Jahrgang 
1 (1850)
Seite
769-770
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in auch Juden nche lächtnich

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war an einem Septemberabend 1454 zu Breslau, als der greiſe Rabbi Jacob Ben Aaron von ſeinem Gebetſtuhle ſich erhob und die heilige Schrift, Thora genannt, nachdem er ſie geküßt, mit den ſilbernen Spangen verſchloß. Ueber die ge⸗ wöhnliche Mannsgröße erhaben, ſtand der Greis da; ſilbernes Haupthaar zierte nur noch in wenigen Locken den mit einem ſchwarzen Käppchen bedeckten Scheitel und floß in den langen Bart hinab, deſſen Ende beinahe den Gürtel des ſchwarzen Talares berührte, wo⸗ mit der magere, aber kräftige Körper umhüllt war. Jugendliches Feuer ſlammte aus den großen Augen, welche ſtolz umher blickten und von dem Eifer zeugten, mit dem ſein ſtrenger Glaube ihn erfüllte, während trüber Ernſt auf der hohen gefurchten Stirn und in den von Gram und Alter gebleichten Zügen lag. Aermlich, doch ſauber war das Innere des

niedern Zimmers, das im vierten Stocke des entfernteſten Theiles der Judenſtraße gelegen var, wohin der fanatiſche Haß und die blutigen Verfolgungen des Minorittenmönchs Johannes von Kapiſtrano die Bekenner des alten Teſtaments verbannte.

In einem dunkeln Winkel ſaß Judith, bie, ganz dem orientaliſchen Charakter ihrer Ration gemäß ſich tragend, die rabenſchwarzen kocken ſorgſam hinten am blendend weißen Racken zuſammengebunden und nach den Forderungen ihrer Religion, welche das jung⸗

ſräuliche Haupt nicht zu behecken erlaubt, das Jahreszeiten I. MNro. 25. Den 19. Juni.)

Die Verfolgten. Eine hiſtoriſche Movelle von M. Voſenheyn.

Des Mabbi Wöchterlein.

Scheitelhaar vorn über die Stirn gerollt hatte. Sorgſam und mit liebender Theil⸗ nahme hatte ſie bisher während der ſchweig ſamen Stille die dunkelſchwarzen Augen auf den geliebten Vater gerichtet und verſtohlen einzelne Thränen unterdrückt, welche durch die ſeidenen Wimper auf das geſtrickte Gewebe niederthaueten, womit ihre kunſtförmigen Finger eben beſchäftigt waren. Zur Seite legte ſie jetzt ihre Arbeit und ſchritt nachdenkend auf den Vater zu, deſſen tiefer Ernſt plötzlich einer wehmüthigen Rührung wich, als er die Tochter erblickte:

„Geduld, Du frommes Kind meiner guten Rachel,“ begann der Alte.„Geduld allein kann Dich in dieſen Zeiten der Verſtoßung der Gerechten aufrecht erhalten. Darum hoffe auf die Verheißung: denn der Herr wird Etliche übrig laſſen vor dem Schwerte und der Peſtilenz!“

„Baruch atta!“*) lispelte ſie unter Thränen, über des Vaters Hand gebeugt, deſſen Stimme die Vaterſorge mächtiger ausſprach, als er ſelbſt es wollte.

„Wohl biſt Du, geliebtes Kind, freundlich wie die Sonne, wenn ſie in das Thal Hebron ſchaut,“ fuhr er fort,„wohl biſt Du reizend, wie die Tochter Zion, und doch ſoll das Ver⸗ derben kommen und die Kinder des Volkes Gottes ſollen fallen vor der Schärfe ſeines Schwertes und ihre Töchter den falſchen Göttern dienen.“

*) Segen Dir! 49