Jahrgang 
2 (1850)
Seite
1483-1484
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1483

wird, dann wiill ich zurückkehren zu Euch, mit Euch zu kämpfen und zu ſterben!

Abermals entſtand eine Panſe; der Statt⸗ halter ſchien zu überlegen, was er ferner thun ſolle. Da nahm der Comthur Werner von Tettingen, der, ſeit die Elbinger ſich den Polen ergeben und ihn verjagt hatten, in der Burg focht, das Wort und ſprach:Was könnte es frommen, wollet Ihr mit Gewalt das Ordensgelübde von dem Jünglinge er⸗ zwingen. Laſſet ihn als einen freien Mann ſein Ritterwort löſen; alsdann mag auch die Kirche ihn frei geben. Wie er ſich ſtets be⸗ wieſen, wird er dem Orden treu bleiben und handeln zu deſſen Beſtem. Und läßt Jagello nicht ab von uns, ſo wollen wir kämpfend fallen auf den Mauern unſerer Burg.

Dieſer Meinung traten auch die andern Gebietiger bei. Seufzend ergab ſich der Statthalter darin; es wurde beſchloſſen, Barthel ſolle zu Jagello gehen, ohne vorher

das Ordensgelübde abzulegen.

xIM. Der Wing.

Auf die Nachricht von Witold's Abzuge war König Jagello von Stuhm, wo ſich wäh⸗ rend der Belagerung der Marienburg ſein Hoflager befand, in das Lager gekommen, mit ſeinen Heerführern Kriegsrath zu halten.

Auf einer Anhöhe am Nogatfluſſe war ein hohes Zelt errichtet, geſchmückt mit der polniſchen Königskrone und von den königlichen Leibtrabanten bewacht. Hier ſaß Jagello, angethan mit dem königlichen Schmuck, auf einem mit purpurfarbenem Sammet und mit goldenen Frangen gezierten Seſſel in der Mitte ſeiner Kriegsoberſten und Räthe.

Des Königs keineswegs einnehmendes Geſicht war finſter an den Boden geheftet; nur von Zeit zu Zeit warf er die kleinen, nach allen Richtungen blitzenden, Liſt und Tück⸗ verrathenden Augen flüchtig im Kreiſe der Seinigen umher, die ihn, ebenfalls finſter und mürriſch, umſtanden. Ein ſtarker rother Knebelbart beſchattete ſeinen Mund, die flache Stirn war in düſtere Falten gelegt.

Man erwartete die Ankunft eines Send⸗ boten aus der Marienburg, für welchen freies Geleit nachgeſucht worden. Jagello vermuthete nichts Anderes, als der Statthalter werde ſich zur Uebergabe der belagerten Burg erbieten. Er ſchmeichelte ſich mit dieſer Vorausſetzung um ſo lieber, da ihm die unangenehme Nach⸗ richt von dem Abzuge Witold's ſeine ferneren Erfolge ziemlich zweifelhaft gemacht.

Die Ankunft des Abgeſandten wurde ge⸗ meldet; auf ein Zeichen des Königs führten einige Trabanten Barthel herein.

Was habt Ihr mir zu melden, Ritter? hob Jagello an, nachdem er Barthel's ehr⸗ erbietige Verbeugung durch einen kurzen Gruß erwiedert hatte.

Meines Meiſters, des Statthalters vom deutſchen Orden, Herrn Heinrich von Plauens, ſowie der Ordensgebietiger gebührlichen Gruß an Königliche Gnaden zuvor. Des Ordens Haupt und ſeine Führer wollen durch mich die letzte Anfrage ergeben laſſen: ob König⸗ liche Gnaden nicht endlich, des langen Kampfes müde, gewillet wären, den öfters beſprochenen Frieden abzuſchließen, wie ſchon Großfürſ Witold ſich vom Kampfe zurückgezogen, damit der Kriegsnoth und des Blutvergießens ein Ende werde?

(Fortſetzung folgt.)

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