Feuill eton.
Correſpondenz. Kleine Wiener Briefe.*) Ende Oetober.
Herr Corwell.— Quirin Endlich, der Juden⸗ freſſer.— Das Burgtheater.— Die Räuber. Die Preisluſtſpiele und die Preisrichter.— Kriegsgerüchte.
Herr Coywell, oder wie ihn Saphhr treffend bezeichnet, Lord Faxenwell, iſt heute Nachmittag im Volksgarten mit ſeinem Ballon Sylph auf⸗ geſtiegen. Auf dem Anſchlagzettel war 4 Uhr präciſe als die Auffahrtsſtunde bezeichnet, indeſſen iſt es gut 5 Uhr geworden, als ſich das taffetne Ungethüm ſehr langſam und gar nicht hoch erhob. Die bald hereinbrechende Dunkelheit entzog ihn der weitern Beobachtung. Die Maſſe von Zu⸗ ſchauern, die kein Entrée bezahlt und ſich ganz gut auf Baſtion, Glacis und den Strecken, die zwiſchen den Vorſtädten und dem Glacis liegen, poſtirt hatten, war unzählbar und murrte nicht wenig, daß Herr Faxenwell ſeine Abfahrt um eine ganze Stunde hinausgeſchoben hatte. Man ſah noch zwei Perſonen in der Gondel und be⸗ zeichnete einen hieſigen Kaffeeſieder und eine Elyſiumsnymphe als diejenigen, die Herrn Coy⸗ well Geſellſchait leiſteten. Wo ſie ſich nieder⸗ gelaſſen, kann ich Ihnen noch nicht melden, da, während ich dies ſchreibe, die Geſellſchaft in den Lüften wohl kaum noch ſichtbar und gerade über der Spitze des Rathhausthurms ſchwebt.— Den⸗ ken Sie ſich, welch ein entſetzliches Ereigniß ſich bei uns zugetragen hat: die Redacteure der „Reichszeitung“, Herr Dr. Landſteiner, und des „Oeſterr. Korreſpondenten“, Herr P. Deml, wel⸗ cher letztere doch nur eine nominelle Puppe iſt, die von andern Händen gezogen wird, ſind von der Militär⸗Central⸗Unterſuchungs⸗Commiſſion vorgeladen und ihrer gegen erlauchte Häupter gerichteten gehäſſigen Ausfälle wegen gerügt und ihre Blätter im Wiederholungsfalle mit Sus⸗ penſion bedroht worden. Die Sache hat, wie Sie ſich vorſtellen können, großes Aufſehn gemacht,
denn die genannten Blätter gehören thatſächlich
zu jenen, die an einem öffentlichen Orte zu leſen
man ſich geniren muß. Sollten dies praeambuls
ſein, um den übrigen ſich freier bewegenden den Kappbaum bei nächſter Gelegenheit anzulegen? Wir wollen ſehen und nichts Wahnſinniges er⸗ warten, denn Unvernunft und Druck von einer Seite hat Vernunft und Gegendruck von der än⸗
*) Von einem zweiten Correſpondenten.
hat ein Seitenſtück ins Leben gerufen. Der be⸗ rüchtigte Judenfreſſer: Quirin Endlich, hat„Be⸗ kenntniſſe eines Civiliſten“ geſchrieben, die mit den„Bekenntniſſen eines Soldaten“ Hand in Hand gehen und noch dümmer geſchrieben ſind
als dieſe. Siſt eine reine Geld⸗Spekulation,
der aberwitzige Autor verbreitete und ließ ver⸗ breiten, daß ſeine Schrift verboten worden ſei, um ein paar Groſchen einzulöſen; es iſt aber bei aller Gutmüthigkeit des Wiener Publikums zu bezweifeln, daß ihm dieſes ſo leicht aufſitzen und ſeinen Unſinn abkaufen werde.— Im Burg⸗ theater entwickelt Herr Laube eine Thätigkeit, die lobenswerth genannt werden müßte, wenn ſie nicht einſeitig wäre. Die Burgbühne iſt nicht da, damit das Publikum einen praktiſchen Curſus der deutſchen Literatur⸗Geſchichte über die„Ent⸗
wicklung des Drama“ höre. Das bleibe den
Räumen der Wiſſenſchaft vorbehalten. Das Burg⸗ theater führe uns Meiſterwerke älterer heimiſcher
und fremder Dichter und jene Leiſtungen neuerer
Poeten vor, die eine Berechtigung erworben haben, von tüchtigen Darſtellern unterſtützt zu werden, die einen vielverſprechenden Anlauf nehmen und noch nicht, wie man hier zu ſagen pflegt, abge⸗ wirthſchaftet haben. Wenn wir die Aufführung der Schiller'ſchen „Räuber“ für die Burgbühne auch ein Ereigniß nennen und uns Glück wünſchen müſſen, daß es Herrn Laube gelungen, bei der Intendanz den Geiſt der Aengſtlichkeit, der ſie vorher beſeelte, zu bannen, ſo bedauern wir doch, daß die Mühe nicht einer edlern Arbeit iſt zugewendet worden; denn wie wir dieſes Stück Schillers als ein Jugendwerk deſſelben auch würdigen, ſo iſt und bleibt es uns doch nichts mehr als ein Moment ſeiner Bildungsgeſchichte, das für den Literatur⸗ hiſtoriker bleibenden Werth hat, für uns als Theaterbeſucher ein unliebſames Werk bleibt.
Mit Ende dieſes geht der Termin für die ein⸗
zuſendenden Preisluſtſpiele aus. Nahe an 60 ſollen ſchon eingeſchickt und die Prüfungscom⸗ miſſion über die Lekture ſo vieler Erbärmlichkeit nahe dem Tode ſein. Nicht Eins ſoll bisher des Preiſes würdig ſein, und man ſpricht, daß alle Notabile der dramatiſchen Welt ihr Contin⸗ gent abgeliefert haben, ja ſelbſt Raupach ſoll nicht fehlen. Ein Schulmeiſter aus Deutſchland hat ſeinem Stücke die Biographie voradsgeſchickt; ein anderer ſoll in ſeinem Luſtſpiele eine voll⸗ ſtändige Collekte von Schimpf⸗ und Schandwör⸗ tern vorgebracht haben; ein dritter endlich ſchickte ſein Trauerſpiel mit dem Bedeuten ab, daß er
es bereits an 26 Bühnen geſendet und alle es dern zur Folge.— Die Schrift von Borboczy
abgelehnt haben; ſeine Satisfaktion für dieſe Arbeit, die vor 30 Jahren geſchrieben worden, beſtehe nur darin, daß dieſe Commiſſion noch dieſelbe leſe; er wiſſe ſehr wohl, es ſei ein Preis
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