Jahrgang 
2 (1850)
Seite
1495-1496
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welche bereits 30 Jahre in der Gereonskiſte*) ſitzen und denen kein Stern der Erlöſung winkt, die Kanzelvorträge der Paters anhörten, es war wohl kein Mann in der großen Stadt, der nicht mehrere Mal den Dom heimgeſucht hätte, die fremden Prediger zu ſehen, zu hören, und ihre Reden mit denen der bekannten Geiſtlichen zu vergleichen, und da meinte man, daß der Paſlor Vill, der Caplan des Erzbiſchofs, der von Co⸗ lumbia, Schröder u. v. A. nicht Urſache hätten, einen Wettkampf auszuſchlagen. Man hat oft gefragt, ob die Berufung der Jeſuiten nicht eine Hintanſetzung für unſere Geiſtlichen ſei und das iſt ſie unleugbar, ſagte doch der Pater, der die Einleitpredigt im Dome hielt, ſie verkündigten dieſelben Lehren wie andere Prieſter, nur träten ſie da auf, wo das Chriſtenthum noch nicht ver⸗ breitet oder wieder erkaltet wäre. Der Satz iſt klar. Der Redner erniedrigte ſich nur in dem erſten Augenblicke, um ſich im andern ſelbſt zu erhöhen; denn wer vom gewöhnlichen Menſchen⸗ ſchlage wird das Erkalten in Glaubensſachen im Streben der Zeit ſuchen? Wird man die Erſcheinung nicht vielmehr den Geiſtlichen bei⸗ meſſen? die doch wahrhaftig für ihre Sache an allen Orten Eifer genug entwickeln!

Den Schein hat es übrigens gewonnen, als wären die neuen Prediger geeigneter, auf die Maſſen Einfluß auszuüben die Theilnahme behauptet das; aber man bedenke nur: So oft hier eine Feſtlichkeit auf kirchlichem Gebiete aus⸗ geſchrieben wurde, iſt das Volk nie theilnahmlos geblieben, ſelbſt bei Feſtivitäten, die ſich jährlich wiederholen, wozu die Dombaufeſte Belege liefern und die achttägige Andacht zur Zeit der Wall⸗ fahrten nach Kevelar. Wenn dann vom Morgen um 5 Uhr bis zum ſpäten Abende Tauſende zu⸗ ſammenſtrömen, um wieviel größer muß da der Zuſammenfluß des Volkes in einer Stadt ſein, wo der Boden für den Katholicismus klaſſiſcher iſt, als anderswo in Deutſchland wenn die Jeſuiten anlangen, von denen der Fromme Wunder und in denen der Sceptiker Ungethüme erwartet, in welchen Erwartungen man ſich aber getäuſcht fand. Die Theilnahme mußte daher ungewöhnlich ausfallen und das iſt ſie von An⸗ fang bis Ende. Wenn man auch gerade nicht b. der Behauptung berechtigt iſt, daß unſeren

rauen der Verſtand der Art entlief, wie denen in Münſter, daß der Braten verbrannte und in der Suppe das Salz fehlte. Erfolge ſind den Vorträgen nicht abzuſprechen, aber nicht ſolche, wie ſie die Rheiniſch⸗Weſtphäliſche Zig. berichtet, wo ſie ſagt:Es kommen auch zuweilen Ver⸗ zückungen vor, in denen die betreffenden Indi⸗ viduen, beſonders weiblichen Geſchlechts, ihre

J. B. Ronſſeau ſingt:

Die Kiſte des heiligen Gereon

Wird ſpröden alten Jungfern zum Lohn,

Die in der Jugend Maientagen

Sich nicht mit denHerren der Schöpfung vertragen, Stets vornehm gethan und ſo lange gewählt,

Bis ihnen endlich ein Freier gefehlt.

Da müſſen ſie denn zu ihrer Pein,

Am End' in die leidige Kiſte hinein.

Sehnſucht nach Vereinigung mit dem Herrn zum lauten Ausdruck bringen, eine Behauptung, die die deutſche Volkshalle nicht adoptirt, was ſichere Bürgſchaft für die Unwahrheit der ſchon an ſich barocken Nachricht leiſtet.

Alſo, an Erfolgen fehlt es nicht und das iſt natürlich. Da iſt erſtens der Johannes des Jeſuitenthums, der Vorläufer, d. i. der Ruf, der den Geſandten die Wege zubereitet. Ferner er⸗ ſcheinen in den Augen der Gläubigen die Send⸗ linge als Märtyrer, weil ſie faſt allenthalben durch die Preſſe verſchrien werden. Dann iſt es die Art und Weiſe ihrer Kanzelvorträge, die die⸗ jenigen gar leicht feſſelt, die mehr Herz als Kopf ihr eigen nennen, in welcher Rubrik das weibliche Geſchlecht ſtark iſt, die Reden zeichnen ſich durch eine ungewöhnliche Lebhaftigkeit aus, die ſo auffallend iſt, daß der Predigtſtuhl in fortwäh⸗ render Vibration bleibt, in der zweiten Predigt agirte ein Paier ſo fleißig, daß ihm ſein Kragen zweimal entfiel. Außerdem ſind die Reden, welche wahrſcheinlich im Kloſter eingeübt wurden und auf den vielen Kreuz⸗ und Querzügen der Miſſion ſtets wiederkehren, ſo abgerundet und geläufig geworden, daß ſie nur gewöhnliche Vorträge natürlich an oratoriſchem und religiöſem Schwung überragen müſſen. Was den Inhalt betrifft, ſo iſt derſelbe oft intereſſant, da derſelbe faſt aus⸗ ſchließlich aus dem gewöhnlichen Leben gegriffen iſt, ohne den Reiz der Neuheit einzubüßen. Originell war letzthin die Behandlung dieſes Satzes:Ein Philoſoph lachte, der andere weinte, und als Beide um das Motiv befragt wurden, erfolgte die Antwort, daß ihr Lachen, ihr Weinen den Thorheiten der Menſchen gelte. Daneben verdient aber auch ein komiſches Beiſpiel ange⸗ führt zu werden, in welchem der Prediger dit Gradation des menſchlichen Verluſtes durchging, wo er ſagte: Wer 1 Thaler verliert, hat nicht ſo viel verloren, wie der, der 100 verlor. Wer 100,000 verlor, büßte mehr ein, wie der zweite; wer aber ſeine Seligkeit vermißt, der verlor mehr, als alle Schätze der Erde zuſammen betragen.

Beſonders feindſelig ſind dieſe Geiſtlichen auf das Theater und den Roman zu ſprechen, beide werden als Pflanzſtätten des Laſters bezeichnet und wer nicht beichtet, muß brennen.

Was die Männerwelt anbelangt, ſo hat die⸗ ſelbe zwar auch fleißig den Dom beſucht, aber der Gemüthszuſtand, wie man an beſuchten Orten täglich vernehmen kann, iſt derſelbe geblieben, ſo daß die Pfarr⸗Geiſtlichkeit hier weniger zu be⸗ ſchwichtigen finden wird, wie bei dem ſchöneu, vorzüglich bei dem ältern Geſchlecht, deſſen Inne⸗ res durchweg erſchüttert wurde.

Wir haben ein großes Feſt hinter uns, das der Erhebung unſeres Erzbiſchofs zum Cardinale⸗ Am vorigen Samstage nahm daſſelbe ſeinen Anfang am Abende mit der Ankunft des Nuntius Viale Prela und ſeines Begleiters. Deutz, die Schiffbrücke und Köln waren illuminirt, die Glocken beider Städte brummten Willkommslieder und dazwiſchen zeigten die Böller am Rhein ihre Feuerzungen. An den beiden folgenden Tagen zog die Stadt ihr Feſtkleid an und am Diens⸗ tage wurde man ſchon in aller Frühe durch alle Glocken der Stadt geweckt und zum Dome ge⸗

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