Jahrgang 
1867
Seite
689
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SEe

2. S

X. Jahrgang. 1567 4.

Der Privatdotcent.

Erzählung von Ad. Lichtenheld. (Fortſetzung.)

dem ihm der Pächter ſeine Bücher, die er nochmals er⸗ griff, wieder abgenommen und auf den Tiſch gelegt hatte, verließen die beiden Männer das Zimmer. Es ging durch eine Menge Gänge, kreuz und quer, dem neuern Theil des Schloſſes zu, den Theobäld ſchon vom Morgen her kannte.

In dem Speiſezimmer erwartete ſie ein ſauberer Tiſch, auf dem ein geſchmackvolles Abendeſſen arrangirt war. Neben Nun, das nenne ich bei der Arbeit ſitzen, fuhr Hol⸗ dem Tiſch ſtand das Mädchen mit dem Lockenköpfchen, jetzt in bein fort.Iſt's doch faſt, als ob das Geſpenſt, das dann geſellſchaftlicher, doch einfacher Kleidung. und wann im Hauſe herumpoltern ſoll, Sie behert hätte, daßHier meine Tochter Doris! ſtellte Holbein vor.Unſer Sie nicht von hier fort können. Das Mittageſſen haben Sie Gaſt, der Herr Privatdocent Dr. Berner aus H. Bei dem verpaßt und Ihren Magen dadurch gewiß nicht wenig erzürnt. Anblick des Mädchens fiel Theobald die Scene vom Morgen WMitt meiner Tochter haben Sie es ſchon verdorben, noch ehe wieder ein, zugleich erinnerte er ſich aber auch des wohlthuen⸗ Sie ſie begrüßt, weil Sie ihre Kochkunſt nicht bewundert den Eindrucks, den dieſelbe auf ihn gemacht. Das Philiſter⸗ und ſie vergeblich den Morgen über in der Küche haben thum, dem ſich Theobald hingab und das er ſuchte, hatte wrirthſchaften laſſen. Aber mit dem Abendeſſen darf es ſeinen Geſchmack wenigſtens nicht verdorben. Wo er das nicht ſo gehen. Ich verlaſſe den Platz nicht ohne Sie. Schöne ſah, mochte es Kunſtwerk oder Natur ſein, da fühlte

Theobald ſtand auf. Er war noch halb wie geiſtesab⸗ er ſich ſtets mächtig angezogen und gab ſich willenlos der weſend und mußte ſich erſt beſinnen. äſthetiſchen Bewunderung hin, die ihn ergriff. Solche Ein⸗

Schon ſo ſpät? ſtammelte er.Ich ſcheine in der drücke, faſt die einzigen Anklänge an die überwucherten pveti⸗ That überhört zu haben, daß Sie mich zu Tiſche rufen ließen. ſchen Regungen in ihm, hafteten gewöhnlich lange in ſeiner Entſchuldigen Sie! Der Fund, den ich gemacht, iſt in der That Erinnerung. Darum ließ er auch jetzt das Auge prüfend ſo intereſſant; denken Sie nur, und ſeine Züge belebten ſich auf dem Kinde ruhen, deſſen Anmuth und Lieblichkeit wohl wieder,ich habe eine Handſchrift des 4 er Chroniſten ge⸗ geeignet waren, ein Herz warm ſchlagen zu machen. Bei der funden, eine prachtvolle, das zweite Exemplar, ja im Ver⸗ Erſcheinung Theobald's zuckte es diesmal nicht wie unter⸗ gleich zu dem andern das einzige dieſes Schriftſtellers drücktes Lächeln um die Züge, ſondern der höchſte Reſpect

Was Sie nicht ſagen! unterbrach ihn Holbein mit ſprach aus ihren Augen und ihrer Begrüßung. ſpöttelnder Verwunderung.Wol dieſer ſchweinslederne BandLaſſen Sie uns Platz nehmen, Herr Doctor! nahm da? Aber ſetzen Sie mir die Wichtigkeit Ihres Fundes Holbein das Wort.Sie ſehen, es iſt alles angerichtet und lieber nach Tiſch auseinander. Vorderhand kommen Sie und wir brauchen nur z

die Thür öffnete ſich wieder und der Pächter trat ein. Guten Abend, Herr Doctor! rief er laut. Theobald ſchaute auf und blickte verwundert den Mann wie eine gänzlich fremde Erſcheinung an.

D wurden endlich ſtarke Schritte im Nebenzimmer hörbar,

uzulangen. Verdient haben Sie Ihre

ſtärken ſich zu weiterer Arbeit! Mahlzeit heute in der That, mehr wie ich in meinem ganzen Ja, ja! Kommen Sie! Ich möchte heute gern noch Leben.

einige Stellen vergleichen. Damit eilte er der Thür zu, die Man folgte der Aufforderung des Wirths. Theobald

beiden Bücher unter dem Arme. fühlte ſeinen Hunger jetzt in ſeiner ganzen Größe. Der Halt, Herr Doctor, noch eins! rief ihm Holbein im Appetit kam ihm mit dem Eſſen und ſo langte er denn in ohnzimmer zu.Sie wiſſen, die Damen halten viel auf einer Weiſe zu, die den Pächter innerlich lachen, das Mäd⸗ Reinlichkeit. Wenn Sie ſo vor meiner Tochter erſchienen, chen erſtaunen machte. Wie zur Ermunterung ſagte Holbein: würden Sie vollends allen Credit bei ihr verlieren. Das Ge⸗Ein guter Tiſch iſt viel werth. Ich bin kein Epiku⸗ ſpenſt hat einige Spuren an Ihnen zurückgelaſſen, die Sie erſt räer, und was auf unſern Tiſch kommt, ſind lauter Landes⸗ vertilgen müſſen. erzeugniſſe. Aber was es gibt, ſuche ich mit ſo viel Behagen Er führte ihn vor den Spiegel, und Theobald ſtarrte wie möglich zu genießen. Hat man ſich müde gearbeitet ein Geſicht entgegen, das Staub und Schweiß faſt unkennt⸗ und wir arbeiten hier tüchtig dann gibt eine mit der lich gemacht hatten. Nachdem er ſich gewaſchen, und nach⸗ gehörigen Muße genoſſene Mahlzeit dem Körper die Kraft

Wachenhuſen's Hausfreund. K. 15. 87