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rufen, von wo aus ſich nach 8 Uhr ein Zug vou 3 bis 400 Geiſtlichen, unter denen ſich 8 Biſchöfe befanden, zum Palaſte des Erzbiſchofs bewegte, denſelben zur Metropole abzuholen, wo der Nun⸗ tius das Breve dem Erzbiſchof überreichte. Am Abende gab es einen Fackelzug, aus 2000 bis 3000 Theilnehmernzuſammengeſetzt. Der Männer⸗ Geſang⸗Verein trug einige Lieder vor und zwar in ſo vollendeter Weiſe, daß das rohe Volk, das zu zahlreich verſammelt war, ſchwieg, daß Niemand ſprach, als nur allein der Caplan des Erzbiſchofs mit einem andern Geiſtlichen auf dem Balcon. Se. Eminenz dankte für die Aufmerkſamkeit des Volkes und ſagte demſelben, daß es ſich der Ehre, daß ihr Biſchof zum Cardinal gemacht wurde, dadurch würdig zeigen könne, wenn es den König ehre und die Kirche achte, bei welchem Paſſus einiges Geknurre ins Leben trat. Am andern Tage wurden 72 arme Greiſe öffentlich geſpeiſ't und getränkt und am Abende fuhr die hohe Geiſtlichkeit, 30 Wagen hoch, nach dem Concert durch die außerordentlich glänzend er⸗ leuchtete Stadt zum Dome, der durch bengaliſche Feuer bis zu den Thurmſpitzen erleuchtet war.
Literatur.
Pulons Wecker. Auf Grund des§. 3 der Verordnung vom 5. Juni d. J. iſt durch den Miniſter des Innern der Verkauf und die Ver⸗ breitung der von dem Prediger R. Dulon in Bremen unter dem Titel:„Der Wecker, ein Sonntagsblatt zur Beförderung des religiöſen Lebens“, herausgegeben, im Schnellpreſſendruck von G. Henckel in Bremen erſcheinenden Wochen⸗ ſchrift, für den Umfang des preußiſchen Staates, verboten worden.
Pas kommt davon. In Folge der Bemü⸗ hungen, Berlin möglichſt ſtatt Leipzig, wo der buchhändleriſche Betrieb durch die neuere ſächſiſche Preßgeſetzgebung gegenwärtig allzuſehr beein⸗ trächtigt erſcheint, zum Centralpunkt für den deutſchen Buchhandel zu machen, ſoll noch ein abermaliger Verſuch gemacht werden, einer Ber⸗ einigung der hieſigen Buchhändler die Rechte einer Korporation zu verſchaffen.
Die Bepublik in den Staatskutſchen des önigs iſt der Titel eines ſo eben erſchienenen Buches, welches das Treiben in den Ställen des Königs Louis Philipp während der Februarrevolution ſchildert und bemerkenswerthe Einzelheiten über Perſönlichkeiten mittheilt, die in der Revolution eine Hauptrolle ſpielten. Der Verfaſſer, ein Herr Tirel, hatte vor einigen Jahren die Aufſicht über die Ställe des Königs und bekleidete dieſen Poſten, als die Revolution ausbrach. Er erzählt, daß er auf Befehl der proviſoriſchen Regierung jedem Mitgliede derſelben eine Equipage für deſſen eignen Gebrauch und eine oder zwei andere für die Familie habe ausliefern müſſen. Die Namen dieſer Kutſchen und Pferde waren faſt ſämmtlich eine Art Epigramm auf den Charakter und die Eigenſchaften ihrer neuen Beſitzer. So erhielt Ledru⸗Rollin Kutſchen mit den Namen„Hebe“,
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„der Prinz“,„der Königlichgeſinnte“,„die Mar⸗ quiſe“,„der Phönix“, und Pferde mit den Na⸗ men„der Ungeſtüme“,„der Unerſchrockene“,„der Betrüger“,„der Trotzkopf“,„der Montagnard“ u. ſ. w. Im Ganzen ſind von den Mitgliedern der proviſoriſchen Regierung 41 Kutſchen und 91 Pferde in Beſitz genommen. Nach Herrn Tirels Behauptung waren ſowohl Wagen wie Pferde Privateigenthum Louis Philipps, und die Herren, die ſich dieſelben angeeignet, ſeien des⸗ halb verbunden, ſie zu bezahlen. Aus der Liſte, die er darüber aufſtellt, heben wir hier die fol⸗ genden Angaben heraus: Ledru⸗Rollin hat zu zahlen für 5 Kutſchen und 22 Pferde 27,750 Frz Marraſt 2975; Garnier Pages 2975; F. Arago 2975; Flocon 2975; Cremieux 2975; Carnot 3150; Goudchouy 3750; Courtais 4860; Cauſ⸗ ſidiere 2025; Recurt 5575; Trelat 1100; Duclerc 1100; Dufaure 1700; Tourret 4485; Clement Thomas 1410; Ducoux 2125; Etienne Arago 7450; Sobrier 4455.
Tempora mutantur. Die Neue preußiſche ci⸗ tirt mit unverholener Schadenfreude die allerdings etwas hochrothe Anrede der Madame Mühlbach⸗ Mundt, welche dieſe am 20. März 1848 an die Frauen Berlins richtete und knüpfte daran die malitiöſe Frage: ob Madame Mühlbach die Gattin des zum Univerſitätsbibliothekar ernannten Dr. Mundt ſei? Dieſe Kreuzzeitung iſt uner⸗ müdlich im Denunciren und eben weil ſie nur zu oft den Nagel auf den Kopſ trifft, iſt ſie eine gefürchtete Macht geworden.
Der Leipziger Student Scherz, welcher ſich, als die Wogen der Revolution noch hoch gingen, der Freundſchaft Ruge's und Blums erfreute, und in Folge ſeiner Betheiligung an den Plänen die⸗ ſer beiden Demokraten eingeſteckt wurde, iſt jetzt ſo mürbe geworden, daß er durch rückſichtsloſe Enthüllungen ſein Schickſal zu mildern ſucht und ſeine Begnadigung zu erlangen hofft. Wir be⸗ klagen den Herrn Scherz nicht ſeines Schickſals, wohl aber ſeines jetzigen Handelns wegen.
Ceipziger Puchhändler haben an die ſächſiſche Ständeverſammlung eine von Dr. Körner ver⸗ faßte Petition oder richtiger Adreſſe gerichtet, in welcher ſie ihre gerechten Bedenken gegen den Entwurf des neuen Preßgeſetzes erheben und na⸗ mentlich hervorheben, wie das buchhändleriſche Commiſſionsgeſchäft durch dieſes Geſetz von Leipzig gänzlich verſcheucht werden würde. Wir wollen hoffen, daß die klar und überzeugungstreu abge⸗ faßte Denkſchrift nicht wirkungslos iſt. Daß Herr F. A. Brockhaus ſich an derſelben nicht betheiligte, nimmt uns nicht Wunder, warum aber Herr Fr. Fleiſcher ihr ſeine Mitwirkung nicht angedeihen ließ, iſt uns ein Räthſel. Seine Stellung als unbeſoldeter Stadtrath kann doch kein Hinderniß ſein.
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