Jahrgang 
2 (1850)
Seite
879-880
Einzelbild herunterladen

879

Sieb, Cheliden mit gold'ner Kron' Prangt rings an allen Wegen, Und Ehrenpreis mit blauem Kreis Nickt duftend uns entgegen.

Die Erika blüht ſern und nah', Im Wald und auf der Haide, Leontodon ſteht ſchwimmend ſchon In Flocken lichter Seide.

*

Mir wird ſo weh, mir wird ſo bang, Ich kann nicht länger ruhen,

Und greife, zu entfliehn dem Zwang, Nach meinen Wanderſchuhen.

So ziehe ich hinaus zur Stadt, Wo Blum' und Blütben winken, Des trägen Friedens bin ich ſatt, Muß Berg⸗ und Waldluft trinken.

Es grüßen mich die Sänger laut Von duftdurchwirkten Zweigen; Wie ſich die Blüthen mild und traut Zu mir hernieder neigen!

An meiner Seite ſchwatzt der Bach, Er rinnt ſo klar und helle,

Sei mir gegrüßt, ich folge nach, Du plaudernder Geſelle.

Nun laß uns wandern wohlgemuth Durch Weiler und durch Wieſen, Und jedes junge, friſche Blut

Sei laut von uns geprieſen.

Und Roſen bie, ich breche ſie, Die Stirne mir zu ſchmücken,

Den ſchönſten Kranz, voll Duft und Glanz⸗

Will ich auf's Haupt Dir drücken. Wie bin ich heut' ſo hocherfreut, Der Lenz ſitzt ſtolz zu Throne Und reichet lind dem Menſchenkind Der Liebe Blüthenkrone.

Wir halten nicht im Dorfe an, Mein wack'rer Freund, ich denke, Wir lagern uns im grünen Tann Und fliehen Krug und Schenke.

Du wirſt mir einen friſchen Trunk Aus Deinem Becher geben, Und wieder wird Begeiſterung Den müden Körper heben.

Wir ruhen dann im weichen Gras Und unter Waldesbäumen,

Und in dem kühlen Schatten laß Uns wonneſelig träumen.

Dann wird ihr wunderholdes Bild Sich liebend zu mir neigen, Und flüſtern wird ſie ſüß und mild In blüthenreichen Zweigen.

Ich ſpräng' empor, im grünen Tann Die Holde zu umſangen, Doch ſie iſt leichten Schrittes dann

Schon wieder ſortgegangen.

Ich hinterdrein, ſo geht es ſort

Von einer Flur zur andern,

Mein ſüßes Lieb, mein Herz, mein Hort, Wie lang' noch ſoll ich wandern?

Pi