Jahrgang 
1 (1850)
Seite
511-512
Einzelbild herunterladen

511

Beinahe zwei Stunden waren nöthig, um den

Weg von dem Gefängniß zum Revolutionsplatz zu⸗

machen. Sie war vom Abbé Girard, einem con⸗ ſtitutionellen Prieſter, begleitet, doch ſprach ſie nur wenig mit ihm. Eine hewaffnete Macht von mehr als 30,000 Mann war auf dem Wege aufgeſtellt. Sie zeigte große Gleichgültigkeit bei dem Rufen:Es lebe die Republik,Nieder mit der Thrannei,Platz für die Wittwe Capets! und bei den Verhöhnungen des Pöbels. Als ſie zum Revolutionsplatz kam, richtete ſie ihre Blicke auf die Tuilerien und ihr Geſicht zeigte eine mächtige Bewegung. Sie ſtieg mit Feſtigkeit zum Schaffot. Als der Henker dem Volke das blutige Haupt wies, ertönte wildes Geheul und der Ruf: es lebe die Republik! Ihr Körper kam nach dem Kirchhof Madeleine, wo auch des Königs Körper eingeſcharrt wurde., man warf auf den⸗ ſelben ungelöſchten Kalk. Die Republik gab ſieben Franesfür den Sarg der Wittwe Capets. La montagne est fleirie par Thistoire, il s'est baigné en sang, ſagte Dupin jüngſt. Der Mann hat Recht.

Gräkin Landskeld, die Madame Heald oder Lola Montez, iſt in Paris angekommen. Sie hat das Schloß Beaujon in den eliſäiſchen Feldern bezogen und daſſelbe koſtbar meubliren laſſen. Man erzählte ſich, daß Madame Heald mit zehn oder zwölf Bedienten und mehren Wagen an⸗ kommen würde. Die Dame hatte indeß nur einen alten Herrn und eine engliſche Kammerfrau bei ſich als ſie ankam.

Ein züdiſcher Färtyrer. Judas Sebag, ein jüdiſcher Kaufmann, wohnhaſt in einer kleinen Stadt Alig in der Nähe Mogadors in Marocco, ward angeklagt, dem Muhamedanismus geſchmäht zu haben, eine Beſchuldigung, die von einigen ihn beneidenden türkiſchen Kaufleuten erfunden war. Er ward vor dem Oberrichter der Stadt geſchleppt, deſſen Namen Lechusman Ben Haſſan iſt. Die Zeugen wiederholten in deſſen Gegen⸗ wart ihre Anklage und der Richter entſchied, daß Judas Sebag entweder den muhamedaniſchen Glauben annehmen, oder verbrannt werden ſolle. Sebag wies das erſtere Anſinnen mit Entrüſtung zurück. Sogleich wurde ein Holzſtoß errichtet, angezündet und der Unglückliche hineingeworfen⸗ Die Flammen ſetzten den Qualen des edlen Mär⸗ ihrers ein ſchnelles Ende. Er war erſt 24 Jahre alt. Friede ſeiner Aſche, Fluch ſeinen Mördern.

Der engliſche General Plantagenet-Farriſſon

uverneur von Gibraltar, hat unterm 15. März drei ſpaniſche Generäle, nämlich den General ara, Gouverneur von Algeſiras, den General Ordanz, Gouverneut von Cadir, den General Orlaga, Gouverneur von Malaga und außerdem

S

Herrn Braguenbim, engliſcher Conſul zu Cadix, gefordert. Wir kennen noch nicht die Folge die⸗ ſer vierfachen Forderung.

Außergewöhnliche Figamie. Die engliſchen Jyurnale Pringen einen Bigamiefall höchſt unge⸗ wöhnlicher Art. Ein gewiſſer John Curtis, Ar⸗ beiter, zu Strensham wohnhaft, hatte 1835 Anna Maria Wilkins geheirathet, mit der er bis 1840 lebte. Zu dieſer Zeit trennten ſich beide nach getroffenem Uebereinkommen. Die Frau zog jetzt Manneskleider an, begab ſich in eine Gegend, wo ſie ganz unbekannt war und trat bei einem Bauer als Knecht in Dienſten. Bald vermuthete man ihre intime Beziehung zu einem in demſelben Dorfe dienenden Mädchen, und die als Mann verkleidete Frau entſchied ſich, um einen Scandal zu vermeiden, dahin, das Mädchen zu heirathen. Dieſe Verbindung beſtand mehrere Jahre, ohne daß das Geheimniß des Pſeudomannes bekannt wurde. Endlich wurde aber die junge Ehefrau ihres weiblichen Mannes müde, verließ ihn und nahm ſich einen Mann, der in jeder Beziehung dieſen Namen verdiente. Während dies alles ſich zutrug, wollte John Curtis, der von ſeiner Frau keine Nachricht empfing, ſich wieder verheirathen, wogegen aber der Pfarrer zu Strensham oppo⸗ nirte und den Todtenſchein ſeiner erſten Frau ver⸗ langte. Er begab ſich deshalb mit ſeiner Braut nach Worceſter, wo die Trauung wirklich voll⸗ zogen wurde. Als Cuttis erſte Frau dies er⸗ fuhr, erhob ſie gegen ihren Mann Klage, und derſelbe wurde ſeiner Bigamie wegen arretirt.

Ergötzlich. Ein Deutſcher, der per Eiſen⸗ bahn nach Paris reiſte, hatte, um ſeine Füße gegen die Kälte zu ſchützen, ein paar gutta per- cha Schuhe über ſeine Stiefeln gezogen. Auf der belgiſchen Eiſenbahn ſucht man die Wagen erſter Klaſſe zu erwärmen, indem man in die⸗ ſelben Zinkkäſten ſtellt, die mit heißem Waſſer gefüllt ſind. Unſer Reiſender lehnt ſich bequem in eine Ecke, ſetzt die Füße auf den Zinkkaſten und ſchläft ſanft ein. Zu Tubize, wo der Zug eine viertel Stunde hält, erwachte er, aber o Wunder, ſeine Ueberſchuhe ſind von ſeinen Füßen verſchwunden und ein unangenehmer Gerxuch be⸗ lehrt ihn, daß die Hitze des Zinkkaſtens dieſelben geſchmolzen.

Ein Proletarier, der an der Demolirung der Villa Borgheſe zu Rom einen thätigen Antheil nahm während der mazziniſchen Revolution, wurde durch einen niederfallenden Stein dermaßen ver⸗ wundet, daß er längere Zeit arbeitsunfähig wurde. Der Mann hatte den ſchnurrigen Ein⸗ fall, an den Fürſt Borgheſe um eine Penſion zu ſuppliciren, weil er, wie er ſagt, durch die Zer⸗ ſtörung der Villa in ſeinem Lebensunterhalt für

immer geſtört worden ſei.

Inſerate in den Jahreszeiten werden per geſpaltene Petit-Zeile oder deren Raum mit 14 Ngr. berechnet. 1250 Beilagen

werden gegen 1 Rthlr. Pr. Cour. Gebühren beigelegt.

512