Jahrgang 
1 (1850)
Seite
443-444
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Ein neues Wunder hat ſich zu Badalona, einer kleinen Stadt in der Nähe Barcelonas, zugetragen. Einer Frau, die der heiligen Jungfrau eine be⸗ ſondere Verehrung weihte und zu ihren Ehren zehn Stunden eine Lampe brennen ließ, erſchien die Himmelskönigin perſönlich und überreichte ihr ein Taſchentuch von ſelbſtgeſponnenem Leinen, deſſen Berührung Kranke heilen, Lahmen gehen, Blinden ſehen mache. Seitdem ſtrömt aus Nah und Fern eine Hilfe ſuchende Menſchenmaſſe herbei und jedem wird für 12 cuartos(circa 2 Sgr.) Hilfe geſchafft. Man nennt hauptſächlich zwei Heilungen von ungeheurer Wirkung. Ein Krebs⸗ ſchaden, der ſeit Jahren einen armen Unglück⸗ lichen quälte, iſt ſofort verſchwunden, als einige Tropfen Oel auf denſelben geträufelt wurden und ein Bucklicher verlor ſeinen ziemlich bedeutenden Auswuchs ſofort.

Das Geſchwornengericht zu Varmstadt war jüngſt der Schanplatz einer höchſt komiſchen Scene. Vor dem Gericht erſchien ein Individuum, beſchuldigt von der Main⸗Neckarbahn Schienen abgeriſſen zu haben. Der Vertheidiger des Angeklagten hatte, um ſeine Vertheidigung ſchlagend führen zu kön⸗ nen, eine kleine Locomotive und eine tragbare Eiſenbahn verfertigen laſſen, vermittelſt welchen Apparates er darthun wollte, daß eine Locomo⸗ tive, wenn die Schienen aufgeriſſen würden, nicht gezwungen ſei, die Bahn zu verlaſſen und daß man den Angeklagten mithin nicht eines Crimi⸗ nalverbrechens, ſondern nur einer Eigenthumsver⸗ letzung beſchuldigen könne. Der Advokat tritt in den Gerichtsſaal, begleitet von einem Manne, der den Apparat trägt; die Miniaturlokomotive iſt ſeit zwei Stunden bereits geheizt. Die Bahn wird, als der Advokat in ſeiner Vertheidigungs⸗ rede zu der von ihm gemachten Behauptung kommt, auf die Tafel geſetzt. Die Lokomtive geht ab, kommt an die Stelle, wo die Schienen abgeriſſen ſind, ſtürzt auf die Erde und läuft den Umſte⸗ henden und den Geſchwornen, unter dem Gelächter des Auditoriums, zwiſchen die Beine; die Richt er verlieren ihren Ernſt, die Geſchwornen müſſen ſich vor Lachen den Bauch halten und ſelbſt der Ange⸗ klagte und die Gensd'armen brechen in Gelächter aus. Der Advokat allein behauptet ſeinen unzer⸗ ſtörbaren Ernſt, läuft ſeiner Maſchine nach, er⸗ wiſcht ſie glücklich und ſetzt ſie abermals auf die Schienen, um ſeine Beweisführung nochmals zu beginnen, welche indeß daſſelbe Reſultat wie das erſte Mal liefert.

Erecution in Marocco. Während meiner An⸗ weſenheit, erzählt Urquhart in ſeinem pillars of Hercules, wurden zwei Capitalverbrechen began⸗ gen. Ein Richter ſtahl ein Pferd des Sultans von der Weide und wurde deshalb zum Tode ver⸗ urtheilt. Er legte indeß gegen dieſes Urtheil Proteſt ein und der Sultan milderte daſſelbe da⸗ hin, daß dem Strafbaren die rechte Hand abge⸗ hauen werden ſolle. In Maroceo giebt's keinen Henker, die Schlachter haben hier die Executionen zu vollziehen. Der jüdiſche und türkiſche Ober⸗ ſchlachter werden gerufen und ſie ſuchen durch eine Art Auction einen Stellvertreter. Ein Ausrufer

durchläuft die Straßen und ſchreit:Wer will für einen Dollar einen Kopf(oder eine Hand) abſchneiden? Tiefe Stille herrſcht in dem Hau⸗ fen, kein Gebot erfolgt. Sie beginnen jetzt den Preis zu erhöhen, zwei Dollars, drei Dollars ꝛc. werden geboten. Piemand meldet ſich. Endlich ſind ſie zu 2 Duhlonen(7 Pfund 10 Schilling) gekommen, als ein langer Schwarzer vortritt und ſagt:Ich will es. Man bringt einen Eimer mit Theer, der Schwarze hackt die Hand ab und taucht den Stumpf in den Theer. Der Sheriff hatte indeß ſeinen Arm vor der Epecution abge⸗ bunden. Er rannte nach einer benachbarten Schmiede, in der er in den Theer glühende Koh⸗ len warf und ihn aufkochte, dann wurde der Stumpf noch einmal hineingetaucht und die Operation war beendet. Der andere Fall betraf einen Mann, der einen Knaben getödtet hatte, der Vieh hütete. Der Sultan ſagte zur Mutter des Knaben:Schenk ihm das Leben und nimm 100 Dollars; ſie ſagte:Ich verlange das Leben deſſen, der meines Sohnes Leben raubte Drei Mal wiederholte der Sultan ſeine Frage, die Summe immer verdoppelnd.Ich fordere, was das Geſetz mich zu fordern berechtigt, und Du, Sultan, ſollſt das Geſetz vollziehen.So nehme das Geſetz ſeinen Lauf. Der Sultan winkte und der Kopf des Mannes rollte auf den Fuß⸗ boden. Der Kopf wurde auf dem Markt auf eine Lanze geſteckt, den Körper zerriſſen die Hunde.

Ergötzlich. Auf einer Maskerade der Frau von Staöl erſchien einſt ein Mann von wahrhaft ſchreckenerregender Häßlichkeit. Er trug eine Brille, obgleich er nur einen Stumpf von einer Naſe hatte, und der Mund glich einem Loch. Alice Ozh, die auch auf der Maskerade war und gefragt wurde, ob das Scheuſal auch nicht ſehen könne, da es eine Brille trage, entgegnete: Das thut er, um die Stelle zu bezeichnen, wo er ſein Geſicht hat. Auf demſelben Ball erſchien ein Tempelritter, der auf ſeinem Helm eine Schuh⸗ bürſte trug, ſein Mantel beſtand aus einer Pferde⸗ decke, in die er ein Loch geſchnitten, durch welches er den Kopf ſteckte.

Der Nil. Der Hauptarm des Nils iſt unge⸗ fähr 2000 Fuß breit. Das Waſſer fließt ziemlich lanſam und macht in einer Stunde ungefähr deutſche Meilen. Das Waſſer iſt immer dick und ſchlammig, ſelbſt im April und Mai, wo es am klarſten iſt, hat es eine lehmige Beimi⸗ ſchung. Von Kahiro bis Aſſuan, eine Strecke von 360 engliſchen Meilen, ſind die Ufer, aus⸗ genommen wo ſie felſig, faſt ganz kahl. Sie gleichen Treppenſtufen und ſind mit Schling⸗ und Schmarotzpflanzen bedeckt. Beſonders bemerkt man viel Bameas, eine kaum einen Fuß hohe Pflanze mit kleinen blauen Blumen.

Abgeſandte der amerikaniſchen Begierung haben bei den Moscominen, einem Indianerſtamm, den Sohn Ludwig XVI. gefunden, der Chef eines

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