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wohlthuendes Schweigen für Theobald, der tief niedergebeugt über den von einer Lampe hell beſchienenen Tiſch daſaß und, durch nichts abgezogen, ſich und alles außer ihm über den ruhm⸗ vollen Genuß vergaß, den ihm ſeine Arbeit gewährte. Wieder rann Stunde auf Stunde unbemerkt an ihm vorüber. Nur dann und wann ruhte er; dann bog er ſich zurück in die Lehnen ſeines Seſſels, ſchloß die Arme über einander und ſchaute, den Kopf zurückgebeugt, vor ſich hin oder hinauf an den Sternenhimmel.
In der Arbeit des Gelehrten, mag ſie ſein wie und welche ſie will, liegt ſtets etwas Erhabenes, denn er ſchafft nur für Ideen und in ſolchen und nicht nur um der Sache ſelber willen. In der Einſamkeit der Nacht, wo dieſe Hin⸗ gebung die ungeſtörteſte und tiefſte iſt, da umgibt ſie den
Forſcher am ſichtbarſten mit dem Schimmer der Weihe. Und
die Poeſie, die über dieſer Weihe und Erhabenheit ruhte, wirkte unbewußt auf Theobald ein und verſetzte ihn in eine Stimmung, der an Glückſeligkeit faſt die Stunden zu ver⸗ gleichen waren, die er einſt in ſüßem Nichtsthun an irgend einem ſtillen Plätzchen des Waldes verträumte. Er liebte ſeinen Stand und ſeine Beſchäftigung, weil ſie ſeinen Ehrgeiz befriedigten und die Gewohnheit ſie ihm vertraut gemacht hatte; aber um dieſer Stunden willen konnte er ſich für ſie begeiſtern; denn ſie waren die Berührungspunkte zwiſchen ſeinen einſtigen Neigungen, deren Reiz nicht erſtorben war, ſondern nur auf dem Grunde der Seele ſchlummerte, und ſeinem jetzigen Leben. Darum arbeitete Theobald auch viel Nachts und trank mit vollen Zügen an dieſem Born der Poeſie der Arbeit. Spät erſt, als ein heller Streifen am Horizont den waldigen Berg ſchon wieder ſchärfer von dem Himmel abgrenzte, ſuchte er ſein Lager auf, um durch wenige Stunden der Ruhe ſich zu neuem Schaffen zu ſtärken.
Holbein's Bemühungen, Theobald ſeiner Arbeit zu ent⸗ führen, waren anfangs von gar keinem Erfolge begleitet. Auch war er durch ſein eigenes Geſchäft etwas zu beſchränkt, um nach Belieben einen günſtigen Zeitpunkt abpaſſen zu können. Zur Tiſchzeit kam Theobald hinüber in das neue Schloß, nahm ſchweigend und haſtig theil an dem Mahle und ſuchte dann ſo bald als möglich wieder fort zu kommen. So ging es zwei Tage. Da aber kam die Natur ſelbſt den guten Abſichten Holbein's zu Hülfe. Das Unausgeſetzte in ſeiner Arbeit hatten Theobald's Kräfte endlich erſchöpft, und das Gleichförmige faſt etwas wie Ueberdruß erzeugt. Das Ver⸗ langen nach Ruhe und Abwechſelung ſtellten ſich lebhaft ein. Zwar ſuchte er es als eine läſtige und unwürdige Störung zu überwinden, aber es ging nicht. So war's am Nachmittag des dritten Tages, und an dieſem war die Sonne ſo läſtig und zudringlich, aber auch verführeriſch, wie ſeit lange nicht. Faſt hatte Theobald ſchon den Entſchluß gefaßt, dem Drängen nachzugeben und durch einen kleinen Gang ins Freie dem Geiſte, denn der Körper brauchte es nicht, eine Er⸗ holung zu gönnen, als Holbein ins Zimmer trat.
„Klappen Sie einmal die Bücher zu, Doctor!“ ſagte er nach der Begrüßung.„Den Reſt des Tages müſſen Sie mir ſchenken. Sie ſind nun ſchon drei Tage hier und wir haben uns kaum noch anders geſehen als kauend und ſchluckend, was doch eben für Keinen von uns Beiden ſehr ſchmeichelhaft iſt. Gäſte ſind ſo ſelten bei uns, daß ich mich jedesmal freue, wenn ſolche in mein Haus einkehren. Sie aber ſind ſo gut wie gar nicht da. Alſo rüſten Sie ſich zu einem Spaziergange. Ich laſſe Sie heute nicht wieder los.“
„Ich hatte ſoeben die Abſicht, einen Gang ins Freie zu machen“, ſagte Theobald entſchuldigend.„Aber Sie müſſen Nachſicht mit mir haben, daß ich Ihre Gaſtfreundſchaft ſo ſchlecht erwidere. Meine Arbeit feſſelt mich zu ſehr. Weiß ich doch kaum, ob ich je dieſe Handſchrift wieder in die Hände bekommen werde, wenn ich das Schloß erſt verlaſſe.“
„Ei, ein Wort koſtet es bei dem Baron, und das Buch bleibt Ihnen für immer. Er iſt ja ein freundlicher Herr, und dann iſt es ihm einerlei, ob das Buch hier ſteht oder nicht. Hat er ſich doch nie um die Bibliothek gekümmert.“
Theobald's Augen leuchteten hell auf.
„Glauben Sie wirklich, daß der Herr Baron ſo liberal ſein wird?“
„Ich gebe Ihnen mein Wort darauf. Sie. Machen Sie ſich raſch fertig. unten.“
Theobald that, wie ihm geheißen. Die Ausſicht, die ihm Holbein auf den Beſitz der Handſchrift eröffnete, ſtimmte ihn ſehr heiter.
Als ſie auf den Hof kamen, fanden ſie Doris bereits zum Gehen gerüſtet und in Geſellſchaft eines jungen Mannes in Jägertracht. Es war ein ſtattlicher Burſche mit einem hübſchen, gutmüthigen, aber ſonſt leeren Geſicht. Holbein ſtellte ihn als ſeinen Neffen Paul vor, der in der Nachbar⸗ ſchaft eine Stelle als Forſtgehülfe habe.
„Nun voran, ihr junges Volk!“ rief Holbein.„Ihr bildet die Avantgarde. Wir beiden Alten folgen nach“, und ein launiger Blick ſtreifte bei den„Alten“ den Doctor.
Die Geſellſchaft ſetzte ſich in Bewegung. Der Jäger und Doris gingen voran, bald raſcher bald langſamer, wie ſpielende Kinder, und lachten und ſcherzten miteinander. Oft blieben ſie ſtehen, um zu warten, damit ſie den beiden Herren nicht zu weit voraus kämen, und Doris nickte ihnen dann jedesmal grüßend zu.
Der Weg führte eine Strecke auf dem Rücken des Berges hin, von deſſen Ausläufer das Schloß in die Gegend hinaus⸗ ſchaute, um dann in einen ſtattlichen Laubwald zu münden, durch den er ſich in anmuthigen Windungen hinzog.
„Ha, hier iſt's ſchön!“ ſagte Holbein, als ſie den Wald betreten hatten, und ſchlürfte in gewaltigen Zügen den Odem ein, daß ſich die breite Bruſt mächtig hob und ſenkte.„Athme ich die friſche Waldesluft wieder, dann wird mir immer ſo wohl, ſo weich, als hätte ich alle Sorgen und Mühen draußen und zöge ſo leicht dahin, wie der Vogel in der Luft.“
Der Tag war etwas heiß geweſen. Hier im Walde aber war es friſch und wohlig. Auch Theobald empfand mit Behagen die angenehme Temperatur. Er war infolge der Abſpannung zum Empfängniß der Reize, die ihn jetzt um⸗ gaben, mehr als je geſtimmt.
„In der That, hier iſt es ſchön!“ ſagte er.„Ich bereue es nicht, meiner Arbeit auf ein Stündchen entriſſen zu ſein.“
„Was ſind alle Genüſſe der Welt gegen das Leben im Walde?!“ fuhr Holbein fort.„Was alle Herrlichkeiten und Feſte, die Kunſt und Luxus ſchaffen können, gegen eine Stunde Umherſtreifens unter dieſen alten knorrigen Geſellen, die ewig ſchweigen und todt zu ſein ſcheinen und doch jeden Jubelruf hören? Nur verſtehen muß man ſie lernen, muß Sinn haben für ihr Treiben, und ſie erzählen und flüſtern gar manches, was die Seele in Entzücken verſetzt, wie kein Lied, kein Kunſt⸗ werk von Menſchenhand es vermag. Im Walde da geht die Seele des Menſchen auf, und iſt er noch ſo verknöchert und verdumpft von Stubenluft und böſen Gedanken. Von der Reinheit der Waldesluft, da wird alles verſcheucht, was Trübes auf dem Geiſte laſtet; vor dem unheimlichen Schweigen, da flieht das Böſe und nur die leichte Seele fühlt ſich wohl in der weiten Stille. Haha! Sehen Sie, da wird auch die pvetiſche Ader wieder frei, die ſonſt der Wüſtenſand der Ge⸗ ſchäfte verweht!“
Gewaltige Eichen und Buchen ſtanden zu beiden Seiten des Weges, die Stämme in dichtes Gebüſch verſenkt. Nur wenige Strahlen drangen durch das Laubdach, das ſich wie ein Ge⸗ wölbe über die dahin Wandelnden ſchloß, und tanzten, von dem leiſen Bewegen der Blätter getrieben, auf dem ſchwellen⸗ den Moosboden.
Eine Zeit lang gingen die Männer ſchweigend neben einander dahin. Holbein hatte den Hut vom Kopfe genommen und ließ wonneglänzend das klare graue Auge über die Stämme dahingleiten, als begrüße er in jedem einen alten Bekannten. Theobald war in Nachdenken über des Pächters Worte verſunken. Ganz ſo, wie dieſer eben geſprochen, hatte er einſt ſelbſt gefühlt. Er erinnerte ſich deſſen gar wohl, da ihm das jetzt ſo lebhaft ins Gedächtniß zurückgerufen wurde.
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Aber nun kommen Die Kinder warten ſchon


