonwerk nach langer Pauſe wieder einmal zu hören. Die Ausführung war ebenfalls gelungen. Be⸗ ſonders wirtte Herr Weixelstorfer hier vorzüglich mit ſeiner für den lyriſchen Geſang ſo herrlich ſich eignenden Stimme, obgleich ſie, wie uns ſchien, in der Höhe etwas heiſer war. Reizend ſung er das Lied:„O Nacht, o ſüße Nacht!“ Aber mit höchſter Vollendung trug er den Morgen⸗ geſang der Moslemim vor, den wir zum erſten Male überhaupt hörten, indem er früher von Herrn Wurda, der die Romanzen ſo unvergleich⸗ lich ſang, aus begreiflichen Gründen ausgelaſſen wurde. Der Enthuſiasmus, den der Vortrag dieſes Geſanges(wir halten ihn für national), der ſo leicht ſeinen Eindruck verfehlen und ins Lächerliche wirken kann, war ſo groß, daß er ſtürmiſch da capo begehrt wurde. Herr W. kam mit freundlicher Bereitwilligkeit trotz der gehabten Anſtrengung des ganzen Abends dem Wunſche ent⸗ gegen und ward dafür mit noch größerm Beifalls⸗ ſturme belohnt, und nur das Gefühl der Unbſcheiden⸗ heit konnte das Auditorium abhalten, ihn abermals da capo zu verlangen; der Wunſch dazu war gewiß vorhanden Der beſcheidene, lirbenswürdige Künſtler hat ſich ſchnell die Gunſt des Publikums erworben, und ſolch freundliches und gefälliges Weſen iſt ganz geeignet, dieſelbe dauernd ſich zu erhalten.—
Wir haben vor Schluß und Abgabe unſeres Manuſeriptes nur eben noch ſo weit Raum und Zeit, um im Allgemeinen über den trefflichen Erfolg des zum Beſten des hieſigen Orcheſter⸗ Penſionsfonds veranſtalteten Concertes berichten zu können, einen weitern Bericht für die nächſte Nummer uns vorbehaltend.
Fräulein Alboni hat als Odette in Halevys Karl VI. einen nur mittelmäßigen Succes erlangt, die Pariſer Kritik ſchreibt dies dem Umſtande zu, daß Fräul. Alboni wohl eine vortreffliche Sän⸗ gerin ſei, nicht aber dramatiſches Schaffen und Intelligenz beſitze, um für ihren Theil allein ne Oper tragen zu können. Ihr Erfolg als Fides beruhe einzig in der ihr zu Gebote ſtehen⸗ den imponirenden Tiefe, welche ſie ſo oft in Meyerbeers Oper mit dem glücklichſten Erfolg enbringen könne. Auf unſere Hamburger Pri⸗ nadonna Fräul. Wagner, welche mit der Alboni viele Aehnlichkeit hat, dürfte das oben Geſagte mit vollem Rechte Anwendung finden, da auch ſe ihren ſeltenen Succes im Propheten haupt⸗ ſichlich denſelben Urſachen verdankt wie die Alboni.
Carlotta Griſi tanzt dieſen Winter in Ruß⸗ nund, Nathalie Fitz James will die Yankees mit pren Füßen enthuſiasmiren.
Herr von Flotow hat ſeine neue Oper, welche zum Namenstag J. M. der Königin, den I9ten Jovember, im Opernhauſe in Berlin zuerſt zur Lufführung kommt, vollendet und ſolche mit dem
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Namen„Die Großfürſtin“ benannt. Die Rollen ſind bereits vertheilt. Erwähnter Komponiſt be⸗ findet ſich gegenwärtig in Berlin und wird zum Theil das Einſtudiren der Oper ſelbſt leiten.
Raupach, der mehr als ein Jahrzehend ſeine Thätigkeit für die Bühne ganz eingeſtellt hatte und vor Kurzem erſt wieder mit einem Drama vor ein ihm fremd gewordenes Publikum trat, arbeitet zur Zeit an einer Poſſe.— Ein derar⸗ tiges Werk von dem Verfaſſer, der„Schleich⸗ händler“, macht nicht geringe Erwartungen rege.
Daß Meyerbeer in Paris eine neue Oper auf⸗ zuführen gedenkt, beruht auf einen Irrthum. Der Componiſt denkt für den Augenblick nicht daran, er beſchäftigt ſich mit der Compoſition der Chöre der Eumeniden des Aeſchylos, die er für das Berliner Theater zu ſchreiben ſich verpflichtet hat. Dieſe Arbeit, obgleich von nur geringem Umfang, nimmt augenblicklich doch die ganze Zeit des Componiſten in Anſpruch. Perſonen, welche daraus einzelne Proben gehört, verſichern, daß es dem Componiſten vortrefflich gelungen ſei, das Antike der griechiſchen Tragödie auch in ſeiner Muſik wiederzugeben.
Miscellen.
Sir Bobert Peels Permögen. Der verſtorbene Baronet hinterließ ſeinem älteſten Sohne unge⸗ fähr 23,000 Pfund in jährlichen Renten und 400,000 Pfund baares Vermögen. Der Ver⸗ blichene verwandte auf die Verbeſſerung ſeiner Grundſtücke namhafte Summen und legte immer neue Gelder im Grundbeſitz an. Bei ſeinem Tode brachte ihm ſein Grundeigenthum mindeſtens 35,000 Pfund Sterling jährlich ein, wovon, wie oben geſagt, 23,000 Pfund dem Erſtgebornen zufielen. Die Succeſſionsakte giebt das baare Vermögen mit 500,000 Pfund Sterling an, den Grundbeſitz, zu 3 pCt. und nach dem vor dreißig Jahren ſich herausſtellenden Ankaufspreis gerech⸗ net, wird auf 13 Millionen Pfund Sterling ge⸗ ſchätzt. Zu welchen Zwergen ſchrumpfen ſolch einem Cröſus gegenüber unſere Börſenrieſen zu⸗ ſammen.
Peluſtigend. Der Paragraph des franz. Preß⸗ geſetzes, welcher befiehlt, daß jeder Arkikel den Namen ſeines Verfaſſers trage, giebt zu allerlei Anecdoten Anlaß. So leſen wir im evenement: „Ein Familienvater, alter Soldat des Kaiſerreichs, der unbekannt zu bleiben wünſchte, bittet ſeine alten Waffengefährten, ihm in ſeiner bedrängten Lage zu Hilfe zu kommen,“ und darunter ſteht Jean Laruelle, Exſergeant des 6oſten Linien⸗ regiments. Dieſe allerliebſte Schnurre erinnert an jenen Theaterdirector einer kleinen Stadt, welcher nach einer erſten Vorſtellung aufgefordert, den Namen des Verfaſſers zu nennen, enigegnete: „Meine Herren, das Stück, welches aufzuführen wir die Ehre hatten, iſt von Herrn Beniſart, der ungenannt zu bleiben wünſcht.“


