1339
wärtigt, durch die ſie begleitende prachtvolle Sce⸗ nerie und effektreiche Orcheſtrik, als durch die naturgemäße Macht des Geſanges, in welchem Melodie und Harmonie auf's Innigſte ſich ver⸗ ſchmelzen, um die entzückte Seele des Hörers über die Schranken des Irdiſchen hinweg in das ewige unſichtbare Reich des Idealen zu tragen. Halevy's Muſik, dieſer künſtlichen Effecte ent⸗ kleidet und blos als Streichquartett ausgeführt, würde dieſe Wahrheit unwiderleglich darthun. Nichts deſto weniger, wenn wir auch hierin mit dem Geſchmack der Neuzeit nicht übereinſtimmen, wollen wir doch die tüchtige, ja theilweiſe glän⸗ zende Ausführung der Oper, wie ſie einmal iſt, der Wahrheit gemäß berichten. Der Hauptantheil gebührt diesmal Frl. Kathinka Heinefetter, welche den Part der Recha mit wahrer Virtuoſität einer dramatiſchen Sängerin durchführte; wir ſtellen dieſe Rolle noch über ihre Valentine. Ihr zu⸗ nächſt traten die Herren Lehmann als Eleazar und Weixelstorfer als Leopold in erſte Reihe. Für erſtern war es eine ſchwere Aufgabe, ſich in Wurda's bekannter Glanzrolle Geltung und Bei⸗ fall zu verſchaffen; doch gelang es ihm im Ver⸗ lauf der Oper immer mehr und im vierten Act vollkommen. Herr W. gab der kleinen Rolle, die er für Herr Kaps wegen deſſen Heiſerkeit übernahm, durch dramatiſchen Vortrag Werth und Gehalt. Den Fremden ſchloſſen ſich die Ein⸗ heimiſchen würdig an. Frl. Sulzer als Prin⸗ zeſſin, ſowie Herr Lindemann als Cardinal, ver⸗ vollſtändigten das Enſemble einer ſehr guten Beſetzung auch dieſer Oper. Wenn troßdem manche Einzelheiten, namentlich der erſte Aet, den wir nicht hören konnten, hie und da zu wünſchen gelaſſen haben ſollten, ſo wird dies bei weiteren Wiedetholungen gewiß verbeſſert werden, da wir die Aufführungen dieſer Oper wie des „Freiſchütz“ in gegenwärtiger Beſetzung nur als eine erſte zu betrachten haben, bei der noch nicht Alles ſo vollkommen gehen kann.— Im Thaliatheater ſahen wir am Mittwochen„Junker und Knecht“ in ſeiner ſechsten Wiederholung und fanden das Haus nur ſehr mäßig beſetzt. Nach den öffent⸗ lichen Lobpreiſungen und Aufforderungen, die uns zum Hingehen bewogen hatten, waren wir darüber anfangs verwundert, hörten es aber auf zu ſein, als wir das Stück geſehen hatten. Wir hätten von dem Verfaſſer von„Stadt und Land“, wie Kaiſer auf dem Zettel angeführt wird, wahr⸗ lich etwas Beſſeres erwartet. Nicht einmal der Titel iſt gerechtſertigt, da Michel, beſonders in Beziehung auf die neuen Zeitverhältniſſe, von denen das Stück ausgeht, kein Knecht iſt; am wenigſten verdient das Stück den Namen Cha⸗ racterbild, da durchaus nirgend ein Character wahrzunehmen iſt. Wie gewöhnlich in den Wiener
Stücken, geht anſcheinend Ernſt und Scherz ein⸗
ander zur Seite, aber der Zuſchauer wird durch die ernſte Seite des Stückes nur myhſtificirt und ärgert ſich zum Schluſſe, daß er ſich ſo lange hat ſpannen, vielleicht gar rühren laſſen. Ungleich beſſer ſind die komiſchen Partien, namentlich die deb Herrn Wilke, der auch den grämlichſten Hy⸗ pochonder wohl zum Lachen bringen wird. Von dieſer Seite allen können auch wir es empfehlen. Was das Publikum wohl zuerſt angeſprochen hat,
1340
ſind wahrſcheinlich einige ſchlagende Zeitpointen; dieſe aber machen noch kein Stück zu einem dra⸗ matiſchen, am wenigſten ſind ſie im Stande, es für die Dauer genießbar und verdaulich zu machen.
Felicien Pavid, der Componiſt der Wüſte, wird zu London eine von ihm componirte Symphonie „Das befreite Jeruſalem“ zur Aufführung bringen. Ebendaſelbſt erwartet man auch Spohr und Marſchner, welche beide neue Compoſitionen auf⸗ zuführen gedenken. Auch Balfe hat eine neue Oper„Pizarro“ vollendet, die in London zuerſt in Scene gehen wird.
Die Taglioni und die Paſta bewohnen am Comerſee zwei an einander ſtoßende Villen. Zwiſchen erſterer und der beau-monde von Mai⸗ land beſteht eine ziemlich ſtarke Kälte, wenn nicht Feindſeligkeit, welche ihren Grund darin hat, daß die Taglioni kurz nach Wiederherſtellung der öſterreichiſchen Autoritäten in Mailand in einer Loge des öſterreichiſchen Generals erſchien, auch ſonſt vielfach mit öſterreichiſchen Notabili⸗ täten verkehrt. Deshalb bringt ſie auch regel⸗ mäßig ihre Winter in Wien zu. Die Paſta hat ſich noch immer nicht von dem Fiasco erholt, welches ihr Wiederauftreten in London begleitete, zu welchem ſie beſonders durch die glänzenden Triumphe der Sonntag bewogen wurde. Obgleich ſie dieſem entſchiedenen Inſucces einzig ihrer ganz ruinirten Stimme verdankt, ſchwört ſie doch hoch und theuer, daß nur die Kabale der Sonn⸗ tag und die überſpannten Verehrer der Lind ihren Fiasco bereitet und ſchimpft weidlich auf die Söhne John Bulls. So erzählt ein Cor⸗ reſpondent der literary gazette, welcher beide Kunſtgrößen jüngſt beſuchte.
Lißt und Thalberg werden für dieſen Winter in Paris erwartet, beide beabſichtigen Concerte zu geben.
Paris. Meherbeer iſt in Paris angekommen, um, wie man verſichert, in Verhandlungen zur Aufführung eines neuen Werkes mit der großen Oper zu treten. Das neue Werk, welches Meyer⸗ beer der großen Oper angeboten hat, iſt eine Dper in 4 Acten, die„Afrikanerin“ genannt. Man verſichert, daß die Direction der Oper mit Herrn Mario in Unterhandlungen getreten iſt, 3 die Hauptrolle in dieſem Stücke zu über⸗ nehmen.
Miscellen.
Lola Montez iſt wieder in Paris! Sie hat die Eroberung des Geſandten von Nepaul machen wollen, um denſelben zu beſtimmen, ſie mit nach Indien zu nehmen. Doch ſoll ſie ihren Zweck nicht ganz erreicht haben.
Zwei Republikaner du lendemain. Um zu zeigen, welche Chameleons gewiſſe Menſchen ſind
und wie ſie ſich zu metamorphoſiren wiſſen, wollen wir unſern Leſern ein Pröbchen geben. Lamar⸗
1311
ine,„d Hlgo,
Pelköſol de Gra
Frank Uuflol dS Doß
D Li
„Grbl Der Vuhi Gen Der Vilk Winſt Pris Daß d2 Die
Des
Ei goſtho Alles ſtrach Erpolh licher nomm ublict ſhuſe bwel willig
3 Stän Stan ur1 146


