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Hfficler will eine Geſchichte des ſpaniſchen Feld⸗ zuges in Italien ſchreiben. Heldenthaten wird derſelbe eben nicht zu berichten haben.— Guizot ſchreibt an einer Geſchichte Rußlands.
Theater und Muſik.
Hamburg. Pereinigte Theater. Die Oper hat jetzt faſt ausſchließend die Herrſchaft auf dem Stadttheater übernommen und dürfte ſie eine Zeit lang behgupten. In vergangener Woche war,
mit Ausnahme des Donnerstags, an jedem Abende
Opernvorſtellung. Freilich iſt es nicht eigener Reichthum, ſondern fremder, von welchem wir zehren; es iſt die Fülle von Geſangstalenten, die in dieſem Augenblicke hier vereinigt ſind und dieſe Erſcheinung veranlaſſen; viele andere ſtehen der Erwartung noch in naher Ausſicht; doch der Genießende fragt nicht, woher es ſtamme, was ihn erfreut und entzückt, noch wohin es führe, d. h. wie es nachher ſein werde, wenn der fremde Reichthum, ſich Flügel machend, davon geflogen ſein und uns in Armuth zurück gelaſſen haben wird, ſondern er gehört dankbar nur der Gegen⸗ wart, unbekümmert um die Zukunft, die er den gütig waltenden Göttern anheim ſtelll. Doch da ſelbſt des Guten zu viel werden und den Genuß ſchwächen kann, ſo haben wir eine weiſe Mäßig⸗ keit uns zur Pflicht gemacht und wollen von dem Guten das Beſte nur genießen, ſo auch des Beſten nur gedenken.— Am Mittwochen hatte der treff⸗ liche Tenoriſt Ander ſeine Abſchied⸗ und Benefiz⸗ vorſtellung und dazu ein quodlibetartiges Programm gewählt. Wir ſind von vorn herein gegen ſolche Bruchſtück⸗Vorſtellungen, ſind es um ſo mehr bei einem Künſtler von der Bedeutung, wie wir ſie Herrn A. gern zuerkennen mögtenz indeß kann es vielleicht weniger des Gaſtes Schuld ſein, mehr der jetzigen Verhältniſſe, die dem Einſtu⸗ diren einer ganzen Oper ſich entgegen ſtellten. Aber auch die Bruchſtücke bildeten nur Wieder⸗ holungen von Theilen aus früher Geſehenem: der zweite Act von„Tell“, die Schlußſcene aus „Lucia“. Neu fottre ſein der vierte Act der„Hu⸗ genotten“ und Lieder. Warum nicht die ganze Dper„Hugenotten“? fragten wir kopfſchüttelnd im Hingehen, mußten indeß beim Eintritt bald auch auf den Theil verzichten, da das Programm eine plötzliche Abänderung erlitten: der dritte Act von „Martha“ und die Ouverture zu„Nabucodonoſor“, der wir ſo gern aus dem Wege gehen, hatten uns für unſere treue Hingebung nicht auf das Ange⸗ nehmſte überraſcht und belohnt. Da auch noch zwei allzu oft geſehene Tanzpiecen als Zwiſchen⸗ gerichte ſich geſellten, ſo blieben nur die Lieder einer beſondern Beachtung übrig. Daß Herr Ander Alles, was er ſang, auch die Lieder, ſehr gut vortrug, bedarf keiner beſondern Erwähnung; indeß zeigte er ſich im Liedervortrag weniger aus⸗ gezeichnet, als Piſchek, der neben der Lind wohl den erſten Rang behauptet. Die Compoſitionen der Lieder waren von Schubert, Hölzl und Eſſer. Das Publicum hatte Herrn Ander ſeine Aner⸗ kennung durch einen zahlreichen Beſuch, ſowie durch enthuſiaſtiſchen Beifall und Hervorruf nach
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jedem Acte zu erkennen gegeben, und von nicht weni⸗ gen Stimmen ward auch„Hier bleiben!“ gerufen, ein Ruf, der uns aus der Seele geſprochen war. Am Freitage eröffnete die italieniſche Opernge⸗ ſellſchaft vom Königſtädter Theater zu Berlin die Reihe ihrer Gaſidarſtellungen mitRoſſini's„Othello“ und damit die Ausſicht auf eine Reihe ſeltener, herrlicher Genüſſe. Es bleibt doch ewig wahr, italieniſche Opern können nur von Italienern geſungen werden, und die mittelmäßigſte italie⸗ niſche Operngeſellſchaft wird, was den Habitus und hiermit auch den Eindruck des Ganzen be⸗ trifft, über die beſten deutſchen Sänger den Sieg davon tragen. Dreierlei iſt es beſonders, was ihnen dieſes Uebergewicht verſchafft. Zuerſt das Enſemble, welches in der That ein Ganzes bildet, in welchem auch kleine, untergeordnete Partieen, wie diesmal der Doge und die Emilia, genügend repräſentirt ſind; ſolche Partieen verſchmähen unſere deutſchen Talente meiſtentheils, und talent⸗ loſe können nicht nur Großes, ſondern ganz gewiß auch Kleines nicht vollführen. Zweitens die gute Schule, die herrliche Geſangsbildung, die aller⸗ dings bei dem und jenem Mitgliede in ausge⸗ zeichneter Vollendung zu rühmen iſt, bei keinem aber gänzlich vermißt wird. Man ſieht und hört es, daß der ihnen Geſang Sprache iſt, was er ja in der Oper ſein ſoll. Schon das Oeffnen des Mundes, aus welchem die höchſten Töne frei entſteigen und die ſchwierigſten Paſſagen hervorſprudeln, ohne daß irgend eine Anſtrengung, viel weniger Verzerrung der Geſichtsmuskeln wahrzunehmen iſt, kann als ein charakteriſtiſches Merkmal der Leichtigkeit und Fertigkeit dienen, welche nur durch die beſte Unterrichtsmethode und durch die fleißigſte Uebung erworben worden ſind. Drittens ſind Alle Sänger und Schauſpieler zugleich,
Geſang und Spiel ergänzen einander, fallen in
Eins zuſammen; auch wenn der Geſang ruht, ſetzt das Spiel ſich fort, und immer mit Rückſicht auf den Mitſpielenden, niemals auf Koſten des⸗ ſelben; und ſo auch im Geſange, wie ein heutiges Beiſpiel zeigte, wo Signor Mazzoletti zuweilen zu hoch war und die Anderen ihm willig folgten. In allen drei Beziehungen könnten unſere ſonſt vielfach ehrenwerthen Geſangstalente noch viel von den fremden lernen und werden hoffentlich die günſtige Gelegenheit dazu nicht verſäumen wollen. Die erſte Vorſtellung, die wohl noch lange nicht alle Kräfte umfaßte, zeigte übrigens, daß dieſe Geſellſchaft keineswegs mittelmäßig iſt, ſondern daß ſie vorzügliche Glieder zählt, ſei es der Stimme nach, ſei es, was Schule und Aus⸗ bildung betrifft. Unter den Damen nennen wir Signora Fiorentini und Dogliotti, unter den Männern Signori Gardini, Labocetta, Guicci⸗ ardi und Bianchi de Mazzoletti. Näheres über jedes einzelne Mitglied behalten wir uns für künftige Vorſtellungen vor, da uns eine ſo ober⸗ flächliche Bekanntſchaft noch zu einem ſolchen Urtheil nicht berechtigt. Das Ganze war, be⸗ ſonders aber die beiden erſten Aecte, durchweg eine ausgezeichnete Leiſtung, an der auch dem Diri⸗ genten der Geſellſchaft, ſowie unſerm wackern Orcheſter und dem ttalieniſch fingenden Chor ein ehrenvoller Antheil gebührt. Die Tempi waren andere und, wie uns dünkt, geeignetere, als wir
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