Jahrgang 
1 (1850)
Seite
523-524
Einzelbild herunterladen
  

523 SH 52⁴

ob denn bas vergoſſene Blut ſo rein ge⸗ weſen, daß es ſo vieles Aufhebens darüber bedürfe, ſondern ſelbſt Mirabeau dieſe Gräuel nicht nur entſchuldigte, vielmehr lobte!

Wenn hiemit in Uebereinſtimmung die Erörteruug der Menſchenrechte vor der Na⸗ tionalverſammlung darlegte, daß allerdings ein neuer Geiſt dem Staatsleben eingehaucht werden ſollte, wenn die Aufhebung der Adels⸗ rechte vom 4. Aug. 1789 grundſätzlich be⸗ währte, was in jenem Losbrechen der Volks⸗ wuth ſelbſt gegen den von Lafayette jenen unglücklichen(Foulon und Berthier) gewid⸗ meten Schutz in roher Form ſich ausprägte, ſo legte man doch vertrauend und hoffend dem König den Ehrentitel eines Wiederher⸗ ſtellers der Freiheit bei, die wilden Ueber⸗ ſchreitungen der öffentlichen Ordnung verloren ſich ſogar wieder, und der Wahlſpruch des Abgeordneten Rabaut St. Etierne:

Ein Gott! Eine Nation! Ein König! und Eine Kammer!

fand noch allgemeinen Anklang, wenn auch

das der Maſſe unverſtändliche Wort Ariſtokrat

noch zu manchem verderblichen Mißverſtänd⸗

niſſe führte.

Allein der König und die Königin hatten ihr Silbergeſchirr auf dem Altar des Vater⸗ landes niedergelegt, ſie hielten bei dem Volke in Paris aus, kurz: es war der Boden des Königthums noch von keiner Seite ſo erſchüttert, daß für den Monarchen ſelbſt zu beſorgen geweſen wäre, dafern er ſich nur den gerechten Wünſchen der Nation willfährig zeigte.

Dennoch aber verbreitete ſich das Gerücht, der Hof ziehe alles baare Geld ein, um neue Truppenmaſſen zu verſammeln. Der Nothſtand, welcher die hungernden Arbeiter Drohungen gegen ben König und die Königin ausſtoßen ließ, wurde gefliſſentlich durch ſolche vermehrt, welche den Monarchen zur Abreiſ nach Metz veranlaſſen wollten, man rieth ſogar zur Verlegung der Nationalverſammlung nach Tours, und ſo wählte Ludwig den Mittelweg,

in Verſailles zu bleiben, veranlaßte aber hie⸗ durch gerade den berüchtigten Zug dahin, wogegen es freilich unwirkſam bleiben mußte, daß die Königin der Nationalgarde und dem gegen Mirabeau's Rath herbeigezogenen Re⸗ gimente Flandern Fahnen ſchenkte.

Das von einem Muſikchor bei einem Feſte geſpielte Lied:

O Richard, o mein König, ob Dich die Welt verläßt, ich bleibe Dir getreu! entfeſſelte den grollenden Sturm, und der König, der gleichwohl die Ruhe hatte, auf die Jagd zu fahren, wurde zurückgeholt und willigte in alle Wünſche des Volkes, ja ſelbſt in die Rückkehr nach Paris, ſowie darin: daß gegen ſeinen ausdrücklichen Wunſch Mi⸗ rabeau's Antrag feſtgehalten, und nicht die geſammte Nationalverſammlung, ſondern nur 36 Abgeordnete als Rathgeber zum Könige

entboten wurden.

Bei der Fahrt nach und durch Paris mußte denn freilich Ludwig ſchon mannigfache gefährliche Drohungen und Angriffe erleiden, Kugeln ſchlugen an ſeinen Wagen, den wilde Haufen umwogten, allein dennoch verſicherten die Monarchen, ſie wohnten mit Freuden in dieſer guten Stadt, und ſie konnten dies auch, denn alle dieſe Thatſachen waren bislang nur vereinzelte Erſcheinungen, welche noch keines⸗ wegs die Maſſe des Volkes ergriffen hatten.

So ſtanden die Angelegenheiten gegen das Ende des Jahres 1789.

Der Beginn des folgenden Jahres wird durch die Verdrängung der gemäßigten De⸗ putirten bezeichnet, woran ſich die Stiftung des Nachforſchungsausſchuſſes und des Jaco⸗ binerklubs ſchloß, gegen welchen nun beſonders Mirabeau für den König auftrat, deſſen ſchwankendes Benehmen die Aufhebung der Kloſter und der Adelstitel, die Beſtimmung der Civilliſte, die Einrichtung der Departe⸗ mentalliſte, und Neckers abermaligen Rücktritt eben ſo wenig hindern konnte, als Mirabeau dies vermochte, deſſen Tod ihn verhinderte, wieder gut zu machen, daß er es geweſen war, der durch ſeine glänzende Beredſamkeit

55

womin dos V ofſnb bens, 1 Stin poft ſ6 tiſ inn Gor ulge hunf hnde ſh Noy nahr riz verk unb Er alſſeit d werden A erſt mi Ld rer P Man in E der lug Nicht derh ſich n ſuhte T Vult Gewo gunge Nhſ