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Den 22. April. Enthauptung von Ma⸗ lesherbes(der Vertheidiger Ludwig XWI.) und ſeiner Familie.
Den 7. Mai. Der Convent erkennt die Exiſtenz des höchſten Weſens(Etre supreme) und die Unſterblichkeit der Seele an. Er decretirt die Feier folgender Feſte: das höchſte Weſen, die Natur, das öffentliche Glück, die Gerechtigkeit, die Treue, die Humanität 2c.
Den 8. Mai. Lavoiſiers und 27 Gene⸗ ralpächter werden hingerichtet.
Den 10. Mai. Hinrichtung der Madame Eliſabeth.
Den 15. Mai. Das Finanz⸗Comite theilt dem Convent mit, daß 6 Milliarden Aſſignaten in Circulation ſind.
Den 10. Juni. Geſetz, welches die offizi⸗ ellen Vertheidiger unterdrückt. Es giebt den ver⸗ läumdeten Patrioten patriotiſche Geſchworne, bewilligt ſie aber nicht den Conſpirateurs.
Den 6. Juli. Die Deputirten Sallen, Guadet und Barbaroux werden zu Bordeaur hingerichtet.
Den 25. Juli. Hinrichtung André Che⸗ niers, des Herzogs von Roquelaure zc.
Ende der Schreckensregierung(27. Juli= 9. Thermidor). Ein Verhaftsbefehl wird ge⸗ gen die beiden Robespierre, Couthon, Saint Juſt, Lebon, Henriot Dumas ꝛc. geſchleudert.
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Während ber 420 Tage, welche die Schreckens⸗ regierung beſtand, ſind ſchlecht gerechnet zu Paris allein 4000 Menſchen ermordet worden, darunter 900 Frauen und Mädchen. Mithin kommen auf jeden Tag durchſchnittlich 10 Hin⸗ richtungen oder richtiger geſagt Mordthaten. Die Guillotine war permanent aufgeſtellt auf dem Revolutionsplätz, dann auf dem Baſtille⸗ platz und zuletzt an der Barriere du Tröne. Den 28. Juli wurde Robespierre mit ſeinen Mordgeſellen hingerichtet. Wenn die greuel⸗ vollen Erinnerungen, dieſe kannibaliſchen Ex⸗ ceſſe jeden Tag auf der Tribüne und in den Zeitungen nicht allein entſchuldigt, ſondern ſogar gelobt und geprieſen werden, ſo halten wir es für unſere Schuldigkeit, ſie in ihrer ganzen entſetzlichen Totalität der jetzigen Ge⸗ neration vor die Augen zu führen, damit man daran erkenne, wohin uns ein an's fa⸗ belhafte grenzender Fanatismus zu führen ge⸗ dachte, damit die öffentliche Meinung ihr Ur⸗ theil ſpreche über ein Beginnen, welches die Religion, die Civiliſation und die menſchliche Geſellſchaft in Blut zu erſticken drohte, und damit die große Sache der Revolution nie⸗ mals entehrt werde durch die blutigſten Ex⸗ ceſſe, die je die neuere Zeit erlebte.
V.
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Wie man's macht.
MWon S. S. SSfrodlmann.*)
E⸗ flog ein Käfer dem andern nach.
Wißt Ihr, was der Käſer ſprach,
Als er gegaukelt mit leichtem Tanz
Von Blüthe zu Blüthe, im Sonnenglanz? „Lieben! Lieben!“ der Käſer ſprach.
*) Proben aus einer in den nächſten Monaten unter dem Titel„Lieder der Nacht“ erſcheinenden Sammlung.
Es rauſcht eine Welle der andern nach.
Wißt Ihr, was die Welle ſprach,
Als ſie ſich ſtürzte mit Luſt und Pein
Von Fels zu Felſen, von Stein zu Stein? „Lieben! Lieben!“ die Welle ſprach.
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