Jahrgang 
1 (1850)
Seite
53-54
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Dichter für dieſe Spende reichen Dank gewußt haben. Das neue einaktige Luſtſpiel, das darauf ſolgte, führt den Titel:das Gaſtmahl zu Luxen⸗ hain. Es iſt ein Schwank, mit dem man es nicht allzu genau nehmen muß. Sehr leihpt freilich hat es ſich der Verfaſſer mit der Einheit der Zeit gemacht; das Stück, welches im Ganzen raum eine halbe Stunde ſpielt, beginnt in der erſten Scene um 10 Uhr Vormittags, und ſchon eiuige kurze Scenen darauf ſitzen die Gäſte beim Mahl, das um 3 Uhr Nachmittags ſiattfinden ſoll, ohne daß man begreift, wie das Gaſtmahl, zu dem eben der Plan gemacht wird, ſo ſchnell fertig ſein könne. Ohne Zauberei iſt hier der Illuſion des Zuſchauers etwas ſtark zugemuthet. Herr Starke ſpielt den Baron Windſack die⸗ fes iſt hinlänglich bezeichnend für die Rolle ſo⸗ wohl, wie für die glückliche Darſtellung derſelben; auch die Namen Birkbaum und Bachmann dienen als gute Empfehlung. Doch war das Zuſam⸗ menſpiel für das erſte Mal noch nicht ſo gerun⸗ det, wie wir es ſonſt hier gewohnt ſind, und die Wiederholung wird wohl die rechte Nachhilfe bringen. Die Vorſtellung desDon Juan am vorigen Freitage, den 4. war eine improvi⸗ ſirte, ſtalt der angeſetztenweißen Dame, welche durch Heiſerkeit des Herrn Kahle verhindert ward. Solche Meiſterwerke ſollten nie unvorbereitet ge⸗ geben werdenz doch iſt es billig, daß unter Um⸗ ſtänden auch Nachſicht geübt werde. Im Ganzen wie im Einzelnen machte ſich die ungünſtige Con⸗ ſtellation an dieſem Abende bemerkbar. Nur Frl. Wagner glänzte unverdunkelt und in ge⸗ wohntem Glanze als heller Stern; ihre Donna Anna gehört zu den vortrefflichſten Leiſtungen und ſie entſchädigte reichlich für ſo manches Mangelhafte. Nur in der Briefarie, die ſie ohnehin um einen Ton tiefer ſingt, erlaubt ſich die Künſtlerin auch einige andere Abweichungen von der Vorſchrift Mezarts, die wir als ungeziemend hezeichnen mögten, eine Freiheit, die Jenny Lind ſich bei Mozart nie geſtattet. Mad. Maximilien hatte ſchon vor Anfang der Vorſtellung wegen Un⸗ wohlſeins ſich entſchuldigen und um Nachſicht bitien laſſen; ihreElvira die wir von ihr noch nicht geſehen, kann daher diesmal keiner Beur⸗ theilung unterworfen werden; ſie ſang auch nur die erſte Arie und ließ die zweite größere aus. Auch Herr Kaps(Oetavio) ließ beide große Arien (erſter und dritter Act) aus. Durch ſolche In⸗ dispoſitionen konnten natürlich auch die herrlichen Enſembleſtücke, wie das Quartett im erſten und Sertett im dritten Acte nicht zur virtuoſen Gel⸗ tung gelangen. Weniger war dies der Fall bei dem Maskenterzett. Herr Carl Becker alsDon Juan hat, ſeildem wir ihn in dieſer Rolle nicht geſehen, weſentliche Fortſchritte gemacht, was auch durch mehrfachen Beifall vom Publico anerkannt wird; doch fehlt noch Viel, daß er ein guter oder gar ein vortrefflicherDon Juan gelten könnte. Um ſo mehr verdient das ärgerliche Intermezzo eine Rüge, das Herr B bei Gelegenheit des Champagnerliedes herbeiführte, das von einem Theil des nicht zahlreichen Publicums da capo verlangt, von dem andern Theile aber mit St (ſoll ſagen ſtill) zurückgewieſen wurde, bei wel⸗ cher Debatte pro et contra Herr B. aus ſeiner

Rolle gänzlich heraustrat und die Anweſenden haranguirte, die er in ſeine Freunde und Feinde theilte. Was berechtigt Herrn B., in der Oppoſi⸗ tion, die nur der Wiederholung des Liedes galt, gleich Feindſchaft gegen ſich anzunehmen, da ihm der vorhergegangene mehrfache Beifall, gegen den nicht opponirt war, leicht das Gegentheil hätte lehren können. Und ſiine Freunde ſie gerade hatten die Oppoſition provocirt ſoll perſönliche Freundſchaft im Tempel der Kunſt die entſchei⸗ dende Stimme abgeben, darf Freundſchaft die Kritik verſtummen heißen? Bei einiger Unbefan⸗ geuheit, Selbſtkenntniß und Beſcheidenheit hätte Herr B. ſich ſelbſt wohl ſagen können, daß er dasTreibt der Champagner keineswegs ſo vor⸗ züglich ſinge, um eine Wiederholung, am wenig⸗ ſten eine ſolche Unterbrechung und Störung der Oper zu veranlaſſen, und überall würde eine ſolche Improviſation ihm gewiß eine Ordnungsſtrafe zugezogen haben. Uns aber, die wir ſolche In⸗ termezzos von ganzer Seele haſſen, indeß aber jeder Meinung gleiche Berechtigung vindiciren, uns verſtimmte dieſer Incidenzfall noch mehr, als wir es ſchon waren, und nur Mozarts Tönen konnte es gelingen, eine beſſere Stimmung end⸗ lich herbeizuführen.

paris. Die Opera giebt binnen Kurzem eine von Donizetti nicht vollendete Operder Herzog von Alba, welche Adolph Adam beauftragt iſt zu vollenden. Duprez hat ſich endlich von der Bühne zurückgezogen. Er that dies in einer Vorſtellung, welche von 82 Uhr dauerte, und in der alle Pariſer Bühnen-Celebritäten mit⸗ wirkten. Das Vaudeville gab ein Stück,das Ende einer Republik, welches einen großartigen Scandal veranlaßte.

Altonger Theater.(Fortſetzung.) Im Ganzen möchten wir zwar kleineren Bühnen rathen, ſich nicht an die Darſtellung größerer oder ſoge⸗ nannten ernſteren Opern zu wagen; aber mit einem Perſonal, wie Altona es jetzt beſitzt, dürſte man ſich doch ſchon an einen ſolchen Verſuch machen, und er iſt wahrlich gelungen zu nennen, wie wir auch ſchon in einem ſrüheren Berichte angedeutet haben. Dies iſt um ſo mehr zu bewunderu, als das Orcheſter ſich nach den obwaltenden Umſtänden richten mußte, es deshalb auch auf den Beinamen einesgroßartigen kei⸗ nen Anſpruch wird machen können oder dürfen. Es entſpricht aber ſeinem Zwecke vollkommen bei den kleineren Opern, die jeden Kunſtfreund be⸗ friedigen, was auch ganz natürlich iſt, wo Sän⸗ gerinnen wie Fräulein Hoffmann und Tietjens, ſo wie die Herren Kellmann, Lah, Büſſer und die Komiker Freiberg und Koch zuſammenwirken. Am meiſten haben bis jetzt diebeiden Schützen ſich des Beifalls der Lachluſtigen zu erfreuen ge⸗ habt, was gewiß nicht auf die eingewebten Neuig⸗ keiten in den bekannten Refrains in demFahr⸗ liede undEs hat Alles ſeine Urſache zu ſchieben iſt.

DasDonauweibchen iſt wahrſcheinlich mehr aus Nachgiebigkeit gegen den Geſchmack eines Sonntagspublikums hervorgeholt, obgleich wir keine Darſtellerin der Hauptrolle unter unſeren Sängerinnen beſitzen, dieſe deshalb auf unſere