Jahrgang 
1 (1850)
Seite
449-450
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50 Beili.

Die flüchtige Demveratie in der Schweiz.

will Ihnen einmal recht ungeſchminkt und mit nackter Wahrheit das Leben und Treiben der hieſigen flüchtigen Demokratie ſchildern. Sie können von mir um ſo mehr eine getreue und ſtreng parteiloſe Schilderung erwarten, da ich, wie Sie wiſſen, ſelbſt Emi⸗ grant bin, aber mit dem Auswurfe, der ſich hier auf Koſten der Demokratie im Koth herumwälzt, durchaus nichts gemein haben will. Schon kurz nach der Ankunft der ba⸗ diſchen Republikaner ging unter denſelben der Skandal los. Die Kneipe war das Forum, wo in allen deutſchen Dialekten auf die Führer der Revolution mit allen möglichen Schimpf⸗ worten losgezogen und von zerlumpten Frei- ſchärlern der Stab über ſie gebrochen wurde. Dort nannte Einer Brentano einen Schuft, Verräther u. dgl., hier nahm ſich ein Anderer wieder des bemitleidenswerthen Diktators an und überhäufte den tobenden Ultra mit einer Fluth von Schmähungen. Richt ſelten ge⸗ riethen dieſe ſauberenFreiheitshelden hart an einander, worauf die Gensd'armen(denn auch in derfreien Schweiz gibt es, wun⸗ derbar genug, ſolche den Freiheitsmännern verhaßte Spezies) der republikaniſchen Prü⸗ gelei ein Ende machen mußten. Dieſe ekel⸗ haften, die Konduite dieſer Leute hinlänglich bezeichnenden Auftritte ſind ſchon ſo weit ge⸗ diehen, daß ſich viele Wirthe veranlaßt ſahen, gegen weitere Beſuche der Flüchtlinge zu proteſtiren, da ihr Benehmen und ihre un⸗ verſchämte Arroganz nur die Entfernung aller ſoliden Gäſte zur Folge hatte. Viele beſſere Charaktere haben ſich von jeder Berührung mit dieſer wahrhaften Hefe zurückgezogen, Jahreszeiten I.(Nro. 15. Den 10. April.)

nachdem ſie zur Einſicht gelangten, daß mit dieſen Leuten wenig Ehre aufzuheben iſt. Auch in politiſcher Beziehung herrſcht unter die⸗ ſen Anhängern der Democratie offener Hader und Zwieſpalt. In Bern, dem Schlupfwinkel der kläglich geendetenReichsregenten und Reichsverſammler, ſieht man die Geſichter in gewichtige Falten gelegt, und in den politi⸗ ſchen Zirkeln und Verſammlungen, welche unter dem Vorwande einer geſelligen Zu⸗ ſammenkunſt ſtattfinden, wird mit komiſchem Ernſte über diezukünftige deutſche Revolution debattirt. Die Rollen werden natürlich ſchon vorhinein vertheilt: Herr Vogt republikaniſcher Zaar von Deutſchland, Raveaux Obergeneral, Simon von Trier Finanzminiſter u. ſ. w. u. ſ. w. Wäre dieſes Treiben nicht gar ſo jämmerlich, blöde und verrückt, man wäre verſucht, es ſehr traurig zu neunen! Indeſſen ſollen dieſe Herreu zu ihren Donquixote'ſchen Plänen und zu ihrer Epiſtenz namhafte Summen aus Deutſchland erhalten, welche ſie zum Ankauf von Waffen, Anwerbung einer Revolutions⸗ Armee und zu weiß Gott was für Abſurdi⸗ täten verwenden wollen! Daß indeſſen die Leute Geld haben, iſt richtig, denn ſie laſſen ſich in ihrem Exilleben in materieller Bezie⸗ hung durchaus nichts abgehen!

Da wird wacker getrunken und getafelt, geſprochen und geflucht und allenThrannen der Tod geſchworen, welche nichtmit dem Volke gehen wollen. Beſonders erfreut ſich bei dieſen Herren die würtembergiſche Regie⸗ rung eines freilich ſehr unſchädlichen Haſſes, welchem ein vernünftiger Menſch wohl keine Wichtigkeit beilegen kann. Die Frankfurter

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