Jahrgang 
1867
Seite
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langer Acte wurden 635 ganz unſchuldige Menſchen ermordet, erſchoſſen, von Schlangen zu Tode gebiſſen, oder auch zwei⸗ bis dreimal vergiftet, und ſchließlich mit dem Meſſerabge⸗ kragelt. Man ſahGipſy, den braunen Wallachen zweier Continente,ein bockbeiniges Rabenvieh erſten Ranges, einen rattenſchwänzigen Krampen, und wie die Kraftausdrücke der enttäuſchten Wiener Jockey⸗Clubiſten alle lauten mögen. Schließlich ſah man auch die Menken, wahrlich ein ſchönes Weib. Prachtvolles Ebenmaß der Glieder, ſeelenvolle ſprechende Augen und Feuer, ſo viel Feuer, daß der erſte Liebhaber und Schütz der Savanna noch drei Tage nach einem Kuſſe Zahnſpuren an ſeinen Wangen ſieht. Miß Menken ſpricht nicht, ſondern ſtößt nur unartikulirte Laute aus. Sie tanzt nicht, ſie ſpringt nicht, ſie mimt nicht, ſie plaſtet nicht, mit einem Worte, iſt ſo unbedeutend, daß ſelbſt ſehr eiferſüchtige Frauen ihren Ehemännern den Beſuch der Menkenabende geſtatten, obgleich im letzten Acte ihre geſammte Toilette aus ſehr kurzen Schwimmhoſen nebſt einiger Schminke beſteht. Nur mit dem Bowiemeſſer verſteht ſie ziemlich graziös umzu⸗ gehen, und ſoll damit ſowol auf der Bühne, wie auch an der Table⸗d'hote bedeutende Erfolge errungen haben. Die Piraten in der Savanna wurden ausgelacht. Ziſchen und Pfeifen kann jeder Gaſſenjunge, aber Mord und Tod ver⸗ lachen, daß die Thrönen über die Wangen fließen, iſt ein Privilegium Gebildeter. Miß Menken machte in Wien keine Geſchäfte. Vergebens war in ihrem Contracte die Clauſel, daß ſie während der Zwiſchenacte in einem eigenen Salon neben der Garderobe ihre Freunde empfangen dürfe. Ihre Ver⸗ ehrer reducirten ſich auf einen Einzigen, den bekannten Habitue, welcher es für nothwendig hält, jeder neuen weiblichen Erſcheinung auf den Bretern ſeine Huldigungen zuzuwenden. Sollte die Dejazet noch einmal nach Wien kommen, ſo wird er gewiß nicht verfehlen, auch dieſer ſein Herz und ſeine Geldbörſe zu Füßen zu legen, wohingegen die männliche Kunſt ihn viel weniger intereſſiren dürfte. Beim Debut des Schlitt⸗ ſchuhtanzkünſtler Jackſon Haines im Karltheater war*er nicht zu entdecken, obwol die Productionen ganz ſehenswerth ſind, und ziemlichen Beifall finden.

Die Hofbühnen haben jetzt einen neuen Chef, den Oberſt⸗ hofmeiſter Prinzen Hohenlohe, und einen neuen Intendanten,

den Freiherrn Münch Bellinghauſen, wohl bekannter

unter ſeinem Dichternamen Friedrich Halm. Prinz Hohen⸗ lohe hat eine raſche Carriere gemacht, und es binnen wenigen Jahren vom Ulanen⸗Lieutenant zum Huſaren⸗Rittmeiſter, Adjutanten Sr. Majeſtät und ſchließlich zum Repräſentanten von zwei oder drei der höchſten Hofſtellen und Inhaber der höchſten Orden gebracht. Da er nicht übel Klavier ſpielt, ſo wird er wol auch noch zum Muſikgrafen und Director aller Muſikbanden Oeſterreichs, ineluſive Böhmens, ernannt werden. Gediegene Bildung und Frömmigkeit ſind ſeine Cardinaltugenden, und es wird wenige Huſarenrittmeiſter der Armee geben, die ſo oft, wie Prinz Hohenlohe, die Meſſe ge⸗ hört haben. Die mindeſten Sorgen dürfte ihm in ſeinem neuen Wirkungskreiſe das Burgtheater verurſachen. Die Kritik, das Publikum und wol auch der Hof ſind mit den Leiſtungen Laube's durchaus zufrieden. Alte Freundſchaft und Ideen⸗Verwandtſchaft werden wol die zwiſchen Laube und Halm unvermeidlichen kleinen Differenzen begleichen. Aerger ſteht es ſchon mit dem Hofoperntheater. Seit langen Jahren tadelt man ohne Unterlaß die Direction dieſes Kunſt⸗ inſtituts, welche anfangs, wahrſcheinlich dem Hofe zu Liebe, das Ballet auf Koſten der Oper protegirte und jetzt beides vernachläſſigt. Das Balletcorps iſt alt und ſchwach, und das Opernperſonal ſchwach und alt. Director Salvi verſteht es nicht, junge Kräfte heranzubilden und feſtzuhalten, und glaubt wahrſcheinlich, daß die alten Sänger und Sängerinnen in jeder Saiſon jünger werden. Fräulein Murska, recte Frau Eder, erweiſt uns nach langen Verhandlungen die Gnade, noch eine Saiſon immenſe Gagen zu beziehen, und Frau Pauli⸗Markovitz will ein Engagement annehmen,

wenn die Kritik verſpricht, mit ihren Gemahle, einem krähen⸗.

den Heldentenore aus den ungariſchen Puſzten, glimpflich um⸗

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zugehen. Dagegen wurde uns eine Reihe von erſten Kräften entfremdet, von denen wir wol am meiſten den Verluſt des Fräulein Bettelheim bedauern, welche ſich am letzten Sonn⸗ tag von dem Brünner Bankier Gomperz heirathen ließ. Die Trauung wurde im iſraelitiſchen Tempel der innern Stadt abgehalten, wobei nur geladene Gäſte Einlaß fanden. Dieſer Uukas iſt, ein in Deſterreich glücklicherweiſe ſeltener Fall, ſo ſtrenge gehandhabt worden, daß ſogar der Vater der Braut, welcher unter Hinweiſung auf ſeinen Charakter Einlaß be⸗ gehrte, von dem dienſtthuenden Vertrauten, vulgo Eivilpolizei⸗ Wachtmann mit den Worten zurückgewieſen wurde:Dös is mir Olles ans. Ob ſö der Göd ſan, oder d'Maan, was kane Korten hot, kann hingehn wo's herkumma is

Ein Beſcheid deſſelben Inhalts doch ſprachrichtigerer Form wurde dieſer Tage dem bekannten Violinvirtuoſen Hellmesberger zugeſtellt, weil er ſich unterfangen hatte, in einem von hieſigen Tagesblättern reproducirten Schreiben an den Fürſten Czartoryski, für ſeinen Freund und Collegen Deſſow eine Lanze zu brechen. Die Direction der Geſell⸗ ſchaft der Muſikfreunde, welche aus Erſparungsrückſichten Herrn Deſſow ohne Wiſſen des artiſtiſchen Directors Hellmes⸗ berger von der Stelle eines Profeſſors der Compoſitionslehre an dem Conſervatorium für Muſik enthoben hatte, ſendete dem hierdurch an ſeiner Künſtlerehre gekränkten Hellmesberger folgendes Actenſtück zur Unterzeichnung:

Ueber Aufforderung der geehrten Direction der Geſell⸗ ſchaft der Muſikfreunde nehme ich keinen Anſtand, hiermit zu erklären, daß ich die durch Misverſtändniß und durch meine Unvorſichtigkeit geſchehene Veröffentlichung meines an Sr. Durchlaucht den Herrn Präſidenten Fürſt Czartoryski ge⸗ richteten Schreibens vom 27. Juni ernſtlich bedauere, und daß ich die in dieſem Schreiben enthaltenen Aeußerungen über erfahrene Misgunſt von gewiſſer Seite, für welche eine Be⸗ gründung zu liefern mir ſchwer werden würde, im erſten Gefühle der Kränkung, über eine mir vermeintlich widerfahrene Zurückſetzung, unbedacht gethan habe und daher dieſelbe nicht aufrecht halte.

Herr Hellmesberger unterſchrieb nicht und erhielt noch am ſelben Tage ſeine Entlaſſung von der Profeſſur der Violine und den Ehrenſtellen eines artiſtiſchen Directors auch Concertarrangeurs des unter Leitung der Geſellſchaft der Muſikfreunde ſtehenden Conſervatoriums.

Erlauben Sie mir nun auch ein wenig Pro domo sua zu ſprechen. Die Journaliſten Wiens, auch weiße Niggers ge⸗ nannt, pflegen ſich zeitweilig gegen ihre Plantagenbeſitzer, die Zeitungspaſchas, zu empören, und verdanken unter anderm dieNeue freie Preſſe und dasNeue Fremdenblatt ſolchen Rebellionen ihren Urſprung. Soeben iſt abermals eine Palaſtrevolution im Redactionsbureau derMorgen⸗ poſt ausgebrochen, deren Mitarbeiter mit Sack und Pack zum nicht geringen Aerger ihres Eigenthümers und Redacteurs insNeue Wiener Tageblatt überſiedelten. Aber einen von ihnen glaubte der Zeitungspaſcha dennoch feſthalten zu können, den unermüdlichen Leitartikler, welcher contractlich 10,000 Fl. Pönale zu zahlen hat, falls er ſich als Mitarbeiter an einem fremden Journale betheiligt. Doch ſiehe da! Auch dieſer verſtand, ſeine Feſſeln zu brechen und ſchrieb ſeinem frühern Herrn folgende lakoniſche Zeilen.Zeige Ihnen hiermit an, daß ich mir heute das(Neue Wiener Tageblatt gekauft habe. Es blieb nun dem Eigenthümer der Morgen⸗ poſt nichts übrig, als auf das Pönale zu verzichten und den Leitartikler zu entlaſſen, da er unmöglich den Eigenthümer eines Concurrenz⸗Unternehmens beim eigenen Blatte beſchäf⸗ tigen undein alle Redactionsgeheimniſſe Einſicht nehmen laſſen konnte. Als dies Dilemma gelöſt war, klammerte ſich der Eigenthümer der Morgenpoſt noch an eine Hoffnung. Es galt den Verſuch, den älteſten ſeiner Mannen, den bluttriefen⸗ den Romanſchriftſteller, welcher zur Noth ſo viel ſchreibt, daß kaum zwei Morgenpoſten zum Abdrucke genügen, zum Bleiben zu bewegen.Zehn Jahre ſind Sie bei mir ſtets regel⸗ mäßig und pünktlich honorirt worden; Sie haben kein Ver⸗ mögen, ſind Familienvater, wollen Sie Ihre Zukunft von

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