Jahrgang 
2 (1850)
Seite
1343-1344
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welche der Diener indeß entſchieden zurückwies, worauf ſie ihm eine Schlinge um den Hals warf und ihn erwürgte. Der Kampf, welcher dieſe Erdroſſelung begleitete, zog die Dienerſchaft her⸗ bei, und jetzt erſt verließ die Hausherrin das Badezimmer, den Sclaven für todt zurücklaſſend. Indeß kam derſelbe wieder für einige Augenblicke in's Leben, um den ganzen Gang der Sache den Umſtehenden mitzutheilen. Ganz Conſtantinopel kam in Aufruhr, und trotz des hohen Ranges, den der Gemahl der Dame einnimmt, ſchritt man zu deren Gefangennehmung, indem man zugleich un ihren Gatten in London einen Cour⸗ tier abſandte. Dis Gefangene behauplete indeß, daß ſie das Recht habe, ihren Lelbeigenen zu tödten, und beſteht auf ihre Freilaſſung. Die Intervention des Gatten, auf welche man, leicht begreiflich, höchſt geſpannt iſt, wird die Sache erſt zur Entſcheidung bringen.

Paris. Den 4. October. Theaterſchau.

Die dramatiſche Rührigkeit und der unleug⸗ bare Erfolg, der dieſelbe gekrönt, iſt ein ſicheres Zeichen, daß der Materialismus mehr und mehr wieder die Oberhand gewinnt und die öffentliche Meinung ſich allmählig der leidigen Politik ab⸗ wendet. Vergangenes Jahr um dieſe Zeit war die Situation beinahe aller Theater eine wahrhaft beklagenswerthe, heute machen ſie durchſchnittlich alle brillante Geſchäfte. Die Börſe und die Theater ſind die beiden Thermometer, nach denen man in Frankreich die Lage beurtheilen kann, und Louis Napoleon kgnn, nach dieſem zu ur⸗ theilen, ſtolz auf ſeine Regierungspolitir und auf die dadurch erzielten Reſultate ſein. Doch laſſen Sie mich das Eingangs Geſagte beweiſen. Ich ſchrieb Ihnen ſchon in einem meiner frühern Briefe, daß die Alboni als Fides Furore gemacht; die Vorführung der Odette in Halevys Karl VI., welche Oper die große Oper wieder in Sceene ſetzte, hat dieſen Enthuſiasmus noch geſteigert und läßt es uns um ſo mehr bedauern, daß dieſe ſeltene Geſangsvirtuoſin uns bald verläßt, um ihr Engagement in Madrid anzutreten. Ent⸗ ſinnen Sie ſich noch des Halloh, welches unſere

Rothen machten, als Herr Roqueplan in der Auf⸗

ſchrift der großen Oper zwiſchen academie und de musique einen leeren Raum gelaſſen; heute iſt derſelbe mit nationale für das ehemalige

royale ausgefüllt worden, und Freude herrſcht

jetzt in Iſrael, als ſei dadurch die Republik be⸗ ſeſtigt worden. Doch zurück zu unſerer Theater⸗ woche. Die opera comique, nachdem ſie mit Gretrys l'amant jaloux, neu inſtrumentirt von Ballon, viel Glück gemacht, ſcheint mit der neu einſtudirten Seribe⸗Halevh'ſchen Oper la dame

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de pique einen gleich guten Griff gethan zu haben. Madame Ugalde iſt der Mittelpunkt dieſes Theaters. Im ihéatre frangais iſt Seribe und Legouvés un mariage sous la regence noch immer Caſſenſtück; an demſelben Theater erwartet man am 20. October ein neues Stück von Seribe, contes de la reine de Navarre, in dem Frl. Broham die Hauptrolle ſpielt und das nach dem Ausſpruch competenter Perſonen ſicherlich Auf⸗ ſehen machen wird. Laſſen wir jetzt ſchnell die andern Theater die Revue paſſiren. Im thsatre historique hat man unter dem Namen Capitain Lajonqutére das alte Stück une fille du regent wieder aufgewärmt. Frl. Perſon, der Himmel weiß warum, hat wieder die erſten Rollen be⸗ kommen. Das Repertoir des vaudeville beſteht aut drei kleinen Blnetten, von denen le mari à la compagne die beſte genannt werden muß. Im Varielés findet reichen Beifall le jour et la nuit, während le ruisin malade mit Pauken und Trompeten durchfiel, ein Fiasca, den die Plati⸗ tude verdiente. Das Theater Montanſier beutet noch immer mit glänzendem Erfolg la Rlle bien gardèe aus; ein kleineres Stück Quand onzattend belle verdient kaum einer Erwähnung. Im Gaité iſt Madame von Laverriéres an der Tages⸗ ordnung, im Ambigu macht Madame Guhon in dem Drama Marianne volle Häuſer und im port Saint Martin ſcheint Gozlans pied de fer gleichen Succes haben zu wollen. Das Odeon, jetzt unter Direction des Herrn Altaroche, macht mit Emile Souveſtres thränenreichen péchés de jeunesse und im Eircus macht le sac à malices Glück. Die Theater dritter Klaſſe erlaſſen Sie mir wohl, aufzuzählen; es ſei nur noch geſagt, daß in Paris während des Monats Seplember eine Komedie, ein Feenſtück, 5 Dramen und 18 Vaudevilles, im Ganzen 25 Novitäten von 41 Autoren zur Aufführung kamen. Alle dieſe Theater, die ich Ihnen aufzählte, haben, mit Ausnghme des theätre historique, gute Geſchäfte gemacht, ja l'opera, l'opera comique und Mon- iansier konnten mehr als einmal nicht alle die, welche den Eintritt begehrten, aufnehmen. Finis coronat opus. Laſſen Sie mich jetzt noch von der italieniſchen Oper ſprechen, die durch ein Decert des Miniſters des Innern dem Herrn Lumleh zugeſprochen iſt, nachdem Herr Ronconi ſich gezwungen ſah, ſeine Zahlungen einzuſtellen und ſich ein Deficit von 55,000 Franes ergeben bat. Herr Lumleh wird die beiden italieniſchen Dpern zu London und Paris vereinen, eine Ver⸗ einigung, die Severini trotz ſeiner Rührigkeit vergeblich erſtrebte und die Aguado trotz ſeiner Millionen nicht verwirklichen konnte. Ronconi hat Frankreich bereits verlaſſen. Was Lumleh uns bietet, kann ich Ihnen noch nicht mittheilen, doch läßt ſich von dem berühmlen Impreſſario nur das Beſte erwarten.

An die Herren Mitarbeiter der Jahreszeiten!

Ich bitte dringend, alle für mich oder die Rede

aktion beſtimmten Briefe und ſonſtigen Zuſendungen einfach g*

S F. Vogel in Hamburg zu adreſſiren. Beſonders bitte ich, keine Briefe an die Redaktion der Jahreszeiten zu richten,

de mir ſolche, wie geſchehen, leicht nicht zukommen könnten. Hamburg, September 1850.

C. F. Vogel.

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