Jahrgang 
2 (1850)
Seite
1491-1492
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einige Taſſen Pfeffermünzthee ein und ſiehe da, eine Stunde nachher verkündet freudiges Grunzen, daß die Kriſis vorüber, das befürchtete Unglück

abgewendet iſt. Verzeihung für dieſes kleine Im⸗

promptu, ich will auch nie wieder die ſchönen Leſerinnen mit ähnlichen Undelicateſſen beläſtigen. Sprechen wir von Berlioz, allerdings ein eigen⸗ thümliches Pendant. Dieſer Lärmmacher premier qualité hat uns dieſe Woche in einem Concert der philharmoniſchen Geſellſchaft mit einer neuen Compoſition erfreut, was ich für meinen Theil freilich nicht ſagen kann. Das Opus heißt Sara la haigneuse, auf deutſch: Sarah, die Badende, Ballade mit drei Chören, Worte von Herrn V. Hugo. Was ſoll ich Ihnen über dieſes Werk ſchreiben, es iſt nicht beſſer und nicht ſchlechter als ſeine früheren. Ich kann nun ein Mal dieſer Parforcejagd der Tonmaſſen, dieſem Chaos von Tönen, dieſem muſikaliſchen Thnrmbau von Babel nicht Geſchmack abfinden, und ich dankte Gott und der heiligen Cäcilia, als die erſten Töne von des großen Beethoven F⸗Simphonien ertönten und mich mit der edlen Muſica aus⸗ ſöhnten. Ich hörte auch die Forzzeline an dieſem

Abende, eine ſehr verdienſtvolle aber paſſirte Sängerin. Sie mag vor ſechs Jahren eine vol⸗

lendete Künſtlerin geweſen ſein, Mercadante und

Verdi haben ihren herrlichen Saprano ein frühes

Grab bereitet. Was mich als Deutſcher nament⸗ lich unendlich erfreute, war die meiſterhaft exe⸗ cutirte Quverture von Webers Freiſchütz, deren Produktion den ſtürmiſchſten Beifall des Audito⸗ riums herbeiführte. Es thut dem Deutſchen wohl, wenn inmitten fremdredenden Zungen dem deut⸗ ſchen Genius ſolche Huldigungen gebracht werden. Lumleh, der neue Direktor der italieniſchen Oper,

läßt noch immer nichts von ſich hören. Nur ſo

viel weiß man, daß Madame Sonntag engagirt iſt. Das théatre historique des Herrn Alex. Dumas iſt geſchloſſen, 83 Concursverlanger haben ſeine Pforten verrammelt. Zur Zeit, als der große Dramaturg noch die Cigarren des Herzogs von Montpenſier rauchte, hatte er bekanntlich die

Idee, ſeinem neuen Theater den Namen ſeines Gönners zu geben. Louis Phlilipp, der dies

erfuhr, widerſetzte ſich dem indeß entſchieden, ſa⸗ gend:ich will nicht, daß es über kurz oder lang heißt Montpenſier iſt bankerott. Der alte Kö⸗ nig war ein vortrefflicher Augur. Herr Dennerh iſt der unglückliche, der das geſunkene Inſtitut wieder en vogue bringen will. Möge die Laſt ihm ieicht ſein und die Börſe nicht allzu ſchnell leicht werden. Fräulein Rachel wird, wenn dieſe Zeilen gedruckt ſind, von ihrem Triumpfzug durch Deutſchland zurückgekehrt ſein. Man bereitet für ihr erſtes Auftreten eine glänzende Demonſtration vor. Papa Felix, bekanntlich ein ungeheuer praktiſcher Menſch, ſoll ſich darüber folgender⸗ maßen geäußert haben;Was thue ich mit Blu⸗ men, Kränzen und Gedichten, ſind mir doch 100 Francs zehn Mal lieber. Während der Abweſenheit der Tragödienne iſt ihr in Fräulein Brohan eine gefährliche Rivalin erſtanden, die in Scribes neuem Stücke ſeltene Triumpfe feiert. Sprechen wir jetzt vom Mond. Ja, ja, vom Mond. Haben Sie vielleicht auch bemerkt, daß ſeit dem 21. October das Licht des Tra⸗

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banten unſers Erdballs viel heller und ſchärfer iſt als ſeit Erſchaffung des Weltalls? Aber wiſſen Sie auch, wie dies zuſammenhängt? Hew

Michal, ein Sternkucker par excellence, ſagt es

uns, er hat auscalculirt, daß ſich der Mond der Erde immer mehr nähre und daß er am 191ten November 1860 mit ihr caramboliren wird. Da der gute Mond 49mal kleiner als unſer Erdball iſt, hoffe ich, wird dieſer Zuſammenſtoß keinen größern Eindruck auf uns machen, als wenn der Fürſt von Reuß⸗Greiz⸗Schleiz⸗Lobenſtein⸗Ebers⸗ dorf den König von Preußen den Krieg erklärte.

Nur ſchade, daß bet dieſer Berührung wahrſchein⸗

lich der Mondflöten geht, was für Verliebte, Dichter und Spitzbuben höchſt fatale Folgen ha⸗ ben dürfte. Doch ich muß ſchließen, zum Schluß leere ich noch in ſpartaniſchem Stil meine Neuig⸗ keitsbüchſe. Madame Viardot⸗Garcia iſt wieder angekommen, um die Fides für die nach Madrid gehende Alboni zu ſingen. Fräul. Anais tritt, nach 22jähriger Thätigkeit auf dem théatre fran⸗ gaise, von der Bühne zurück. Herr Altaroche

hat den Prozeß wegen Sands frangois le champi

gewonnen. Marianne macht im Ambigue un⸗ geheures Glück. Heinrich Berthaud hat mit ſeinem l'anneau de Salomon im theatre fran- gais eclatant reuſſirt. Man verſichert, daß Herr von Girardin allen Ernſtes demnächſt ſein Blatt

gratis vertheilen wird. Die Annoncen bringen

dem Blatte ſo viel ein, daß es eine Million Exemplare gratis vertheilen und dabei doch noch 150 200,000 Francs Renten abwerfen kann.

Breslau. Ende Oetober.

Breslau amüſirt ſich. Wahlſchlacht. Theater! Concerte. Vorleſungen. Gützlaff. Lichtfreunde.

»Lo France s'ennuie« ſagte jener berühmte Mann der Neuzeit, und fand in dieſer Thatſache den Schlüſſel zu den Stürmen, welche nicht lange darauf über Frankreich hereinbrachen. Unſer Breslau thut heute das Gegentheil,es amüſirt ſich, und weil dies der Fall iſt, ſo ſind wir zu der logiſchen Folgerung berechtigt, der politiſche Horizont, wenigſtens unſer Stückchen ſchleſiſcher, müſſe ſich mehr und mehr entwölken und uns den wohlthuenden Sonnenſchein friedlicher Tage bringen.

Ja, Breslau iſt ruhig und hat endlich Zeit, ſich zu vergnügen; doch glaube man ja nicht, dies ſei eine Folge politiſcher Apathie und ſpieß⸗ bürgerlicher Indifferenz, die ſich der guten Stadt bemächtigt habe. Oh nein; was das betrifft, ſo behaupten wir hier zu Lande auch heute noch den alten Ruf großer Rührigkeit, und haben davon erſt wieder neuerdings bei Gelegenheit der Ge⸗ meinde⸗Wahlen ein ſchlagendes Beiſpiel gegeben⸗ Getreu dem Wahlſpruch: Eintracht macht ſtark, hatten die ſchlauen Füchſe der Democratie eine Verſtändigung mit denEigentlichen zu Wege gebracht, um dadurch dem Popanz, Reaction ge⸗ nannt, entgegenzuwirken und ſich die Majoriät

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