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Feuilleton.
Eorreſpondenz.
Wiener Briefe. Ende Auguſt.
I. (Schluß.)
Zeitſchriften.— Halm's Gedichte— Dicks Evan⸗ gelium.— Reiſer und Reiſig.— Irrgarten der Liebe.— Pia desiderin Nicolaus Lenau.
Nunkkomme ich zur Rubrik“„Tagesliteratur“, „Periodiſche Preſſe“. Mit Libellen ſind wir Gottlob! ſo ziemlich verſchont. Die reichſten Beiträge liefern die in Deutſchtand weilenden, flüchtigen Oeſterreicher, von deren Weisheit wir aber bisher nichts, höchſtens einige blutrothe Phraſen, profitirt haben. Das, was die Reſidenz ſelbſt bringt, iſt nicht einer Rede oder Nachrede werth. Mehr und Beſſeres läßt ſich von unſerer Journaliſtik ſagen. Ich ſtelle die großen poli⸗ tiſchen Blätter, wie ſie es verdienen, ins Vorder⸗ treffen, und da den„Lloyd“ allen voran. Der „Lloyd“, den der frühere amerikaniſche Conſul für Trieſt, Warrens, redigirt und adminiſtrirt, iſt das beſte, geleſenſte und mit echtem Geſchick geleitete Blatt. Es führt wohl manchmal eine etwas derbe Sprache, aber immer nur in Fällen, wenn ſie an der Zeit iſt. Die„Bank“, deren Treiben allgemeine Erbitterung erweckt, hat an ihm ihren Todfeind gefunden, und in jüngſter Zeit erſt brachte er ihr einige Hiebe bei, die ſie miteiner glattgedrechſelten, Patriotismus röchelnden und von leeren Tiraden überfließenden, ſich gern in einen Anlauf von Drohungen verlierenden Entgegnung zu pariren glaubte, dadurch aber eine Antwort des„Llohd“ ins Leben rief, von deren Wirkungen auf dieſes ſich aufopfernde Inſtitut— welche Aufopferung aber Freund„Lloyd“ analhſirt hat— wir noch keine Kunde haben. In der Schleswig⸗Holſteiniſchen Frage führte„Llohd“ eine ſchöne, herrliche, kräftige Sprache und mit ihr den Beweis dafür, wie er auch immer die Re⸗ gierung und das Cabinet ſtütze, doch ſeine Unab⸗ hängigkeit zu wahren wiſſe. Die„Oſideutſche“ kommt mit ihrer oppoſitionellen Gelehrſamkeit eben ſo ſchlecht an, wie die„Reichszeitung“ mit ihrer conſervativen. Beide Blätter ſind ernſtlich langweilig und nur dann intereſſant, wenn ſie ſich in die Haare gerathen, was in jüngſter Zeit öfter vorgekommen. So wenig die„Oſtdeutſche“ auch bezüglich ihres politiſchen Inhalts mundet, ſo ſehr gefüllt ſie durch ihr friſches, dem fran⸗ öſiſchen nachgebildetes, mitunter höchſt pikantes während ſich die Langweiligkeit des politiſchen Theils und des Feuilletons in der
„Reichszeitung“ wechſelſeitig zu überbieten ver⸗ ſuchen. Der„Wanderer“, entſchiedenes Oppo⸗ ſitionsblatt, erſcheint uns in jüngſter Zeit wieder gut redigirt, noch immer ſind feine Correſpon⸗ denzen aus den Provinzen intereſſant, bringen das Wichtige ſehr ſchnell, und auch im Feuilleion findet ſich nicht ſelten ein Goldkorn. Die übrigen politiſchen Blättchen, als„Nationalzeitſchrift“ und „Schnellpoſt“ ſind arme Schuljungen, die bei der Demoeratie Blaſebalgtreter-Dienſte verrichten, um nicht geradezu zu verhungern. Was die Volksblätter anbelangt, ſo verdient nur der un⸗ abhängig daſtehende„Volksbote“ von Schrittnießer eine rühmliche Erwähnung. Loyal, lehrreich, unterhaltend, bringt er alle Neuigkeiten, gute Späße, nette Erzählungen, faßliche politiſche Aufſätze, geht immer mit der Zeit vorwärts und erfreut ſich auch einer mit jedem Tage wachſenden, ſehr großen und verdienten Theilnahme. Von eigentlichen Unterhaltungsblättern nenne ich Ihnen die„Theater⸗Zeitung“, welche noch immer ſehr gute Novellen, eine Fülle der intereſſanteſten Notizen aus aller Welt, kleine Bluetten, wie ſie dem Feinſchmecker munden, und ein treffliches Opernreferat enthält. Die Kritiker über das Burgtheater tragen in jüngſter Zeit und ſeit der Zeit als Mehnert ausgeſchieden, den Stempel der Arroganz und athmen in jeder Zeile perſönliche Gereiztheit, auf Koſten der Gerechtigkeit. Wir haben uns oben über Laube und ſeine Leitnng gewiß nicht zu ſeinem Gunſten ausgeſprochen, alles aber, was mehr und heftiger, ja nur rein perſönlich lautet, gehört nicht vor das Forum des Publikums. Der„Humoriſt“ iſt nur an jenen Tagen zu leſen, an welchen Saphir ſeine unver⸗ wüſtliche Laune ſpielen läßt, das Zeug, das die Herren J. W. und M. D. zuſammenſchreiben, iſt rein ungenießbar und kann man nur als Schreibſünden am Publikum, das dies leſen, und am Setzer, der dies ſetzen muß, bezeichnen. Blätter wie die Rouſſeau'ſche„Friedenszeltung“ zu beſprechen, hieße ſich lächerlich machen, und in dieſen Fehler ſoll ein Correſpondent bei ſeinem erſten Debut doch wohl nicht verfallen.
Nun noch einige Worte über unſere Schön⸗ geiſter und die Gaben, die ſie uns in jüngſter Zeit gebracht haben.„Halm“ hat ſeine ge⸗ ſammelten Dichtungen bei Cotta erſcheinen laſſen, und iſt dieſe Uebernahme des Verlags von Seiten Cottas mehr ein Omaggio, dargebracht dem Ver⸗ faſſer der Griſeldis, in Anbetracht deſſen, daß die hohen Verbindnngen des Dichters auch die Auflage nicht gerade zu Krebſen machen werden; denn der Inhalt dieſer Gedichtſammlung enthält doch weiter nichts als Gedichte, wie wir ſie von Leuten, die ein bischen Gefühl und etwas die Sprache in ihrer Macht haben, gar oft zu leſen bekommen. Ueberraſchend Schönes, Schwung⸗
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